Asr-Zeit im Vergleich: schafiitische und hanafitische Berechnung
Die Asr-Zeit beginnt, sobald der Schatten eines Objekts seine eigene Länge zuzüglich des ursprünglichen Mittagsschattens erreicht. Im schafiitischen, malikitischen und hanbalitischen Fiqh genügt die einfache Schattenlänge (1 ×), während im hanafitischen Fiqh die doppelte Länge (2 ×) abgewartet wird. Für Groß-Gerau liegt der Unterschied je nach Jahreszeit zwischen rund 45 Minuten im Dezember und bis zu 80 Minuten im Juni. Das erklärt, warum zwei Muslime am selben Ort unterschiedliche Asr-Zeiten in ihren Kalendern finden können, ohne dass einer davon „falsch“ wäre. Entscheidend ist, sich konsequent an diejenige Rechtsschule zu halten, der man folgt, oder – falls man der Ansicht eines Mufti vertraut – dessen Empfehlung zu übernehmen.
Die monatliche Tabelle auf dieser Seite zeigt beide Berechnungen klar getrennt. So lässt sich leicht erkennen, wie weit sich die Zeitpunkte auseinanderschieben und wann das Gebiet der Pflicht (fard) für Asr sicher endet: nach Einbruch des Sonnenuntergangs (Maghrib) ist das Gebet nach allen Rechtsschulen verpasst.
Fadschr und die astronomische Morgendämmerung – Berechnung in Groß-Gerau
Der Beginn der Fadschr-Zeit hängt vom Erscheinen des zweiten Morgenrots (Fadschr ṣādiq) ab. Astronomisch betrachtet setzt es ein, wenn die Sonne etwa 18° unter dem Horizont steht. In vielen internationalen Tabellen wird heute ein Wert zwischen 17° (Islamic World League) und 15° (Umm al-Qura) verwendet. Unser Kalender nutzt einen Winkel von 18°, was in den meisten Nächten eine etwas frühere Zeit liefert und damit das rituelle Fasten und das Gebet sicherer macht.
Groß-Gerau befindet sich auf 49,92° nördlicher Breite. Je höher der Breitengrad, desto länger dauert die bürgerliche sowie die astronomische Dämmerung im Sommer. Daher rückt die Fadschr-Zeit zwischen Juni und Juli teilweise bis nach 03:00 Uhr vor, während Ischa erst deutlich nach 23:00 Uhr endet. Umgekehrt verkürzen sich die Dämmerungsphasen im Winter stark; Fadschr beginnt dann gegen 06:30 Uhr und Ischa kann schon vor 18:00 Uhr eintreten. Wer seine Gebete plant, sollte diese jahreszeitlichen Verschiebungen immer im Blick behalten.
Längengrad und lokale Unterschiede beim Sonnenuntergang
Auch wenn Städte in Hessen geografisch dicht beieinander liegen, können schon wenige Kilometer im Längengrad die Maghrib-Zeit verändern. Groß-Gerau liegt bei 8,48° östlicher Länge und damit rund 15 Kilometer westlich von Frankfurt am Main. Da die Erde sich in 24 Stunden um 360° dreht, entspricht eine Längengrad-Minute vier Sekunden Zeitdifferenz. Zwischen Groß-Gerau und Darmstadt (8,65° O) beträgt die Differenz 0,17°, also ungefähr 40 Sekunden. In der Praxis werden solche Abweichungen meist auf die nächste volle Minute gerundet. Deshalb können Sie im Nachbarort ein etwas anderes Maghrib sehen, obwohl die Sonne für beide fast gleich tief untergeht.
Die Kombination aus Datum, Breitengrad, Längengrad und der lokalen Zeitzone (Europa/Berlin) ergibt das tagesgenaue Gebetsschema. An Tagen mit Zeitumstellung (letzter Sonntag im März und Oktober) verschiebt sich die gesetzliche Uhrzeit um eine Stunde, während die astronomischen Bedingungen konstant bleiben. Die Tabelle gleicht das automatisch an und sorgt so dafür, dass das Verhältnis zwischen Sonnenstand und Gebet stets korrekt dargestellt wird.