Schuruk verstehen: warum der Fadschr unbedingt davor enden muss
Der Begriff Schuruk bezeichnet den Moment, an dem die Sonne über den Horizont tritt. Solange sich die obere Sonnenscheibe noch unterhalb des Horizonts befindet, herrscht die Morgendämmerung (Fadschr Ṣādiq). Mit dem ersten Sonnenstrahl endet diese Dämmerung sofort, und damit auch die zulässige Zeit für das Fadschr-Gebet. Wer Fadschr nach dem Schuruk betet, holt es nur noch als Nachholen (qaḍāʾ) nach.
An einem Ort wie Obertshausen auf 50,07° nördlicher Breite variiert der Abstand zwischen Fadschr und Schuruk im Jahresverlauf deutlich: Im Juni liegen oft weniger als zwei Stunden dazwischen, während es im Dezember über drei Stunden sein können. Diese Verschiebung hängt direkt mit der Länge der astronomischen Dämmerung zusammen, die in gemäßigten Breiten im Sommer kürzer und im Winter länger dauert.
Für die praktische Planung lässt sich merken: Die Fadschr-Zeit beginnt mit dem ersten diffusen Morgengrauen und endet punktgenau zum . Wer früh aufsteht, hat einen klaren Puffer; wer knapp dran ist, sollte die Uhrzeit im Blick behalten.
Gängige Berechnungsmethoden in Deutschland: MWL, Diyanet und IGMG im Vergleich
Alle Gebetszeiten werden aus astronomischen Daten berechnet: Koordinaten (50,07° N, 8,85° O), aktuelles Datum, Zeitzone (MEZ/MESZ) und bestimmte Sonnenwinkel für Fadschr und Ischa. Die Unterschiede zwischen den populären Methoden betreffen genau diese Winkel.
Muslim World League (MWL)
- Fadschr-Winkel: ‑18°
- Ischa-Winkel: ‑17°
- International häufig genutzt, in Deutschland vor allem bei Apps aus dem englischsprachigen Raum
Diyanet (Präsidium für Religionsangelegenheiten der Türkei)
- Fadschr-Winkel: ‑18°
- Ischa-Winkel: ‑17°
- Veröffentlicht offizielle Kalender für türkische Moscheegemeinden; Zeitangaben runden meist auf volle Minuten ab.
IGMG (Islamische Gemeinschaft Millî Görüş)
- Fadschr-Winkel: ‑12°
- Ischa-Winkel: ‑12°
- Setzt bewusst flachere Winkel, um in nördlichen Breiten die langen Sommerdämmerungen besser abzubilden.
Je nach Methode kann sich die Zeit für Fadschr und Ischa in Obertshausen um bis zu 20 Minuten unterscheiden. Das liegt nicht an „Fehlern“, sondern an der theologischen Frage, welches Dämmerungs-Kriterium als ausreichend gilt. Wichtig ist, innerhalb einer Gemeinde einheitlich zu handeln und sich für eine zuverlässige Quelle zu entscheiden.
Asr nach schafiitischer und hanafitischer Berechnung
Die Asr-Zeit beginnt, wenn der Schatten eines Gegenstands seine eigene Länge überschreitet (ohne den Mittags-Schatten). Darin sind sich alle Rechtsschulen einig. Strittig ist nur, wie viel länger der Schatten sein muss:
- Schafiitischer, malikitischer, hanbalitischer Ansatz: Asr beginnt, sobald der Schatten exakt die doppelte Länge des Mittags-Schatten plus Körpergröße erreicht (Faktor 1).
- Hanafitischer Ansatz: Asr beginnt erst, wenn der Schatten die zweifache Körpergröße plus Mittags-Schatten erreicht (Faktor 2).
In Obertshausen bedeutet das im Sommer einen Abstand von etwa 40 bis 60 Minuten zwischen den beiden Asr-Zeitpunkten, im Winter oft weniger als 30 Minuten. Viele Gebetskalender in Deutschland – vor allem solche der DITIB – zeigen beide Zeiten getrennt an. Wer der hanafitischen Rechtsschule folgt, wartet also auf den späteren Zeitpunkt.
Unabhängig vom gewählten Mazhab endet Asr mit dem Beginn von Maghrib, also direkt nach Sonnenuntergang .