Geografische Länge: Warum der Sonnenuntergang in Korschenbroich ein paar Minuten später liegt
Korschenbroich befindet sich bei 6,51° östlicher Länge. Das klingt nach einer kleinen Zahl, hat aber spürbare Auswirkungen auf die Gebetszeiten. Innerhalb einer Zeitzone wird die mittlere Ortszeit auf den 15. Längengrad kalibriert – für Mitteleuropa also auf 15° Ost. Befindet sich ein Ort westlich davon, erreicht die Sonne diesen Meridian erst etwas später. Dadurch verschiebt sich der tatsächliche Sonnenuntergang in Korschenbroich um rund 30 – 35 Minuten nach hinten gegenüber Städten, die exakt auf dem 15. Längengrad liegen.
Für das Maghrib-Gebet, das mit dem Verschwinden der Sonnenscheibe
unter dem Horizont beginnt, bedeutet das: Selbst wenn Kalender aus Berlin oder Wien die gleiche Weltzeit angeben, treten hier spürbare Unterschiede auf. Das erklärt, warum die Uhrzeit von Maghrib in Korschenbroich nicht identisch mit der in benachbarten Portalen für z. B. Köln oder Düsseldorf ist, obwohl diese Ortschaften nur wenige Kilometer entfernt liegen.
Zwei Berechnungsweisen für die Asr-Zeit in Nordrhein-Westfalen
Die Zeit für Asr beginnt, wenn der Längenschatten eines Gegenstandes eine bestimmte Relation zu seiner Höhe erreicht. Hier existieren zwei etablierte Ansätze:
- Schafiitische, malikitische und hanbalitische Methode: Der Asr-Schatten ist gleich lang wie das Objekt selbst (Länge = 1 × Höhe).
- Hanafitsche Methode: Der Schatten muss doppelt so lang sein (Länge = 2 × Höhe).
In der Praxis führt das zu einer Differenz von etwa einer Stunde im Sommer und 30 – 40 Minuten im Winter. Viele Gebetskalender für Deutschland zeigen beide Werte an, damit jede Person sich nach ihrem eigenen Fiqh richten kann. Die hier aufgeführte monatliche Tabelle enthält deshalb zwei Spalten für Asr, klar gekennzeichnet nach Schafi’i und Hanafi. Wer der hanafitischen Rechtschule folgt, sollte also die spätere Zeit wählen.
Astronomische Morgendämmerung: Wie der Fadschr exakt bestimmt wird
Der Beginn von Fadschr ist an das Erscheinen des ersten diffusen Lichts vor Sonnenaufgang gebunden – die sogenannte wahre Morgendämmerung (Fadschr Ṣādiq). Astronomisch wird sie definiert, wenn sich die Sonne 18° unter dem Horizont befindet. In einigen Kalkulationsmethoden wird mit 17° oder 15° gerechnet, was den Gebetsanfang jeweils um einige Minuten nach vorne oder hinten verschiebt.
Bei 51,19° nördlicher Breite dauern die Dämmerungsphasen zwischen Mai und Juli besonders lang: Die Sonne taucht sehr flach unter den Horizont, sodass die Fadschr-Zeit im Hochsommer schon gegen drei Uhr beginnen kann, während Ischa erst weit nach 23 Uhr einsetzt. Umgekehrt verkürzen sich die Dämmerungen im Winter drastisch; in der längsten Nacht liegen zwischen Ischa und Fadschr kaum mehr als zehn Stunden.
Die hier angezeigten Zeiten beruhen auf der Methodik des Deutschen Koordinationsrates der Muslime (DKR) mit einem Sonnenstand von 18° für Fadschr und Ischa. Damit wird ein konservativer Rahmen gewählt, der möglichst alle Meinungen abdeckt. Wer lokale Traditionen mit 15° verwendet, kann den Unterschied leicht nachvollziehen: Der Beginn des Morgengebets läge dann rund 15 – 20 Minuten später.
Zur Veranschaulichung: Heute endet die Zeit der nächtlichen Sunnah-Gebete ungefähr zur Mitte der Nacht bei ; ab gilt das Pflichtgebet.