Die Wirkung des 51,5° Breitengrades auf die Sommernächte in Holzwickede
Holzwickede liegt auf 51,5 Grad nördlicher Breite. Diese geografische Lage sorgt dafür, dass die Sonne im Juni nur flach unter den Horizont sinkt. Die astronomische Abenddämmerung endet erst sehr spät, manchmal kaum vor Mitternacht. Dadurch fällt der Beginn des Ischa-Gebets im Hochsommer besonders spät aus, während das Zeitfenster bis zum deutlich kürzer wird als im Winter. Wer im Ramadan freiwillige Nachtgebete verrichten möchte, spürt diese Verkürzung sofort: Zwischen Ischa und Fadschr bleiben oft nur vier bis fünf Stunden.
Je weiter ein Ort Richtung Norden rückt, desto stärker verschwimmen die klassischen Dämmerungsphänomene. Bei Breitengraden über 48 Grad – und damit auch in Holzwickede – kann es in manchen Nächten vorkommen, dass die nautische Dämmerung (12 Grad unter dem Horizont) nicht vollständig erreicht wird. Einige Rechtsschulen erlauben in solchen Fällen, Ischa nach einer pragmatischen Regel zu berechnen; in Deutschland folgt man meist den Winkeln 15° (MWL) oder 17° (Diyanet), um eine einheitliche Lösung zu bieten.
Warum sich das Zeitfenster zwischen Maghrib und Ischa im Winter stark verkürzt
In den Monaten November bis Januar steht die Sonne über Holzwickede in einem steilen Winkel. Sie verschwindet bereits am späten Nachmittag hinter dem Horizont, erreicht die nautische Dämmerung aber sehr rasch. Das hat zwei praktische Folgen:
- Maghrib tritt früh ein, oft schon vor 17:00 Uhr.
- Ischa folgt teils nur 60–70 Minuten später, weil die Sonne viel tiefer unter den Horizont sinkt als im Sommer.
Viele Gläubige erleben gerade im Winter, dass das Abendessen direkt zwischen beiden Gebeten liegt. Wer nach der Arbeit wenig Zeit hat, kann Ischa unmittelbar nach Maghrib in der Moschee beten, sofern sein Rechtsschulverständnis dies erlaubt. Wichtig ist lediglich, dass das Gebet noch innerhalb des zulässigen Zeitrahmens verrichtet wird; der endet erst mit dem Eintritt der zweiten Hälfte der Nacht, die sich mit einfach bestimmen lässt.
MWL, Diyanet oder IGMG? – Vergleich der gebräuchlichen Rechenmethoden in Deutschland
Gebetszeiten in Deutschland werden überwiegend nach drei etablierten Schemata ermittelt:
- MWL (Muslim World League) – nutzt 18° für Fadschr und 17° für Ischa. Diese etwas strengere Wahl führt zu einem früheren Fadschr und einem späteren Ischa.
- Diyanet – die türkische Religionsbehörde rechnet in Mitteleuropa meist mit 18°/17° und rundet die Ergebnisse auf volle Minuten. Viele Moscheen türkischer Trägerschaft übernehmen diese Werte direkt.
- IGMG – kombiniert Diyanet-Werte mit einer leicht veränderten Zeitzonenlogik und benutzt für Asr zwei Optionen: Asr al-ula (Schattenlänge = eigene Länge) für hanafitische Moscheen und Asr al-thani (Schattenlänge = doppelte Länge) für andere Rechtsschulen.
Alle drei Methoden greifen auf dieselben astronomischen Grundlagen zurück: Tagesdatum, geodätische Koordinaten (für Holzwickede: 51,5 ° N, 7,63 ° O) und die lokale Zeitzone (Europa/Berlin, CET bzw. CEST). Unterschiede entstehen fast ausschließlich durch:
- den gewählten Dämmerungswinkel (15°, 17° oder 18°),
- die Definition des Asr-Schattens (einfach oder doppelt) und
- mögliche Rundungen auf volle oder fünf Minuten.
Keiner dieser Ansätze erhebt den Anspruch, einzig gültig zu sein. Islamische Gelehrte raten, sich an die Methode der eigenen Moschee oder Gemeinde zu halten, um gemeinsam beten zu können und Zweifel zu vermeiden. Wer viel reist, sollte die zugrunde liegende Formel kennen – so lässt sich schnell verstehen, warum sich ein ausländischer Kalender um einige Minuten von den hier angezeigten Zeiten unterscheidet.