Unterschiede zwischen MWL, Diyanet und IGMG – warum mehrere Berechnungsmethoden?
In Deutschland werden vor allem drei Rechenmethoden verwendet: die Muslim World League (MWL), die Präsidentschaft für religiöse Angelegenheiten der Türkei (Diyanet) und die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Alle drei legen fest, bei welchem Sonnenstand (sun depression angle) Fadschr und Ischa beginnen, unterscheiden sich dabei jedoch um wenige Grad:
- MWL: 18° unter dem Horizont für Fadschr und Ischa.
- Diyanet: 18° für Fadschr, 17° für Ischa.
- IGMG: 12° für beide Gebete; dadurch fallen Fadschr und Ischa etwas später bzw. früher aus.
Die unterschiedlichen Winkel spiegeln historische sowie regionale Gewohnheiten wider. Ein größerer Winkel erfasst ein schwächeres Dämmerungslicht, weshalb die Gebetszeiten früher beginnen und später enden. Gemeinden in Lage wählen meist die Methode, die ihre Moscheeorganisation vorgibt. Wichtig ist, innerhalb einer Gemeinde einheitlich zu handeln, um Verwirrung zu vermeiden.
Fadschr, Sonnenaufgang und Asr – der Sonnenstand als Maßstab
Alle fünf Pflichtgebete orientieren sich an klar definierten Sonnenstellungen:
- Fadschr: beginnt mit dem ersten astronomischen Morgengrauen, wenn der Horizont von einem feinen Lichtstreifen durchzogen wird. Der Zeitpunkt entsteht, sobald die Sonne etwa 12–18° unter dem Horizont steht.
- Sonnenaufgang (Schuruk): endet die Zeit für Fadschr. Ab jetzt ist das Gebet ungültig, bis die Sonne vollständig aufgegangen ist.
- Zuhr: beginnt, sobald die Sonne ihren Höchststand (wahre Mittagslinie) überschritten hat.
- Asr: hängt vom Verhältnis des Schattens eines Objekts zu dessen Länge ab.
- Maghrib: direkt nach Sonnenuntergang.
- Ischa: wenn die nautische Abenddämmerung endet und der rote Schimmer verschwunden ist.
Warum zwei verschiedene Asr-Zeiten?
Die hanafitische Rechtsschule beginnt Asr, wenn der Schatten die doppelte Länge des Objekts erreicht. Die übrigen drei Rechtsschulen akzeptieren bereits die einfache Länge. Auf den Zeittafeln erscheinen daher oft zwei Asr-Spalten oder der Hinweis „Asr (Ḥanafi)“. Wählen Sie diejenige, die Ihrer persönlichen Schulzugehörigkeit entspricht.
Wer wissen möchte, wann die Mitte der Nacht erreicht ist, kann sich an orientieren. Dies ist besonders hilfreich, wenn freiwillige Nachtgebete geplant sind.
Breitengrad 51,99° N – lange Tage, kurze Nächte
Lage liegt auf fast 52° nördlicher Breite. Dadurch verschiebt sich das Verhältnis von Tag und Nacht deutlich zwischen Sommer und Winter:
- Sommer: Die Sonne geht spät unter und steigt sehr früh wieder auf. Fadschr und Ischa rücken zusammen, die Nacht wird kurz. Bei sehr hohen Breiten verschwindet die nautische Dämmerung teilweise ganz – hier jedoch bleibt sie knapp erhalten, was die Berechnung erleichtert.
- Winter: Längere Nächte führen zu einer größeren Spanne zwischen Ischa und Fadschr. Die Gebetszeiten verschieben sich täglich um wenige Minuten, weil die Sonne ihren Jahreslauf entlang der Ekliptik vollzieht.
Wenn in besonders hellen Sommernächten kein vollständiges Dunkel eintritt, greifen manche Tabellen auf Hilfsregeln zurück, etwa die «Seventh-Rule» oder die proportionale Aufteilung der Nacht. In Lage ist dies selten nötig, dennoch können kleine Abweichungen zwischen verschiedenen Kalendern auftreten.
Die Berechnungen berücksichtigen immer vier Faktoren: Datum nach gregorianischem und islamischem Kalender, die exakten Koordinaten (Lat 51,99223°, Lon 8,79301°), die Zeitzone (Europa/Berlin) sowie den Sonnenstand. Deshalb erhalten Sie für jeden Tag automatisch neue Werte – auch dann, wenn sich das Wetter kaum ändert.