Breitengrad 52° – was bedeutet das für Fadschr und Ischa in Laatzen?
Laatzen liegt auf 52,3° nördlicher Breite. Je weiter man sich vom Äquator entfernt, desto länger dauern die Dämmerungsphasen im Sommer und desto kürzer sind sie im Winter. Deshalb verschiebt sich das Fadschr-Gebet im Juni deutlich nach vorne, während Ischa sehr spät stattfinden kann. Um Mitternacht bleibt der Himmel oft noch hell; die astronomische Dämmerung endet manchmal erst kurz vor Fadschr. Das ist zwar keine weiße Nacht wie in Skandinavien, aber die Anzeichen für Ischa (Versinken der roten Abenddämmerung) treten spät auf. Im Dezember kehrt sich das Bild um: Die Sonne geht früh unter, sodass Maghrib und Ischa näher beieinanderliegen, dafür beginnt Fadschr relativ spät. Diese tagesabhängige Verschiebung erklärt, warum sich die Gebetszeiten in der Monatsübersicht von Tag zu Tag ändern.
Viele Muslime nutzen in solchen Sommernächten zur Planung der freiwilligen Qijām-Gebete Zwischenwerte wie die Mitte der Nacht () oder das letzte Drittel (). Beide Zeiten werden aus dem Abstand zwischen Sonnenuntergang (Maghrib) und Fadschr berechnet und helfen, den eigenen Rhythmus trotz kurzer Dunkelphase beizubehalten.
MWL, Diyanet oder IGMG – warum gibt es mehrere Berechnungsmethoden?
In Deutschland sind vor allem drei Rechenstandards verbreitet:
- MWL – Muslim World League: nutzt üblicherweise 18° Sonnenhöhe für Fadschr und Ischa. Der konservative Winkel führt zu früheren Fadschr- und späteren Ischa-Zeiten.
- Diyanet (Präsidium für Religionsangelegenheiten der Türkei): arbeitet mit 18° (Fadschr) und 17° (Ischa), setzt jedoch Zusatzkorrekturen für hohe Breiten ein. Diese Tabellen finden sich in vielen türkischen Gemeinden.
- IGMG (Islamische Gemeinschaft Millî Görüş): verwendet 15° für beide Gebete und rundet die Zeiten auf volle Minuten. Die Ergebnisse liegen meist zwischen MWL und Diyanet.
Alle drei Methoden basieren auf einem gemeinsamen Prinzip: Die obligatorischen Gebete werden an konkrete Sonnenpositionen geknüpft. Unterschiedliche Winkelwerte (18°, 17°, 15°) ändern den Zeitpunkt, an dem die Sonne die nötige Höhe unter dem Horizont erreicht. Bei Fadschr geht es um das Erscheinen der ersten Morgendämmerung (Fadschr ṣādiq), bei Ischa um das vollständige Verschwinden der Abendröte. Zudem können lokale Anpassungen – Koordinaten von Laatzen, die Zeitzone Europe/Berlin und Sommerzeitregelungen – kleine Abweichungen verursachen. Dadurch entsteht das bekannte Phänomen: Zwei verlässliche Quellen zeigen für denselben Tag leicht unterschiedliche Minutenwerte an.
Asr – ein Gebet, zwei Schattenlängen
Die Zeit des Nachmittagsgebets beginnt, wenn der Schatten eines Objekts nach dem Zenit eine bestimmte Länge erreicht. Hier bestehen zwei anerkannte Auffassungen:
- Schafi‘i, Maliki, Hanbali und viele Gelehrte: Asr beginnt, sobald der Schatten eines Gegenstandes doppelt so lang ist wie sein Mittagsschatten (genauer: Objektlänge + einmaliger Zenitschatten). Diese Definition führt zu einem früheren Asr-Einsatz.
- Hanafi: Asr beginnt, wenn der Schatten das Doppelte seiner Objektlänge plus den Zenitschatten erreicht, also merklich später. Diese Variante wird vor allem in südasiatischen Gemeinden angewandt.
Für Laatzen bedeutet das: Wer dem hanafitischen Madhhab folgt, betet Asr einige Minuten später als jemand, der der schafiitischen Meinung folgt. Viele Zeitpläne – auch der hier angezeigte – geben daher zwei Spalten oder einen Hinweis zu Asr aus. Beide Zeiten sind aus islamischer Sicht legitim; wichtig ist die konsequente Orientierung an einer Methode.
Moscheen und islamische Zentren in Laatzen
| Name | Adresse | Kontakt |
|---|---|---|
| DITIB Haci Bayram Moschee | Pettenkoferstraße 25, 30880 Laatzen | Tel. 0511 / 8209208 |