Geografische Länge und ihr Einfluss auf den Sonnenuntergang in Gummersbach
Gummersbach liegt bei 7,56 ° östlicher Länge. Jeder Längengrad entspricht in Mitteleuropa ungefähr vier Minuten Sonnenzeit. Schon gegenüber Köln (6,96 ° E) verschiebt sich daher der astronomische Sonnenuntergang um rund zwei Minuten nach vorne. Je weiter man innerhalb Deutschlands nach Osten reist – etwa nach Leipzig (12,4 ° E) – desto früher geht die Sonne am selben Datum unter. Innerhalb Nordrhein-Westfalens sind die Unterschiede zwar klein, aber spürbar genug, um die Maghrib-Zeit merklich zu verändern. Das erklärt, warum man bei Fahrten in benachbarte Städte nicht einfach das heimische Gebetszeitenblatt übernehmen sollte.
Für die Berechnung der täglichen Gebete spielt nicht nur der Sonnenuntergang, sondern auch der Sonnenhöchststand (Meridiandurchgang) eine Rolle. Er verschiebt sich ebenfalls mit der Länge und legt damit den Beginn von Zuhr fest. In Gummersbach fallen diese lokalen Korrekturen zusätzlich auf die zentraleuropäische Zeitzone (UTC +1 bzw. +2 im Sommer). Nur die Kombination aus Zeitzone und Länge liefert daher präzise Zeiten.
Rechenmethoden MWL, Diyanet und IGMG – warum mehrere Tabellen kursieren
In Deutschland sind drei Algorithmen besonders verbreitet:
- Muslim World League (MWL): Fadschr- und Ischa-Winkel je 18°. Wird oft von internationalen Apps genutzt.
- Diyanet: Türkische Religionsbehörde; arbeitet mit 18° für Fadschr, aber 17° für Ischa und berücksichtigt Feinkorrekturen für die Türkei und Europa.
- IGMG: Nutzt 15° für Fadschr und Ischa, weil sich dieser Wert in Mitteleuropa durch Beobachtungen bewährt hat und spätabendliche Bedenken reduziert.
Alle drei Methoden starten mit denselben astronomischen Rohdaten (Sonnenposition, Höhe des Beobachtungsortes, Refraktion). Sie unterscheiden sich jedoch in den Dämmerungswinkeln: dem Sonnenstand unter dem Horizont, bei dem das erste Morgenlicht (Fadschr) bzw. das vollständige Einsetzen der Nacht (Ischa) angenommen wird. Je größer der Winkel, desto früher erscheint Fadschr und desto später fällt Ischa.
Warum gibt es kein einheitliches Modell? Zum einen sind die überlieferten Beschreibungen („bis der weiße Faden vom schwarzen unterschieden wird“) interpretationsfähig. Zum anderen haben muslimische Gemeinschaften ihre eigenen Beobachtungsreihen herangezogen. In den großen Ballungsräumen Deutschlands hat sich die IGMG-Tabelle verbreitet, während Diyanet-Gemeinden naturgemäß die türkische Behörde nutzen. Internationale Apps greifen oft zur Standardlösung MWL. Wer konsequent eine Methode verwendet, vermeidet Verwirrung – alle drei basieren auf anerkannten fiqh-Konzepten.
Der Unterschied beim Asr-Gebet
Für Asr kommt ein zweiter Parameter ins Spiel: die Länge des Schattens. Die hanafitische Rechtsschule setzt ein, wenn der eigene Schatten doppelt so lang ist wie das Objekt selbst, die übrigen Schulen bereits bei einfacher Schattenlänge. Diese Differenz beträgt in Gummersbach je nach Jahreszeit zwischen 40 und 70 Minuten. Auf vielen Tabellen werden deshalb zwei Asr-Zeiten angegeben. Beide Ansätze sind schariatisch gültig; entscheidend ist die konsequente Befolgung der gewählten Methode.
Sonnenstand, astronomische Dämmerung und die Berechnung des Fadschr
Fadschr beginnt mit der astronomischen Morgendämmerung, wenn die Sonne noch unter dem Horizont steht, aber das diffuse Licht am Osthimmel eine horizontale Linie bildet. Dies geschieht bei einem Sonnenwinkel zwischen −15° und −19°, je nach genutzter Methode. Das Rechenprogramm ermittelt den Zeitpunkt, an dem die Sonnenmitte diesen Winkel unterschreitet. Bei klarem Himmel sieht man in Gummersbach dann einen zarten, quer verlaufenden Lichtstreifen – das sogenannte „wahre Morgengrauen“.
Die geografische Breite von 51,0 ° N bewirkt, dass die Dämmerung im Sommer sehr lange andauert. Zwischen Juni und Juli nähert sich die Sonne nachts kaum mehr als 14° unter den Horizont. Die Folge: Fadschr rückt weit nach vorne, während Ischa teils erst gegen Mitternacht erreicht wird. Im Dezember verkürzt sich die astronomische Dämmerung deutlich; Fadschr beginnt dann später, Ischa früher. Diese jahreszeitlichen Schwankungen erklären, warum sich die Gebetszeiten täglich ändern.
Der Sonnenaufgang (Sonnenaufgang/Schuruk) beendet das Fadschr-Fenster. Sobald die obere Sonnenscheibe den Horizont durchbricht, ist das Gebet nicht mehr gültig. Heute liegt dieser Moment um . Die Mitte der Nacht, nützlich für freiwillige Nachtgebete, fällt etwa auf .
Zusammengefasst entstammen alle Gebetszeiten einer astronomischen Grundformel, die nur um wenige Parameter ergänzt wird: Länge, Breite, Zeitzone und den gewählten fiqh-Winkel. Wer diese Faktoren kennt, kann besser nachvollziehen, warum die Zahlen in Gummersbach anders lauten als in Dortmund oder München – und warum verschiedene Apps gelegentlich voneinander abweichen.