Die Stellung der Sonne und die astronomische Dämmerung: Wie Fadschr berechnet wird
Die erste tägliche Gebetszeit beginnt, wenn der erste Lichtstreifen am östlichen Horizont erscheint. In der astronomischen Terminologie wird dieser Zeitpunkt als «Morgendämmerung» bezeichnet. Für die islamische Berechnung wird der Sonnenmittelpunkt dann betrachtet, wenn er sich noch zwischen 18° und 15° unter dem Horizont befindet. Viele europäische Kalender – auch der für Moers – arbeiten mit 18 Grad (astronomische Dämmerung), weil dadurch der Zeitpunkt etwas früher und damit sicherer gewählt wird. Einige Institute bevorzugen 17 oder 15 Grad, was zu einigen Minuten Unterschied führen kann. Die Wahl des Parameters ist kein Glaubensgrundsatz, sondern eine methodische Frage, die von Gelehrtenräten festgelegt wird.
Bei der Berechnung werden folgende Daten zusammengeführt:
- Datum: Jeder Tag hat eine andere Sonnenbahn.
- Geografische Koordinaten: Für Moers wird 51,45° N und 6,63° E zugrunde gelegt.
- Zeitzone: Europe/Berlin (UTC + 1, im Sommer + 2).
- Atmosphärische Refraktion: Der scheinbare Ort der Sonne wird korrigiert.
Der so bestimmte Moment wird anschließend in Ortszeit umgerechnet und als Fadschr angezeigt – zum Beispiel heute um .
Was ist Schuruk und warum muss das Fadschr-Gebet davor beendet sein?
Schuruk (Sonnenaufgang) bezeichnet den Moment, in dem die Oberkante der Sonnenscheibe den Horizont berührt. In der islamischen Lehre endet die Zeit des Fadschr unmittelbar mit Beginn des Sonnenaufgangs. Danach beginnt ein Zeitraum, der als Karahiyya gilt – in dieser Phase wird von freiwilligen Gebeten abgeraten. Wer also das Pflichtgebet von Fadschr verrichten möchte, sollte es rechtzeitig vor Schuruk abschließen.
Aus praktischer Sicht unterscheidet man somit zwei klar getrennte Phasen:
- Fadschr: vom ersten Morgengrauen bis kurz vor Schuruk.
- Schuruk: präziser Übergangspunkt, ab dem das Gebet pausiert, bis die Sonne sich deutlich über den Horizont hebt.
Asr im Überblick: zwei Rechtsschulen
Im späteren Tagesverlauf tritt eine weitere Berechnungsfrage auf: Asr beginnt entweder, wenn der Schatten eines Gegenstands seine eigene Länge erreicht (Schafiʿi, Maliki, Hanbali) oder wenn der Schatten doppelt so lang ist (Hanafi). Auf den Tagesplan für Moers wirkt sich das mit einer Differenz von durchschnittlich 30–45 Minuten aus. In der Monatsübersicht werden deshalb beide Optionen transparent nebeneinander angezeigt, sodass jede und jeder nach der eigenen Rechtsschule handeln kann.
Lange Sommertage auf 51,45° nördlicher Breite: Herausforderungen für Ischa in Moers
Moers liegt deutlich oberhalb des 48. Breitengrades. Das führt dazu, dass in der warmen Jahreszeit die Sonne nur flach unter den Horizont sinkt und die nautische Dämmerung kaum verschwindet. Zwischen Mai und Juli herrschen kurze, helle Nächte; vollständige Dunkelheit tritt erst sehr spät ein. Für die Berechnung von Ischa – das Gebet nach Einbruch der Nacht – bedeutet das:
- Der klassische 18°-Winkel würde in manchen Nächten erst weit nach Mitternacht erreicht.
- Um unzumutbar späte Gebetszeiten zu vermeiden, wird für Mitteleuropa oft ein geringerer Winkel (z. B. 15°) oder eine proportionale Methode angewandt. Dabei liegt Ischa zu einem bestimmten Anteil der Zeit zwischen Sonnenuntergang und Morgendämmerung.
- In Moers nutzt der aktuelle Kalender einen Mischansatz: Wenn der 18°-Winkel vor erreicht wird, gilt der klassische Wert; liegt er später, wird ersatzweise die halbe Nacht als Grenze angesetzt. So bleibt Ischa sowohl praktikabel als auch schariatreu.
Im Winter ist die Situation umgekehrt: Die Sonne sinkt steil ab, die Nacht ist lang und die Zeiten rücken dichter zusammen. Gerade im Dezember kann es vorkommen, dass zwischen Maghrib und Ischa weniger als anderthalb Stunden liegen. Der Kalender nimmt all diese saisonalen Schwankungen automatisch auf, sodass Sie sich nur noch am angezeigten Ergebnis orientieren müssen.