Herne liegt auf 51,54° nördlicher Breite und damit in einem Bereich, in dem sich die Länge des Tages im Jahreslauf stark verändert: Im Juni kann der lichte Tag mehr als 16 Stunden dauern, im Dezember dagegen kaum 8 Stunden. Diese Schwankung wirkt sich direkt auf die Gebetszeiten aus. Je länger der Tag, desto weiter rücken Fadschr und Ischa auseinander; je kürzer der Tag, desto näher liegen sie beieinander. Wer die Logik dahinter versteht, kann Abweichungen besser einordnen und seine Gebete sicherer planen.
Westliche Längengrade: Warum in Herne die Sonne ein paar Minuten später untergeht
Herne befindet sich westlich des 7. Längengrads. Schon wenige Kilometer Unterschied in der geografischen Länge verschieben den Zeitpunkt des Sonnenuntergangs um Sekunden bis Minuten. Vergleicht man zum Beispiel Herne mit Dortmund (etwa 8 km weiter östlich), geht die Sonne hier durchschnittlich rund zwei Minuten später unter. Diese scheinbar kleine Differenz reicht aus, um das Maghrib-Fenster messbar zu verschieben.
Der Grund: Die Gebetszeiten werden astronomisch nach dem wahren Sonnenstand berechnet. Bei Maghrib markiert das Verschwinden der Sonnenscheibe unter dem Horizont den Beginn der Zeit. Weil sich die Erde von West nach Ost dreht, erleben westlicher liegende Orte den Sonnenuntergang später. Daraus folgt, dass selbst benachbarte Städte leicht unterschiedliche Gebetszeiten haben. Für Gläubige in Herne bedeutet das: Wer einen Gebetskalender aus Bochum oder Gelsenkirchen übernimmt, sollte stets prüfen, ob die zugrunde liegenden Koordinaten angepasst sind.
Kurze Winterabende: Die Spanne zwischen Maghrib und Ischa
Im Winter sinkt die Sonne in unseren Breitengraden steiler unter den Horizont als im Sommer. Die nautische Dämmerung, die für das Ende von Ischa relevant ist, wird deshalb schneller erreicht. Praktisch heißt das: Zwischen Maghrib und Ischa liegen im Dezember oft nur 60–70 Minuten, während die Spanne im Juni bis zu zwei Stunden betragen kann. Gerade Berufstätige merken den Unterschied deutlich, weil beide Gebete in die Zeit nach Feierabend fallen.
Viele Gläubige nutzen die Wintermonate, um Maghrib möglichst unmittelbar nach Sonnenuntergang zu verrichten und das Haus oder die Moschee erst nach Ischa wieder zu verlassen. Wer den Abstand lieber genau beobachtet, kann die fortschreitende Nacht auch in Drittel oder Hälften einteilen, etwa über den Schortcode , der die letzte dritte Nachtmarke anzeigt. Für freiwillige Nachtgebete (Qiyâm) ist das besonders nützlich.
MWL, Diyanet oder IGMG? – Warum mehrere Berechnungsmethoden im Umlauf sind
In Deutschland begegnet man vor allem drei Rechenansätzen:
- MWL (Muslim World League): 18° für Fadschr, 17° für Ischa. Diese relativ großen Winkel lassen die Nachtgebete früher beginnen beziehungsweise später enden.
- Diyanet: 18° / 17° wie MWL, aber mit landesweiten Korrekturen, die vom türkischen Präsidium für Religionsangelegenheiten veröffentlicht werden. Dadurch folgen viele DITIB-Gemeinden diesen Zeiten.
- IGMG: 18° / 16°. Die Union der Islamischen Kulturzentren nutzt eigene Software, die zusätzlich atmosphärische Parameter für Europa berücksichtigt.
Alle Methoden stützen sich auf gültige Quellen aus Koran und Sunna; sie setzen jedoch unterschiedliche astronomische Schwellen (9°-Winkel) an, um das Ende der Morgendämmerung und den Beginn der Abenddunkelheit zu definieren. Daher können die Fadschr— und Ischa-Zeiten zwischen zwei Kalendern um bis zu 15 Minuten variieren.
Hinzu kommt die Frage, welche Regel man für das Asr-Gebet anwendet. Der hanafitische Madhhab legt das Ende der Zuhr-Zeit erst dann fest, wenn der Schatten eines Gegenstandes dessen zweifache Länge erreicht hat. Die schafiitische, malikitische und hanbalitische Rechtschule rechnen mit der einfachen Schattenlänge. Deswegen führen manche Anbieter zwei Spalten für Asr. In Herne ist der Unterschied – je nach Jahreszeit – zwischen 40 und 60 Minuten.
Welche Variante man persönlich befolgt, bleibt eine Gewissensentscheidung, die idealerweise mit der eigenen Gemeinde, einer zuverlässigen Fatwa-Quelle oder dem Imam vor Ort abgestimmt wird.