Asr-Zeit in Jülich: Hanafiten und Schafiiten im Vergleich
Die fünf Pflichtgebete sind an natürliche Zeichen am Himmel gekoppelt. Beim Asr-Gebet gehen die Rechtsschulen jedoch unterschiedlich vor: Die schafiitische, malikitische und hanbalitische Schule beginnt Asr, sobald der Schatten eines Gegenstands seine eigene Länge erreicht. Die hanafitische Schule wartet, bis der Schatten doppelt so lang ist. Dieser Unterschied führt in Jülich je nach Jahreszeit zu einer Abweichung von rund einer Stunde.
Warum zwei Berechnungen angezeigt werden
Viele Muslime in Deutschland folgen dem hanafitischen Madhhab, andere dem schafiitischen. Um beiden Gruppen eine verlässliche Orientierung zu geben, werden deshalb zwei Asr-Zeiten berechnet. Beide Methoden orientieren sich am gleichen Sonnenstand, nur der Auslöser unterscheidet sich. Für das Freitagsgebet (Dschumʿa) oder das tägliche Pflichtgebet kann man sich an derjenigen Methode orientieren, die der eigenen Rechtsschule oder lokalen Gemeinde entspricht.
Praktische Empfehlung
- Wer sich nach der hanafitischen Meinung richtet, sollte das Gebet nicht vor der längeren Asr-Zeit verrichten.
- Wer sich nach der schafiitischen Meinung richtet, kann Asr bereits ab der früheren Zeit beten, sollte aber den Zeitraum zwischen beiden Grenzpunkten nutzen, um Verspätungen zu vermeiden.
Schuruk: Warum das Fadschr-Gebet davor beendet sein muss
Fadschr beginnt mit dem ersten Morgengrauen (astronomische Dämmerung) und endet exakt mit dem Sonnenaufgang, dem sogenannten Schuruk. Spätestens zum Zeitpunkt von muss das Gebet abgeschlossen sein; danach ist Beten bis zum vollständigen Aufstieg der Sonne (ca. 15–20 Minuten) unerwünscht (makrûh).
Hintergrund des Verbots
Der Prophet ﷺ verbot das Gebet in dem Moment, in dem die Sonne aufgeht, weil dieser Zeitpunkt in vorislamischer Zeit mit heidnischen Praktiken verbunden war. Um dieses Verbot einzuhalten, reicht es, die Verabschiedung (Salâm) vor Schuruk gesprochen zu haben.
Sinnvolle Zeitplanung
- Plane das Aufstehen so, dass du ein Pufferfenster von mindestens fünf Minuten vor Schuruk hast.
- Wer das Gebet verschläft, holt es nach Sonnenaufgang unverzüglich nach, sobald die unerwünschte Zeit vorbei ist.
Breitengrad 50,9°: Wie lange Sommertage die Zeiten von Fadschr und Ischa beeinflussen
Jülich liegt auf 50,92° nördlicher Breite. Damit gehört die Stadt zu den mittleren Breiten, in denen die Länge von Tag und Nacht stark schwankt: Im Juni dauert der lichte Tag rund 16 Stunden, im Dezember nur etwa 8 Stunden.
Auswirkungen auf Fadschr
Je weiter nördlich ein Ort liegt, desto früher beginnt im Sommer das Morgengrauen. In den längsten Tagen verschiebt sich Fadschr auf Zeiten, in denen manche Gläubige noch in der zweiten Nachthälfte schlafen. Das erklärt, warum der Wecker im Juni erheblich früher klingelt als im Januar.
Auswirkungen auf Ischa
Am Abend kehrt sich das Phänomen um: Die astronomische Nacht beginnt im Sommer sehr spät. Ischa kann dadurch erst weit nach 23 Uhr liegen. Für Kinder, Erwerbstätige oder ältere Menschen kann das zur Herausforderung werden. In Ausnahmefällen erlauben Gelehrte daher, Ischa mit Maghrib zu zusammenlegen (dschamʿ taʾchîr), wenn die späte Uhrzeit gesundheitlich oder organisatorisch unzumutbar ist. Wer diese Erleichterung nutzen möchte, sollte dies jedoch mit einer vertrauenswürdigen Person des Wissens besprechen.
Warum sich die Zeiten täglich ändern
Die Erdumlaufbahn ist elliptisch, und die Neigung der Erdachse bleibt konstant. Dadurch wandert der Sonnenstand gegenüber dem Horizont etwas weiter nach Norden oder Süden. Selbst kleine Änderungen von wenigen Winkelminuten reichen aus, um die Gebetszeiten in Jülich Tag für Tag um einige Minuten zu verschieben. Das erklärt, warum das Monats-Raster nie identisch ist und eine tagesaktuelle Übersicht notwendig bleibt.