Astronomische Dämmerung und die Berechnung der Fadschr-Zeit
Die Zeit für den Fadschr beginnt, wenn sich die Sonne etwa 18 Grad unter dem Horizont befindet und die erste schwache Morgendämmerung (arab. fadschar ṣādiq) erscheint. Dieser Winkel wird von den meisten in Deutschland genutzten Berechnungsmethoden – insbesondere der Muslim World League (18°/17°) und dem Islamic Centre of Hamburg – übernommen. Der Algorithmus verbindet mehrere Faktoren:
- Datum: Je nach Jahreszeit variiert die Länge der Nacht.
- Koordinaten: Für Oschatz wird mit 51,3° nördlicher Breite und 13,1° östlicher Länge gerechnet.
- Zeitzone: Europe/Berlin (UTC + 1 bzw. + 2 im Sommer).
- Sonnenstand: Der relevante Winkel –18 ° wird aus astronomischen Tabellen oder Satellitendaten abgeleitet.
- Rechenparameter: Methode (z. B. MWL), Höhenkorrektur, atmosphärische Refraktion.
Die nördliche Breite von 51,3 ° bedeutet, dass die Dämmerung im Sommer sehr lang ist. So rückt der Fadschr in Oschatz im Juni auf Zeiten weit vor 04:00 Uhr, während er im Dezember erst gegen 06:30 Uhr beginnt. Gleichzeitig verschiebt sich das Ischa in die späten Abendstunden. Diese Schwankung ist typisch für Orte über dem 48. Breitengrad.
Unterschiede zwischen Gebetskalendern entstehen, weil einige Institutionen für die Fadschr-Berechnung statt –18 ° z. B. –16 ° verwenden. Schon eine Änderung um 1 ° verschiebt das Ergebnis um drei bis fünf Minuten. Das erklärt, warum sich die Fadschr-Zeit in verschiedenen Apps oder Moscheekalendern leicht unterscheiden kann.
Was genau ist der Schuruq und warum endet der Fadschr davor?
Schuruq bezeichnet den Moment, in dem die Sonne ihre obere Scheibe am Horizont zeigt. Aus islamischer Sicht markiert er das Ende der Fadschr-Zeit; das Morgengebet muss also abgeschlossen sein, bevor der erste Sonnenstrahl erscheint. In den Tabellen wird der Schuruq oft als „Sonnenaufgang“ ausgewiesen. Für den heutigen Tag liegt er in Oschatz um .
Die zeitliche Spanne zwischen Fadschr und Schuruq ist im Sommer besonders lang, weil die Sonne flacher aufsteigt. Das verschafft Gläubigen mehr Minuten zum Beten. Im Winter steigt die Sonne steiler an, sodass die Differenz schrumpft. Diese Abhängigkeit verdeutlicht, dass das Gebet stets in lebendigem Bezug zu den tatsächlichen Himmelsverhältnissen steht.
Die Reihenfolge der Tagesgebete wird so eingehalten:
- Fadschr – beginnt mit der astronomischen Morgendämmerung, endet vor Schuruq.
- Zuhr – beginnt, wenn die Sonne den höchsten Punkt überschritten hat.
- Asr – abhängig vom Madhhab: Im hanafitischen Recht, wenn die Länge des Schattens doppelt so groß ist wie das Objekt; in den anderen Schulen schon beim einfachen Schatten.
- Maghrib – sofort nach Sonnenuntergang.
- Ischa – wenn die nautische Dämmerung endet und der Himmel vollständig dunkel ist.
Einfluss der geographischen Länge auf den Sonnenuntergang in Oschatz
Innerhalb derselben Zeitzone bestimmt die geographische Länge, wie früh oder spät die Sonne untergeht. Oschatz liegt bei 13,1° Ost, also östlicher als viele andere Orte in Sachsen. Dadurch setzt der Sonnenuntergang – und damit Maghrib – einige Minuten früher ein als etwa in Leipzig (12,4° Ost). Der Effekt beträgt rund vier Minuten pro Längengrad.
Die Berechnung erfolgt so: Die mittlere Sonnenzeit (UTC) wird anhand des Datums ermittelt. Anschließend wird die Längendifferenz zum Nullmeridian Greenwich in Minuten umgerechnet (1° ≈ 4 min) und addiert. Zuletzt wird die Zeitumstellung (MEZ/MESZ) berücksichtigt. Daher kann das Gebetsende für Maghrib im Westen Deutschlands bis zu 20 Minuten später sein als im Osten, obwohl die Tabellen dieselbe Berechnungsmethode nutzen.
Für Gläubige bedeutet das: Wer reist oder pendelt, sollte das lokale Gebetsprogramm beachten, weil bereits eine Fahrt von 100 Kilometern nach Westen die Gebetszeiten spürbar verschiebt. Das gilt besonders für Maghrib und Ischa, deren Beginn direkt vom sichtbaren Sonnenstand abhängt.