Lange Sommernächte auf 49,5° nördlicher Breite: Herausforderung für das Ischa-Gebet
Mannheim liegt mit 49,49 ° deutlich nördlich der heiligen Stätten des Islam. Je näher ein Ort an den Polarkreis rückt, desto länger dauert die bürgerliche und astronomische Dämmerung im Sommer. Im Juni und Juli sinkt die Sonne hier nur flach unter den Horizont; die astronomische Dämmerung endet oft erst nach Mitternacht oder verschmilzt mit der Morgendämmerung. Das bedeutet, dass sich der Zeitpunkt für Ischa nach hinten verschiebt und in einigen Kalendern sehr spät angezeigt wird.
Islamische Gelehrte haben deshalb verschiedene Erleichterungen (taqlīl) erlaubt, zum Beispiel:
- Annahme eines festen Höchstintervalls zwischen Maghrib und Ischa (z. B. 90 Minuten).
- Verwendung einer geringeren Sonnentiefe als 17–18 °, etwa 15 °, um den Beginn der Nacht-Dunkelheit früher festzusetzen.
- Rückgriff auf die Regel „Mitternacht“: Spätestens zur halben Nacht sollte Ischa verrichtet sein, selbst wenn der theoretische Zeitpunkt später läge.
Die hier angezeigte Berechnung folgt den in Deutschland üblichen Parametern des Islamic Centre of Aachen (ICA): 18 ° für Fadschr und 17 ° für Ischa. Wer einer anderen Schule folgt, kann sich nach ihren Richtlinien richten, solange der Gebetsrahmen gewahrt bleibt.
Wintermonate: Verkürzte Zeit zwischen Maghrib und Ischa
Im Dezember ist die Situation in Mannheim spiegelverkehrt: Der Sonnenuntergang erfolgt bereits am späten Nachmittag, und die Nacht setzt rasch ein. Zwischen Maghrib und Ischa liegen dann oftmals weniger als 70 Minuten. Praktisch bedeutet das, dass Gläubige wenig Spielraum haben, beide Gebete nacheinander ohne Aufschub zu verrichten. Gerade im Berufs- oder Studienalltag empfiehlt es sich, Maghrib sofort nach Sonnenuntergang zu beten und Ischa nicht unnötig aufzuschieben.
Die kurze Distanz zwischen den beiden Gebeten wirkt sich auch auf freiwillige Handlungen aus. Wer etwa sein Nachtgebet (Qiyām al-Lail) in der letzten Drittel der Nacht verrichten möchte, hat im Winter deutlich mehr Dunkelheit zur Verfügung als im Hochsommer.
Wie wird die Fadschr-Zeit astronomisch bestimmt?
Fadschr beginnt, sobald der true dawn – ein horizontaler, leicht rötlicher Lichtstreifen – am östlichen Horizont erscheint. ASTRONOMISCH wird dieser Moment über den Sonnenstand gemessen. Bei 18 ° unter dem Horizont spricht man von der „astronomischen Morgendämmerung“. Viele deutsche Gebetskalender, darunter die ICA-Methode, verwenden genau diesen Wert. Andere Institute – etwa der Muslim World League – nutzen 17 °. Der Unterschied macht im Sommer bis zu 10 Minuten aus, im Winter etwas weniger.
Die Formel berücksichtigt vier Kerndaten:
- Datum: Wegen der Schiefe der Erdachse wandern die Gebetszeiten täglich.
- Koordinaten: 49,49 ° N, 8,47 ° E bestimmen die astronomischen Winkel speziell für Mannheim.
- Zeitzone: Europe/Berlin (UTC +1 / +2) sorgt für die Umrechnung von Sonnenzeit in Ortszeit.
- Sonnenwinkel: Der gewählte Berechnungsparameter (z. B. 18 °) definiert die Dämmerungsgrenze.
Da verschiedene Organisationen unterschiedliche Winkel und Interpretationen verwenden, können kleine Abweichungen zwischen Kalendern entstehen. Wichtig ist, sich konsequent an eine vertrauenswürdige Methode zu halten, um Verwirrung zu vermeiden.
Moscheen und islamische Zentren in Mannheim
| Name | Adresse | Kontakt |
|---|---|---|
| Yavuz-Sultan-Selim-Moschee | Luisenring 28, 68159 Mannheim | Tel. 0621 / 181470 |
| IGMG Fatih Camii | Lortzingstraße 10, 68169 Mannheim | fatih-mannheim.de |
| Selimiye Moschee | Mittelstraße 39, 68169 Mannheim | Tel. 0621 / 3306036 |
| Bait-ul-Muhyi Moschee (Ahmadiyya) | Weberstraße 20, 68165 Mannheim | ahmadiyya.de |