Geografische Länge und ihre Wirkung auf Sonnenuntergang und Maghrib
Monheim am Rhein liegt bei 6,89 ° östlicher Länge. Schon wenige Zehntelgrad nach Osten oder Westen verändern die wahre Sonnenzeit: Pro Grad Differenz verschiebt sich der Sonnenuntergang um etwa vier Minuten. Verglichen mit Düsseldorf (6,78 ° E) geht die Sonne in Monheim normalerweise rund 30 Sekunden später unter, gegenüber Köln (6,96 ° E) knapp 20 Sekunden früher. Die Differenz wirkt gering, doch im Gebetskalender wird sie sichtbar: Der Zeitpunkt für Maghrib und das anschließende Ischa rückt mit jeder Minute. Ein Kalender, der diesen Längengrad nicht exakt berücksichtigt, kann daher geringfügig abweichen.
Neben der Länge spielt die Breite eine große Rolle. Auf 51,09 ° N dauern die Tage im Juni fast doppelt so lang wie im Dezember. Dadurch verschiebt sich Fadschr im Sommer weit vor 04:00 Uhr und Ischa erstreckt sich bis fast 23:00 Uhr. Im Winter hingegen liegen beide Gebete viel näher beieinander. Wer Arbeit, Schule oder Pendelwege planen muss, spürt diese saisonale Dynamik besonders deutlich.
Asr-Zeit: Zwei Madhhab-Ansätze im Überblick
Die Zeit für Asr beginnt, wenn der Schatten eines Objekts seine eigene Länge erreicht und endet kurz vor Sonnenuntergang. Hier unterscheiden sich jedoch zwei etablierte Fiqh-Schulen:
- Schafiitische, malikitische und hanbalitische Sicht: Asr beginnt, sobald der Schatten genau so lang ist wie das Objekt selbst – zusätzlich zum „Mittagsschatten“ vom Zenit.
- Hanafitische Sicht: Asr beginnt erst, wenn der Schatten die doppelte Länge des Objekts erreicht.
Für Monheim am Rhein bedeutet das an langen Sommertagen eine Differenz von etwa 30–40 Minuten zwischen beiden Berechnungen, im Winter nur wenige Minuten. Viele deutsche Gebetskalender bieten deshalb beide Varianten an oder vermerken die hanafitische Zeit als „Asr – Hanafi“. Gläubige können sich so an der Methode ihres Madhhabs orientieren, ohne jede Berechnung selbst vornehmen zu müssen.
MWL, Diyanet und IGMG: Warum drei Methoden?
In Deutschland kursieren vor allem drei Rechenmodelle, deren Ergebnisse sich leicht unterscheiden. Die Grundlagen sind ähnlich – alle basieren auf astronomischen Formeln –, doch die zugrunde liegenden Dämmerungswinkel weichen ab.
1. Muslim World League (MWL)
Die MWL-Methode nutzt 18 ° für Fadschr und 17 ° für Ischa. Dadurch entstehen tendenziell frühere Fadschr- und spätere Ischa-Zeiten. Viele internationale Apps greifen standardmäßig auf dieses Modell zurück.
2. Diyanet (Türkei)
Diyanet berechnet beide Nachtgebete mit 18 °, fügt jedoch atmosphärische Korrekturen hinzu. In vielen DITIB-Gemeinden – auch im Rheinland – ist dies die offizielle Grundlage.
3. IGMG (Islamische Gemeinschaft Milli Görüş)
IGMG kombiniert 14 ° (Fadschr) und 14 ° (Ischa) mit zusätzlichen Plausibilitätsgrenzen. Diese flacheren Winkel verschieben die Zeiten näher an den zivilen Tagesrhythmus; im Sommer fällt Ischa oft 15–20 Minuten früher aus als bei Diyanet.
Welches Verfahren gewählt wird, hängt von der jeweiligen Moschee, vom persönlichen Madhhab oder schlicht von praktischen Erwägungen ab. Wichtig ist, sich an eine konsistente Quelle zu halten, damit keine Gebetszeit verpasst wird. Wer die Methoden vergleicht, stellt fest, dass sich die Differenzen zwar bemerkbar machen, aber in der Regel im Bereich von wenigen Minuten bleiben.