Fadschr und die astronomische Morgendämmerung
Die erste Pflichtgebetszeit des Tages beginnt nicht einfach irgendwann vor Sonnenaufgang, sondern genau mit dem zweiten Morgengrauen (Fadschr ṣādiq). In den verbreiteten Rechenmethoden wird dieser Moment festgelegt, sobald das Sonnenzentrum 18 Grad unter dem Horizont steht. Dann zeigt sich am Osthimmel ein quer verlaufender Lichtstreifen – das in authentischen Hadithen erwähnte Zeichen für den zu verlässigen Beginn der Fadschrzeit.
Mahlsdorf liegt auf 52,51° nördlicher Breite. Diese geographische Lage bewirkt ausgeprägte saisonale Unterschiede: Im Juni sinkt die Sonne nur flach unter den Horizont, sodass die Dunkelphase kurz ist und der Abstand zwischen Fadschr und Sonnenaufgang gering bleibt. Im Dezember dagegen erreicht die Sonne weitaus tiefere negative Höhen, die Nacht ist länger, und die Zeitspanne zwischen Fadschr und wächst deutlich an.
Für die konkrete Berechnung werden neben Datum, Breite und Länge (13,61° O) auch der jeweilige Zeitzonenversatz (MEZ oder MESZ), die atmosphärische Refraktion und lokale Höhenangaben berücksichtigt. Werden nur einzelne Parameter geändert – etwa ein anderer Dämmerungswinkel (−15° statt −18°) oder eine Rundung auf ganze Minuten –, entstehen Abweichungen zwischen verschiedenen Kalendern von bis zu zehn Minuten. Solche Differenzen sind islamisch akzeptabel, solange sie innerhalb des anerkannten Dämmerungsbereichs liegen.
Maghrib und Ischa im Winter: Warum liegen sie so dicht beieinander?
Maghrib beginnt unmittelbar mit dem vollständigen Untergang der Sonnenscheibe. Die Ischazeit startet, wenn keine abendliche Röte mehr am Himmel zu sehen ist; rechnerisch wird dafür meist der Sonnenstand von 17 bis 18 Grad unter dem Horizont zugrunde gelegt. Zwischen diesen beiden Ereignissen vergeht in nördlichen Breiten nur eine begrenzte Zeit.
Im Winter bewegt sich die Sonne nach ihrem Untergang besonders steil nach unten. Bei 52° Breite benötigt sie lediglich 70–90 Minuten, um von 0° auf −18° zu fallen. Dadurch schrumpft das Fenster zwischen Maghrib und Ischa erheblich. Viele Muslime aus südlicheren Ländern wundern sich deshalb, dass in Berlin bereits kurz nach 16 Uhr beide Abendgebete verrichtet werden können – ein rein astronomischer Effekt, keine Verlegung der Gebetszeiten.
Umgekehrt dehnt sich das Intervall im Sommer deutlich aus, da die Sonne viel flacher unter den Horizont wandert. Wer nach Maghrib unterwegs ist, sollte deshalb speziell im Winter frühzeitig einen Platz für das Ischagebet einplanen oder – falls die Bedingungen des fiqh erfüllt sind – Maghrib und Ischa zusammenlegen. Entscheidend ist, dass Ischa verrichtet wird, bevor die Mitternacht nach Scharia eintritt, ein Zeitpunkt, der sich aus der Hälfte der Nachtlänge errechnet ().
Die Asr-Zeit nach verschiedenen Rechtsschulen
Die Asrzeit setzt nach allen Rechtsschulen mit der Verlängerung des Schattens ein, jedoch unterschiedlich definiert:
- Schafiiten, Malikiten, Hanbaliten: Asr beginnt, wenn der Schatten eines Gegenstands zuzüglich seines ursprünglichen Mittagsschattens genau dessen Länge erreicht (einfache Schattenlänge).
- Hanafiten: Asr beginnt erst bei doppelter Schattenlänge.
Im Raum Mahlsdorf bedeutet das im Sommer häufig einen Unterschied von 20–30 Minuten, während er in den kurzen Wintertagen auf etwa 10–15 Minuten sinkt. Unsere Monatsübersicht zeigt daher gewöhnlich zwei Werte, sodass jeder seine gebotene Zeit leicht wiederfindet. Welche Methode Sie persönlich anwenden, richtet sich nach Ihrer Rechtsschule oder der Praxis Ihrer Moschee; wichtig ist, den gewählten Rahmen konsequent einzuhalten.
Unabhängig vom Mazhab endet die Asrzeit mit dem Sonnenuntergang. Wer also die spätere hanafitische Variante nutzt, sollte unbedingt darauf achten, dass noch ausreichend Puffer bis Maghrib bleibt.