Die Gebetszeiten in Neumarkt in der Oberpfalz werden für jeden Tag neu berechnet. Grundlage sind der aktuelle Kalendertag, die Lage des Ortes (49,28° nördliche Breite, 11,46° östliche Länge) und die zugehörige Zeitzone. Bei einer Breite knapp über 49 ° verlängern sich in den Sommermonaten die Morgendämmerung und die Abenddämmerung erheblich. Das wirkt sich besonders auf Fadschr und Ischa aus: Im Juni beginnt die Morgendämmerung sehr früh, während die astronomische Dunkelheit erst spät nach Mitternacht einsetzt. Umgekehrt liegen Fadschr und Ischa im Dezember nahe beieinander, weil die Sonne früh untergeht und die Nacht lang ist.
1. Warum in Deutschland meist MWL, Diyanet oder IGMG verwendet werden
Für die muslimischen Gemeinden in Deutschland haben sich drei Rechenmethoden etabliert:
- MWL (Muslim World League): nutzt 18° für Fadschr und 17° für Ischa. Diese konservativen Winkel orientieren sich an weiten Teilen der islamischen Welt und werden vielerorts als «Sicherheitsabstand» akzeptiert.
- Diyanet (Türkische Präsidentschaft für religiöse Angelegenheiten): arbeitet mit 18° / 17° und berücksichtigt landesspezifische Korrekturen für Mitteleuropa. Türkische Moscheevereine übernehmen oft direkt den offiziellen Diyanet-Kalender.
- IGMG (Islamische Gemeinschaft Millî Görüş): nutzt 17° für Fadschr und 16° für Ischa. Die Winkel wurden nach Beobachtungen in Deutschland leicht angepasst, um die langen Dämmerungsphasen nördlich des 48. Breitengrads besser abzubilden.
Alle drei Methoden setzen dieselben astronomischen Grundlagen ein, unterscheiden sich aber in den Winkelwerten und in kleinen Korrekturen für Höhenlage oder Zeitzonenübergänge. Dadurch kann Fadschr oder Ischa je nach Kalender um einige Minuten früher oder später angezeigt werden. Welche Methode eine Gemeinde wählt, richtet sich meist nach ihrer organisatorischen Anbindung und nach praktischer Erfahrung mit den lokal beobachteten Dämmerungsverhältnissen.
2. Verkürztes Zeitfenster zwischen Maghrib und Ischa im Winter
Im Dezember erreicht die Sonne in Neumarkt in der Oberpfalz ihren niedrigsten Tagesbogen. Sie verschwindet schon kurz nach 16 Uhr unter dem Horizont. Zwischen Sonnenuntergang (Maghrib) und dem vollständigen Ende der rötlichen Dämmerung (Ischa) vergehen dann häufig weniger als 75 Minuten. Dieser enge Zeitraum hat praktische Folgen:
- Weniger Zeit für das Fastenbrechen außerhalb des Ramadan, wenn man Ischa und Tarâwîh früher beten möchte.
- Schneller Rhythmus für das Abendgebet in der Moschee, da die Gemeinde nach Maghrib kaum eine Stunde bis Ischa wartet.
- Für Pendler verkürzt sich das Fenster, in dem beide Gebete zu Hause verrichtet werden können, bevor der Tag endet.
Im Sommer kehrt sich die Situation um: Maghrib ist spät, während Ischa bei 49° N oft erst rund zwei Stunden nach Sonnenuntergang eintritt, weil die nautische Dämmerung lange anhält.
Mitternacht und letzte Nachtdrittel
Zur Planung von freiwilligen Nachtgebeten kann eine Orientierung an (Mitte der Nacht) und (letztes Drittel) hilfreich sein. Beide Zeiten verschieben sich analog zum Verhältnis zwischen Maghrib und Fadschr: Je länger die Nacht, desto mehr Raum entsteht für Qiyâm-Gebete.
3. Geographische Länge und ihr Einfluss auf den Sonnenuntergang
Neumarkt liegt fast genau auf dem 11. östlichen Längengrad. Bereits wenige Minuten westlich – etwa in Nürnberg – geht die Sonne im Jahresmittel rund zwei Minuten später unter. Östlich, zum Beispiel in Regensburg, verschiebt sich der Sonnenuntergang entsprechend nach vorn. Diese Differenzen entstehen, weil die Erde sich in vier Minuten um einen Längengrad dreht.
Für die Gebetszeiten bedeutet das:
- Maghrib verschiebt sich zwischen zwei Orten, die nur 50 km auseinanderliegen, spürbar um mehrere Minuten.
- Da Ischa an den Sonnenuntergang gekoppelt ist, wandert auch es entsprechend nach hinten oder vorn.
- Zuhr bleibt nahezu gleich, weil er durch den lokalen Sonnenhöchststand bestimmt wird, der sich mit der Länge proportional verschiebt.
Daher sollte man stets den Kalender für den eigenen Aufenthaltsort verwenden – selbst wenn die Entfernung zum Nachbarort gering erscheint.