Die tabellarische Übersicht der Gebetszeiten liefert Ihnen bereits alle konkreten Uhrzeiten für Moabit. Der nachfolgende Text hilft dabei, diese Zahlen richtig einzuordnen und die häufigsten Fragen zum Zustandekommen der Zeiten zu klären.
Warum verschiedene Rechenmethoden (MWL, Diyanet, IGMG) genutzt werden
In Deutschland finden sich vor allem drei verbreitete Kalkulationsmethoden:
- Muslim World League (MWL) – verwendet weltweit gültige Standard-Winkel (Fadschr 18°, Ischa 17°) und ist deshalb in vielen Apps voreingestellt.
- Diyanet – die türkische Religionsbehörde setzt für Fadschr 18° und für Ischa 17° an, passt jedoch zusätzlich die Zeiten an die topografischen Gegebenheiten an, um eine einheitliche Zeitschiene für die große türkischsprachige Gemeinde zu schaffen.
- IGMG – das Islamische Gemeinschaft Milli Görüş übernimmt die Diyanet-Winkel, wendet aber in Mitteleuropa eine feinere geografische Rasterung an. Dadurch können sich zu Diyanet Abweichungen von wenigen Minuten ergeben.
Alle drei Verfahren basieren auf denselben religiösen Prinzipien, unterscheiden sich aber in den verwendeten Winkeln, Rundungsregeln und Korrekturen für Sommerzeit. Da Moabit (52,53° N) relativ weit nördlich liegt, sind die lokalen Effekte größer als in südlichen Ländern, weshalb sogar kleine methodische Unterschiede direkt in den Uhrzeiten sichtbar werden.
Hinzu kommt der Asr-Unterschied zwischen Hanafiten und Schafiiten. Die Hanafi-Schule legt den Zeitpunkt fest, wenn der Schatten eines Gegenstands doppelt so lang ist wie er selbst, die meisten anderen Rechtsschulen (darunter Schafi’i) bereits beim einfachen Schatten. Aus diesem Grund finden Sie in manchen Kalendern zwei Asr-Spalten oder einen zusätzlichen Hinweis.
Fadschr und die astronomische Morgendämmerung
Fadschr beginnt, sobald sich am Osthorizont das 1. Morgenlicht zeigt. ASTRONOMISCH wird dies daran festgemacht, dass die Sonnenmittelpunkt einen bestimmten Winkel unterhalb des Horizonts erreicht:
- 18° → klassische Definition, weltweit am weitesten verbreitet (MWL, Diyanet).
- 15° → in einigen mitteleuropäischen Gemeinden angewandt, um im Sommer realistischere Zeiten zu erhalten.
Je kleiner der Winkel, desto später beginnt Fadschr. In Moabit verlängert die hohe Breite den Zeitraum der Dämmerung erheblich: Im Juni wird es nachts kaum völlig dunkel, weshalb Fadschr sehr früh liegen kann, während Ischa teilweise stark nach hinten rutscht oder rechnerisch gar nicht mehr unter regulären Winkeln ermittelbar ist. Viele Gemeinden behelfen sich dann mit Hilfsregeln, z. B. dem sog. angle-based approach (gleiche Winkel, aber Maximalabstand zu Maghrib) oder Konstantwerten wie (Mitternachtsregel).
Neben dem Winkel spielen auch Breite, Länge und die Zeitzone eine Rolle. Schon eine Verschiebung von 0,1° in der Länge (ca. 7 km) verändert die Zeit um bis zu 24 Sekunden. Deshalb können Kalender für Berlin-Moabit und Berlin-Kreuzberg leicht differieren, ohne dass einer fehlerhaft wäre.
Schuruk, Maghrib und der tägliche Zeitplan
Schuruk bezeichnet den Augenblick, an dem die Sonne mit ihrem oberen Rand den Horizont erreicht. Er markiert das absolute Ende des Fadschr-Gebetsfensters; das Gebet muss spätestens vor verrichtet sein. Ab Schuruk bis zum vollständigen Aufstieg der Sonne (ca. 15 Minuten danach) wird das beten freiwilliger Gebete laut Sunna pausiert.
Bei Maghrib hingegen beginnt die Zeit mit dem Sonnenuntergang, sobald die Scheibe komplett verschwunden ist. Hier gibt es keinerlei Winkel-Berechnungen: Die Beobachtung ist eindeutig. Ischa startet erst, wenn die rote Abenddämmerung erloschen ist. Durch die lange Dämmerungsphase im Sommer kann dieser Abstand in Moabit über 90 Minuten betragen, im Dezember dagegen kaum 60 Minuten.
Dass sich alle Gebetszeiten täglich um einige Minuten verschieben, liegt an zwei Effekten: dem Umlauf der Erde um die Sonne (Jahreszeit) und der leichten Unregelmäßigkeit der Sonnenbahn relativ zum 24-Stunden-Raster (Equation of Time). Auf der monatlichen Tabelle erkennen Sie diesen Gleitschritt besonders deutlich bei Fadschr und Ischa.