Die Tabellen auf dieser Seite zeigen bereits die konkreten Uhrzeiten, doch vielen Gläubigen hilft es, die dahinterliegenden Zusammenhänge zu kennen. Potsdam liegt auf 52,4° nördlicher Breite und im mitteleuropäischen Zeitsystem (UTC + 1 bzw. + 2 im Sommer). Damit entstehen typische Besonderheiten, die sich deutlich auf die Gebetszeiten auswirken.
Wie sich die Zeit zwischen Maghrib und Ischa im Winter verkürzt
Je weiter ein Ort vom Äquator entfernt ist, desto steiler taucht die Sonne im Winter unter den Horizont. In Potsdam führt die nördliche Breite dazu, dass die bürgerliche und nautische Dämmerung rasch ineinander übergehen. Das bedeutet: Nach dem Sonnenuntergang (Maghrib) verdunkelt sich der Himmel schneller, sodass die astronomische Dämmerung – der Zeitpunkt für Ischa – nur rund 70 – 90 Minuten später eintritt. Im Hochsommer kann derselbe Abstand dagegen zwei bis zweieinhalb Stunden betragen.
Besonders spürbar ist dies im Dezember: Während das Maghrib-Gebet schon kurz nach 16 Uhr fällig wird, rückt Ischa oft noch in den Feierabend. Viele Berufstätige erleben dadurch, dass sie beide Gebete direkt nacheinander verrichten können, ohne das Haus erneut zu verlassen. Der Prophet ﷺ erlaubte ausdrücklich das Zusammenfassen von Maghrib und Ischa auf Reisen oder bei starker Erschwernis; wer jedoch zu Hause ist, verrichtet beide Gebete getrennt, profitiert aber vom kurzen Abstand.
Geographische Länge und ihr Einfluss auf den Sonnenuntergang
Neben der Breite spielt die Länge – also die Ost-West-Lage – eine Rolle. Potsdam liegt gut 13° östlicher Länge. Vergleicht man zwei Orte auf derselben Breite, bewirkt eine Verschiebung von 1° Länge ungefähr vier Minuten Zeitdifferenz beim Sonnenauf- und untergang. Berlin-Mitte (13,4° E) hat daher fast dieselben Zeiten wie Potsdam, während Magdeburg (11,6° E) den Sonnenuntergang knapp sieben Minuten später erlebt. Im Westen Deutschlands – etwa in Köln (6,9° E) – verspätet sich Maghrib um etwa 24 Minuten.
Diese Längendifferenz erklärt, warum deutschlandweite Gebetskalender nicht überall passgenau sein können. Für eine verlässliche Planung der fünf täglichen Gebete lohnt es sich daher, einen Kalender zu nutzen, der die exakten Koordinaten von Potsdam berücksichtigt.
Asr-Zeit nach Schafi‘i und Hanafi im Raum Brandenburg
Der Zeitpunkt des Asr-Gebets ist der einzige, bei dem die vier Rechtsschulen zwei verschiedene Meinungen haben:
- Schafi‘i, Maliki und Hanbali: Asr beginnt, wenn der Schatten eines Gegenstandes genau gleich lang ist wie das Objekt selbst (plus der Mittagsschatten).
- Hanafi: Asr beginnt erst, wenn der Schatten doppelt so lang ist.
In Potsdam liegt die Differenz zwischen beiden Meinungen an einem typischen Sommertag bei rund 40 Minuten, im Winter oft unter 25 Minuten. Da viele in Deutschland lebende Muslime hanafitisch geprägt sind, zeigen manche Kalender zwei Spalten für Asr. Auf dieser Seite wird standardmäßig der verbreitetere Schafi‘i-Wert angezeigt, der sich auch an den Berechnungsmethoden der großen europäischen Islam-Organisationen orientiert. Wer dem Hanafi-Madhhab folgt, wartet einfach bis zur längeren Schattenmarke oder schaut bei Bedarf in einen Kalender mit beiden Angaben.
Berechnungsgrundlagen im Überblick
Alle Zeiten werden anhand folgender Parameter ermittelt:
- Datum: Die tägliche Veränderung der Sonnenbahn führt zu wechselnden Dämmerungswinkeln.
- Geographische Koordinaten: Breite beeinflusst die Länge der Dämmerung, Länge verschiebt die Uhrzeit relativ zur UTC-Linie.
- Zeitzone und Sommerzeit: Deutschland wechselt Ende März und Ende Oktober; die Uhren werden um eine Stunde vorgestellt bzw. zurückgestellt.
- Berechnungsmethode: In Deutschland ist der muslimische Gebetszeit-Standard der IGH (Islamische Gemeinschaft Hannover) verbreitet, näherungsweise identisch mit dem „UOIF/France“-Modell (Fadschr-Winkel 12°, Ischa-Winkel 12°).
Entscheidend für Fadschr ist der erste schwache Lichtschimmer am Horizont, noch vor dem eigentlichen Sonnenaufgang (). Ischa beginnt, wenn die Sonne etwa 12° unter dem Horizont steht und der rote Abendschimmer verschwunden ist. In sehr hellen Sommernächten, wie sie ab etwa 52° N auftreten, kann dieser Zustand kaum vollständig erreicht werden; Gebetskalender arbeiten dann mit Näherungsmodellen wie „Mitternachtsmethode“ (½) oder „letztes Drittel“ (⅓), um ein praktikables Ischa-Fenster zu bieten.