Sonnenstand und astronomische Dämmerung: Wie der Fadschr berechnet wird
Die erste Pflichtgebetszeit beginnt nicht mit dem sichtbaren Sonnenaufgang, sondern schon deutlich früher: mit dem wahren Morgengrauen (arab. Fadschr ṣādiq). Astronomisch wird dieser Moment erreicht, wenn die Sonnenscheibe sich 18 Grad unter dem Horizont befindet und der Himmel im Osten einen feinen, quer verlaufenden Lichtstreifen zeigt. Ab dann ist das Gebet zulässig, das Fasten beginnt und die Nacht ist islamisch gesehen beendet. In Prenzlauer Berg wird dieser Winkel täglich neu berechnet, weil sich Datum, Sonnenbahn und atmosphärische Bedingungen ändern. Der auf der Seite angegebene Zeitpunkt basiert auf den Koordinaten 52,53878° N / 13,42443° E und berücksichtigt die Zeitzone Europe/Berlin.
Fadschr, Sonnenaufgang und die erste Gebetszeit
Zwischen Fadschr und Sonnenaufgang (Schuruk) liegt ein Zeitraum, den der Prophet ﷺ als Subh beschrieben hat. Innerhalb dieser Spanne darf das Morgengebet verrichtet werden. Sobald die obere Sonnenscheibe den Horizont berührt, endet die Fadschr-Zeit und beginnt eine kurze verbotene Phase, in der kein freiwilliges Gebet verrichtet wird. Dieses klare Zeitfenster erleichtert es, die frühe Pflicht einzuordnen und ohne Verwechslungsgefahr zu planen.
Längengrad und sein Einfluss auf den Zeitpunkt des Sonnenuntergangs
Die Länge einer geografischen Koordinate gibt an, wie weit ein Ort östlich oder westlich vom Nullmeridian (Greenwich) liegt. Prenzlauer Berg liegt bei 13,42° Ost und damit rund 5 Grad weiter östlich als Köln, aber westlicher als Warschau. Jedes Längengrad entspricht etwa vier Minuten Zeitdifferenz im wahren Sonnenlauf. Deshalb geht die Sonne in Berlin insgesamt einige Minuten früher unter als in westdeutschen Städten derselben Breite, aber später als in Polen.
Für das Maghrib-Gebet ist der exakte Sonnenuntergang ausschlaggebend: Sobald die Sonnenscheibe vollständig unter dem Horizont verschwunden ist, beginnt die Zeit für Maghrib. Der Längeneffekt erklärt also, warum selbst in einem Land relativ große Unterschiede zwischen Ost- und West-Städten auftreten können.
Asr und die Frage des Madhhab
Die Berechnung der Asr-Zeit hängt nicht nur von der Position der Sonne, sondern auch vom jeweiligen Rechtsschul-Kriterium ab. Die Hanafiten beginnen Asr, wenn der Schatten eines Objekts doppelt so lang ist wie das Objekt selbst plus der Mittagsschatten; die übrigen Rechtsschulen genügen sich mit der einfachen Länge. Beide Varianten werden im Hintergrund mitberechnet; die Seite zeigt nach deutschem Standardwert (Council of Europe Fatwa) die einfache-Schatten-Methode an, erlaubt aber, den Unterschied im Kopf zu berücksichtigen.
Breitengrad 52,54° N: Lange Sommertage und die Herausforderung für Ischa
Mit einer Breite von über 52 Grad liegt Prenzlauer Berg deutlich nördlich der traditionellen Zentren der islamischen Welt. Je weiter ein Ort vom Äquator entfernt ist, desto stärker schwankt die Tageslänge. Zur Sommersonnenwende dauert der helle Teil des Tages hier fast 17 Stunden, zur Wintersonnenwende dagegen nur gut 7½ Stunden. Diese Saisonalität spüren wir besonders beim Nachtgebet (Ischa).
Ischa beginnt, sobald die astronomische Dämmerung (Schafaq) vollständig verschwunden ist. In südlichen Breiten entspricht das in der Regel einem Sonnenwinkel von 18 Grad unter dem Horizont. Nördlich von 48 Grad jedoch verschmilzt die bürgerliche Dämmerung im Hochsommer teilweise mit der Morgendämmerung, sodass der 18-Grad-Winkel nie erreicht wird. In Berlin kann es daher vorkommen, dass die Nacht aus islamischer Sicht sehr kurz oder – bei Spezialfällen über 54 Grad – gar nicht mehr vollständig eintritt.
Islamische Gremien empfehlen für solche Breiten mehrere pragmatische Lösungen: eine feste Zeitspanne nach Maghrib (zum Beispiel 90 Minuten), die Mitternachts-Methode (), oder die Ein-Drittel-Regel (). Auf dieser Seite wird standardmäßig der 18-Grad-Winkel angegeben; wer sich an eine alternative Methode halten möchte, kann die empfohlenen Unterschiede einfach auf seine persönliche Planung anwenden.