Die Gebetszeiten, die Sie hier für Oberasbach finden, beruhen auf astronomischen Berechnungen für den Breitengrad 49,42° N und die Zeitzone Europe/Berlin. Je weiter nördlich ein Ort liegt, desto länger werden die Tage im Sommer und desto kürzer im Winter. Daraus folgen spürbare Verschiebungen vor allem bei Fadschr und Ischa: In den langen Juni-Nächten liegt der Sonnenaufgang sehr früh, während die zivilen und nautischen Dämmerungsphasen kaum ganz verschwinden. Im Dezember dagegen rücken beide Gebete näher an die Mittagsstunden heran, weil die Nacht viel länger ist.
Unterschiede zwischen MWL, Diyanet und IGMG – warum drei Methoden?
In Deutschland werden vor allem drei Berechnungsschemata genutzt:
- MWL (Muslim World League): Fadschr bei 18°, Ischa bei 17° unter dem Horizont.
- Diyanet: gleichfalls 18° für Fadschr, 17° für Ischa, zusätzlich leichte geographische Korrekturen nach türkischem Amtskalender.
- IGMG: baut auf Diyanet auf, passt jedoch die Zeitpunkte bei hohen Breitengraden mit speziellen Algorithmen an, wenn die Abenddämmerung nicht komplett eintritt.
Der Winkel beschreibt, wie tief die Sonnenscheibe unter dem Horizont stehen muss, bis der erste bzw. letzte Lichtschimmer sichtbar bzw. verschwunden ist. Ein größerer Winkel bedeutet: Fadschr beginnt früher und Ischa endet später; ein kleinerer Winkel verkürzt die Nacht. Gemeinden wählen die Methode, die ihrem Herkunftsland, ihrem Verband oder praktischen Erwägungen entspricht. Abweichungen von wenigen Minuten sind daher normal und widersprechen sich nicht dem Scharia-Rahmen, solange die gewählte Methode konsistent bleibt.
Für Oberasbach liegt die Differenz zwischen den oben genannten Verfahren im Jahresmittel bei rund fünf bis zwölf Minuten – im Sommer etwas mehr, im Winter etwas weniger. Diese Spanne erklärt, warum die Uhrzeit in einer App nicht exakt mit der Aushangtafel einer Moschee übereinstimmen muss.
Asr nach schafiitischer und hanafitischer Sicht
Der Beginn von Asr wird daran festgemacht, dass der Schatten eines Gegenstandes um ein Vielfaches seiner Länge zunimmt, gerechnet ab dem Sonnenhöchststand (Zuhr). Die Schulen unterscheiden sich darin, welches Vielfache maßgeblich ist:
- Schafiiten, Malikiten, Hanbaliten: Asr beginnt, wenn die Schattenlänge einmal der Originallänge plus den Mittagsschatten erreicht (asr al-awwal).
- Hanafiten: Asr beginnt, wenn der Schatten zweimal so lang ist (asr al-thani).
In Breitengraden wie dem von Oberasbach führt das im Jahreslauf zu Differenzen zwischen ca. 30 und 50 Minuten. Viele Moscheegemeinden folgen der hanafitischen Meinung, weil ein Großteil der türkischen und südasiatischen Muslime dieser Rechtsschule angehört. Andere Gemeinschaften – besonders aus dem arabischen Raum – richten sich nach der schafiitischen Berechnung. Wichtig ist, konsequent nur eine Variante zu verwenden, damit keine Gebete verpasst werden.
Fadschr, Schuruq und warum der Abschluss vor Sonnenaufgang so entscheidend ist
Fadschr beginnt mit dem ersten hellen Streifen (Fadschr Ṣādiq) am Osthorizont. Ab diesem Moment darf gefastet und das Morgengebet verrichtet werden. Seine Zeit endet mit Schuruq, dem sichtbaren Sonnenaufgang. Wer den Pflichtteil des Gebets noch nicht beendet hat, muss bis zum Zuhr warten und es als Nachholen (Qadaʾ) beten.
Da der Sonnenaufgang für Oberasbach täglich schwankt, ändert sich auch das Ende von Fadschr um einige Minuten. Besonders im Sommer kann das Zeitfenster auf weniger als zwei Stunden schrumpfen, weil die Morgendämmerung sehr früh einsetzt. Im Winter bleibt dagegen deutlich mehr Zeit.
Analog dazu markiert der Sonnenuntergang den Beginn von Maghrib. Ischa darf erst gebetet werden, wenn die nautische bzw. astronomische Dämmerung vollständig verschwunden ist – je nach gewählter Berechnungsmethode also bei 15°–18° Sonnenstand unter dem Horizont. In nördlichen Breiten kann das im Hochsommer problematisch sein. Die IGMG-Methode löst dies durch sogenannte Höhere-Breiten-Regeln, bei denen die Nacht in gleichmäßige Abschnitte aufgeteilt wird, sobald die Sonne die geforderten Winkel nicht mehr erreicht.
Zusammengefasst gilt: Wer sich am Kalender für Oberasbach orientiert, hat eine zuverlässige Grundlage, solange klar ist, welche Methode und welche Asr-Meinung zugrunde liegen.