Asr-Zeit: Unterschiedliche Berechnung nach hanafitischer und schafiitischer Rechtsschule
Die fünf täglichen Gebete sind an konkrete Sonnenstände geknüpft. Für das Nachmittagsgebet Asr gibt es jedoch zwei anerkannte Berechnungsweisen:
- Schafiitische, malikitische und hanbalitische Methode: Asr beginnt, wenn der Schatten eines Objekts seine eigene Länge erreicht (zusätzlich zum Mittagsschatten).
- Hanafitische Methode: Asr beginnt erst, wenn der Schatten die doppelte Länge des Objekts erreicht.
In Herdecke führt die hanafitische Berechnung ganzjährig zu einem späteren Asr-Beginn. Im Sommer kann die Differenz bis zu einer Stunde betragen, während sie im Winter oft nur 25–35 Minuten ausmacht. Wer einer bestimmten Rechtsschule folgt, hält sich an die jeweils früher oder später einsetzende Zeit. Die islamische Gelehrsamkeit betrachtet beide Ansätze als gültig, da sie auf authentischen Überlieferungen basieren.
Unabhängig von der Methode endet die Asr-Zeit mit dem Sonnenuntergang (Maghrib). Planen Sie also genügend Puffer ein, falls Sie die spätere hanafitische Zeit bevorzugen.
Schuruk verstehen: Warum Fadschr vor dem Sonnenaufgang beendet sein muss
Der Begriff Schuruk bezeichnet den Augenblick des Sonnenaufgangs – astronomisch gesprochen, sobald der obere Rand der Sonnenscheibe den Horizont berührt. In unseren Tabellen erscheint dieser Moment als .
Fadschr beginnt bereits in der Morgendämmerung, wenn das erste horizontale Lichtband (die sogenannte zweite Morgendämmerung) sichtbar wird. Ab diesem Zeitpunkt ist das Gebet zulässig. Mit Erreichen des Sonnenaufgangs endet das Zeitfenster unverzüglich. Ein Gebet, das erst nach Schuruk verrichtet wird, gilt als Qadaʾ und muss als Nachholgebet betrachtet werden.
Herdecke liegt auf 51,4° nördlicher Breite. Dadurch verlagert sich der Sonnenaufgang im Jahreslauf stark: Mitte Juni schon kurz nach 5 Uhr, Ende Dezember erst gegen 8:30 Uhr. Achten Sie besonders in den langen Sommertagen darauf, rechtzeitig vor Schuruk zu beten – die Dämmerung setzt früh ein, und das Zeitfenster ist oft kürzer, als man es subjektiv wahrnimmt.
Kurze Spanne zwischen Maghrib und Ischa in den Wintermonaten
Bei 51° Nord wird der Tag im Dezember sehr kurz. Die Sonne geht bereits am späten Nachmittag unter, wodurch Maghrib entsprechend früh einsetzt. Zwischen Maghrib und Ischa liegen im Winter häufig nur 60–70 Minuten, weil die astronomische Dunkelheit schneller erreicht wird. Diese Verkürzung hat praktische Folgen:
- Das Fastenbrechen im Winter fällt nahezu direkt mit dem Maghrib-Gebet zusammen.
- Wer nach der Arbeit betet, sollte die Zeit bis Ischa im Blick behalten, da sie rasch verstreicht.
Im Sommer kehrt sich das Bild um: Die Sonne verschwindet erst spät, und die Abenddämmerung hält lange an. Dadurch verschiebt sich Ischa bis weit nach 23 Uhr. Einige Berechnungsinstitute setzen in sehr hellen Nächten eine fixe Dämmerungsdauer (z. B. 90 Minuten) oder die Mitternachtsregel an, um Ischa überhaupt bestimmen zu können. Unser Standort bleibt zwar südlich des schwedischen „weißen Nacht“-Gürtels, doch auch in Herdecke verlängert sich die nautische Dämmerung im Juni auf über zwei Stunden – ein deutlicher Unterschied zum Winterhalbjahr.
Diese saisonalen Schwankungen erklären, warum Gebetszeiten täglich variieren und warum die Intervalle zwischen den einzelnen Gebeten im Laufe des Jahres sehr unterschiedlich sein können.