Maghrib und Ischa im Winter – warum die Zeit in Plauen besonders knapp ist
Plauen liegt auf 50,5° nördlicher Breite. In den Wintermonaten steht die Sonne schon am Nachmittag sehr tief und überschreitet den Horizont in einem steileren Winkel als im Sommer. Dadurch versinkt sie schneller in die Dämmerungszonen, und die nautische Dämmerung, die für die Ischa-Zeit maßgeblich ist, wird rasch erreicht. Das Ergebnis: Zwischen Maghrib (Sonnenuntergang) und Ischa vergeht oft weniger als eine Stunde.
Praktisch bedeutet das für viele Muslime in Plauen, dass das Abendessen, der Weg nach Hause und das Verrichten des Nachtgebets eng getaktet sind. Wer seinen Tag plant, sollte diesen kurzen Zeitraum berücksichtigen, um Ischa nicht zu verpassen. Gleichzeitig verlängert sich im Winter die Nacht insgesamt, was mehr Raum für zusätzliche Gebete wie Tahadschud eröffnet.
Ein weiterer Effekt der steilen Sonnenbahn ist, dass die Morgendämmerung (Fadschr) relativ spät beginnt. So liegt der Zeitraum zwischen Ischa und Fadschr trotz der kurzen Dämmerung dennoch bei mehreren Stunden – eine Hilfe für alle, die auf ausreichend Schlaf achten.
Lange Sommernächte und die Herausforderung der Ischa-Zeit
Mit derselben geografischen Breite kommt im Sommer das umgekehrte Phänomen: Die Sonne taucht nur flach unter den Horizont und nähert sich der 18-Grad-Marke (die Klassik für Ischa) sehr langsam oder erreicht sie an einigen Tagen gar nicht. Die nautische Dämmerung zieht sich daher in die Länge, und das Nachtgebet fällt in Plauen von Juni bis Juli häufig auf sehr späte Uhrzeiten oder wird rechnerisch angepasst.
Islamische Gremien verwenden dafür verschiedene Hilfsmethoden. Häufig wird:
- ein festes Zeitfenster (z. B. 90 Minuten nach Sonnenuntergang) angesetzt,
- die halbe Nacht als spätester Termin definiert (),
- oder die Dämmerung bei einem geringeren Sonnenstand (z. B. 15°) beendet.
Welcher Ansatz gewählt wird, hängt vom Berechnungsinstitut ab (siehe nächster Abschnitt). Für die Praxis gilt: Solange man dem lokal anerkannten Kalender folgt und Ischa innerhalb des angegebenen Zeitrahmens verrichtet, wird die Pflicht erfüllt. Wer dennoch unsicher ist, kann die Gebete zusammenlegen oder Ischa unmittelbar nach Maghrib sprechen, wenn dies gemäß der eigenen Rechtsschule in extremen Fällen erlaubt ist.
MWL, Diyanet und IGMG – warum verschiedene Rechenmethoden zu unterschiedlichen Zeiten führen
In Deutschland sind vor allem drei Rechenmethoden verbreitet:
- MWL (Muslim World League) – verwendet 18° für Fadschr und 17° für Ischa.
- Diyanet (Präsidium für religiöse Angelegenheiten der Türkei) – legt 18° / 17° zugrunde, berechnet jedoch zusätzlich lokale Korrekturminuten.
- IGMG (Islamische Gemeinschaft Millî Görüş) – orientiert sich ebenfalls an 18° / 17°, führt aber eigene Sommer- und Winteranpassungen ein.
Diese scheinbar kleinen Unterschiede bewirken in Plauen je nach Jahreszeit Abweichungen von bis zu zehn Minuten. Hinzu kommt der Unterschied beim Asr-Gebet: Die hanafitische Schule bestimmt den Zeitpunkt, wenn der Schatten eines Objekts doppelt so lang ist wie das Objekt selbst; bei den Schafiiten (sowie Maliki und Hanbali) reicht der einfache Schatten. Deshalb sehen Sie in manchen Kalendern zwei Asr-Spalten.
Welcher Methode man folgt, richtet sich meist nach der eigenen Gemeinde oder dem Rechtsschul-Hintergrund. Wichtig ist, konsequent bei einer Linie zu bleiben, um Verwirrung zu vermeiden. Wer privat mit astronomischen Apps nachrechnet, sollte darauf achten, dieselben Parameter (Sonnenstand-Winkel, Höhenkorrektur, Zeitzone „Europe/Berlin“ und Längengradvorgabe 12,14° E) zu verwenden, die für Plauen gelten.