Breitengrad 52,5° – was das für Sommernächte und das Ischa-Gebet bedeutet
Lingen liegt mit 52,52 ° nördlicher Breite deutlich oberhalb des 48-Grad-Kreises, ab dem die Nächte im Juni sehr kurz werden. Je näher man dem Pol kommt, desto länger bleibt die Sonne knapp unter dem Horizont, und die astronomische Dämmerung kann sich bis weit nach Mitternacht ziehen. Das betrifft zwei Gebetszeiten besonders stark:
- Fadschr: Er beginnt, sobald das erste schwache Morgenlicht am östlichen Horizont erscheint (astronomische Morgendämmerung).
- Ischa: Er beginnt, wenn die astronomische Abenddämmerung endet und der Himmel vollständig dunkel ist.
An sehr hellen Sommernächten kann die Abenddämmerung kaum enden, sodass Ischa in Lingen manchmal erst kurz vor Mitternacht eintritt. Deshalb nutzen viele muslimische Gemeinschaften in Deutschland alternative Regeln, etwa den Mitternachts-Ansatz (Ischa = Mitte zwischen Sonnenuntergang und Morgendämmerung) oder den Angelsächsischen Ansatz, bei dem eine feste Höhendifferenz der Sonne (z. B. 90 Minuten nach Maghrib) zugrunde gelegt wird. Beide Methoden sind laut Gelehrten zulässig, wenn die astronomische Dunkelheit praktisch nicht erreicht wird.
Längengrad 7,3° Ost – kleine Zahlen, merkbare Wirkung auf den Sonnenuntergang
Die Zeit des Maghrib-Gebets richtet sich nach dem Moment, in dem die Sonnenscheibe vollständig unter dem Horizont verschwunden ist. Da Lingen bei 7,3° östlicher Länge liegt, verläuft die Ortszeit leicht versetzt zu Städten gleicher Breite weiter östlich oder westlich:
- Verglichen mit Bremen (8,8° Ost) geht die Sonne in Lingen im Jahresmittel etwa sechs Minuten früher unter.
- Gegenüber Münster (7,6° Ost) beträgt der Unterschied nur rund eine Minute.
Solche Abweichungen entstehen, weil jeder Längengrad einer Zeitdifferenz von vier Minuten entspricht. Wer also Fahrten in benachbarte Regionen unternimmt, sollte das lokale Maghrib- und Ischa-Gebet anpassen, selbst wenn die Entfernung nur wenige Dutzend Kilometer beträgt.
Astronomische Dämmerung: Wie exakt der Beginn von Fadschr berechnet wird
Die meisten Gebetskalender in Deutschland verwenden den UGM/MOON-Ansatz oder den weltweiten Muslim World League-Standard. Dabei gilt:
- Fadschr – Sonne 18° unter dem Horizont (Astronomische Morgendämmerung).
- Ischa – Sonne 17° – 18° unter dem Horizont (Astronomische Abenddämmerung).
Die Berechnung greift auf drei Faktoren zurück:
- Datum: Der Bahnwinkel der Erde ändert sich täglich, daher verschiebt sich auch die Stellung der Sonne.
- Geografische Koordinaten: Breite und Länge bestimmen, wie flach oder steil die Sonnenbahn über dem Horizont verläuft.
- Zonenzeit: Lingen folgt der Zeitzone Europe/Berlin (UTC+1 / UTC+2 im Sommer). Rechnen wir einen Sonnenuntergang um 18:00 UTC aus, wird er in der Ortszeit 19:00 bzw. 20:00 Uhr angezeigt.
Abweichungen zwischen verschiedenen Webseiten entstehen, wenn sie andere Grenzwerte (z. B. 15° statt 18°) oder andere Zeitzonendatenbanken nutzen. Wer absolute Gewissheit braucht, kann das schwache Morgenlicht selbst beobachten: Der Fadschr beginnt, wenn sich ein horizontaler, weißlicher Streifen vom Osten her über den Himmel zieht. Der Sonnenaufgang () erfolgt erst, wenn die obere Kante der Sonnenscheibe zu sehen ist – ein Unterschied von meist 70 bis 100 Minuten.
Asr – zwei gültige Definitionen
Für das Asr-Gebet wird der eigene Schatten gemessen:
- Schāfiʿī, Mālikī, Hanbalī: Asr beginnt, wenn der Schatten eines Gegenstands gleich seiner Länge wird (zusätzlich zum Mittagsschatten).
- Hanafī: Asr beginnt erst, wenn der Schatten doppelt so lang ist.
Gebetskalender in Deutschland zeigen daher oft zwei Asr-Zeiten an. Beide Varianten sind islamisch korrekt; jede Person folgt einfach der eigenen Rechtsschule oder der örtlichen Moschee.
Warum die Zeiten täglich schwanken
Die Neigung der Erdachse führt dazu, dass die Sonne jeden Tag auf einer leicht anderen Bahn verläuft. Daraus ergeben sich:
- frühere Sonnenaufgänge und spätere Sonnenuntergänge im Sommer,
- kürzere Tage und längere Nächte im Winter.
Selbst wenn Uhr, Kalender und Standort unverändert bleiben, verschiebt sich das Gebetsfenster daher kontinuierlich. Die Tabelle für Juni zeigt diese Veränderung im Tagesrhythmus.