Die auf dieser Seite angezeigten Gebetszeiten basieren auf präzisen astronomischen Berechnungen für Köthen (51,75° nördliche Breite, 11,97° östliche Länge) und den aktuellen Kalender- sowie Zeitzonendaten. Im Folgenden finden Sie Hintergrundinformationen, warum sich die angegebenen Zeiten von anderen Quellen unterscheiden können und welche Rolle die verschiedenen Berechnungsmethoden spielen.
Berechnungsmethoden in Deutschland: MWL, Diyanet und IGMG im Vergleich
In Deutschland werden hauptsächlich drei Methoden verwendet:
- Muslim World League (MWL) – 18° unter dem Horizont für Fadschr, 17° für Ischa. Diese konservativen Winkel führen zu früheren Fadschr- und späteren Ischa-Zeiten.
- Diyanet (Türkische Religionsbehörde) – 18° für Fadschr und Ischa. Der Ansatz ähnelt MWL, weicht aber bei der Praxis der Nachkommastellen und Rundung leicht ab.
- IGMG / Europäischer Rat für Fatwa und Forschung – 12° für Fadschr und Ischa. Dadurch beginnt der Tag später und endet früher, was in gemäßigten Breiten als pragmatischer gilt.
Die Mehrheit der deutschen Moscheen folgt entweder Diyanet oder IGMG, während viele Gebets-Apps auf MWL zurückgreifen. Alle drei Methoden sind aus islamrechtlicher Sicht anerkannt, weil jede den Koran-Vers „…das Morgengrauen, das den Tag vom Nachthimmel trennt“ (Sure 2:187) auf ihre Art auslegt.
Beim Asr-Gebet existieren zusätzlich zwei Rechtsschulen-Varianten: Die hanafitische Schule rechnet mit der doppelten Schattenlänge, alle anderen Schulen mit der einfachen. Unsere Monatsübersicht weist deshalb beide Optionen aus. Wählen Sie die Länge, die Ihrem persönlichen Madhhab entspricht.
Astronomische Grundlagen: Fadschr, Ischa und die langen Dämmerungen in Köthen
Die fünf Pflichtgebete orientieren sich am Sonnenstand. Entscheidend sind dabei die sogenannten Sonnen-Depressionswinkel, also wie viele Grad sich die Sonne unter dem Horizont befindet:
- Fadschr beginnt, sobald die astronomische Morgendämmerung einsetzt (je nach Methode 12-18°).
- Ischa endet, wenn die astronomische Abenddämmerung vollständig verflogen ist.
Je höher der Breitengrad, desto länger dauern die Dämmerungsphasen. Köthen liegt deutlich über 48° Nord, daher verschieben sich Fadschr und Ischa im Sommer stark:
- Im Juni liegen zwischen Fadschr und Sonnenaufgang oft weniger als zwei Stunden.
- Bei Ischa kann die Sonne nur knapp unter den gewählten Winkel sinken, was zu sehr späten Ischa-Zeiten führt.
Einige Gemeinden wählen in dieser Phase ergänzende Regeln (z. B. Mitternachts-Methode oder feste Zeitbegrenzungen), um die Belastung zu reduzieren. Auf dieser Seite wird jedoch konsequent die gewählte Hauptmethode umgesetzt; eventuelle Abkürzungen werden deutlich markiert.
Schuruk: warum der Abschluss des Fadschr vor Sonnenaufgang zwingend ist
„Schuruk“ bezeichnet den Moment, an dem die obere Sonnenscheibe den Horizont berührt. Mit diesem Augenblick endet die Zeit für das Fadschr-Gebet. Wer also den Fadschr betet, sollte unbedingt vor die Gebetseinheit beginnen, um noch innerhalb des zulässigen Zeitfensters zu bleiben.
Ähnlich verhält es sich mit Maghrib: Die Zeit beginnt exakt beim Sonnenuntergang und läuft, bis der rote Dämmerungsschimmer verschwindet und Ischa einsetzt. Der tägliche Wechsel der Sonne auf ihrer Jahresbahn erklärt, warum sich alle Gebetszeiten Tag für Tag um wenige Minuten verschieben – im Dezember nach hinten, im Juni nach vorn.
Wer mehrere Kalender vergleicht, stellt daher kleine Differenzen fest. Sie resultieren aus:
- unterschiedlichen Winkeln (12°, 15°, 18° etc.),
- Variationen in der Höhe des Beobachtungsortes,
- Rundungsregeln sowie der Zeitzonen- und Sommerzeitumstellung.
Für den Alltag empfiehlt die Mehrheit der Gelehrten, sich konsequent an eine zuverlässige Quelle zu halten, um Verwirrung zu vermeiden.