Geografische Breite und ihre Auswirkung auf die Gebetszeiten
Pulheim liegt auf 50,99° nördlicher Breite. Diese Position bewirkt deutliche Unterschiede in der Länge des Tageslaufs zwischen Sommer und Winter. Im Dezember dauert die Tageshelligkeit kaum acht Stunden; die Sonne erreicht flache Mittagshöhen, sodass Fadschr (Beginn der Morgendämmerung) recht spät und Ischa früh eintreten. Im Juni sind die Nächte dagegen sehr kurz: Bereits vor 4 Uhr morgens setzt die astronomische Morgendämmerung ein, während die religiöse Nacht bis kurz vor 23 Uhr reicht. Das führt dazu, dass Fadschr extrem früh und Ischa sehr spät liegen kann. Je nördlicher ein Ort liegt, desto flacher taucht die Sonne unter den Horizont, wodurch die Dämmerungsphasen länger dauern. Ab etwa 48° Breite kann es vorkommen, dass die astronomische Abenddämmerung im Hochsommer nicht mehr vollständig endet. Bei 51° Breite ist der Effekt schon spürbar: die Helligkeit bleibt in klaren Nächten erhalten, was eine präzise Bestimmung von Ischa erschwert. Islamische Gelehrte empfehlen dann Hilfsregeln – etwa die Sechstelder-Methode oder feste Zeitabstände nach Maghrib – um die Pflichten trotzdem rechtzeitig zu erfüllen.
Unterschiedliche Berechnungsmethoden in Deutschland
Damit Gebetszeiten für ganz Deutschland konsistent veröffentlicht werden können, bedienen sich islamische Institutionen unterschiedlicher Algorithmen. Die drei am häufigsten genutzten Modelle sind:
- MWL (Muslim World League) – setzt die Depression des Sonnenzentrums für Fadschr und Ischa bei 18° an.
- Diyanet (Türkei) – verwendet 18° für Fadschr und 17° für Ischa, legt aber lokale Feinkorrekturen an.
- IGMG – folgt überwiegend Diyanet, nimmt jedoch zusätzliche geodätische Korrekturen für Mitteleuropa vor.
Warum erscheinen abweichende Minuten?
Schon ein Unterschied von 1° beim Dämmerungswinkel kann die Zeit um drei bis sechs Minuten verschieben. Hinzu kommen Rundungsregeln, Höhenkorrektur und die Wahl der Zeitzone (Winter- vs. Sommerzeit). Deshalb ist es völlig normal, wenn zwei verlässliche Kalender leicht voneinander abweichen. Ausschlaggebend ist, dass jede Methode intern konsistent bleibt und auf anerkannten Parametern beruht; welche davon Sie nutzen, hängt von Gewohnheit, Gemeindepraxis oder Fatwa des lokalen Imams ab.
Hanafi- und Schafiʿi-Zeit für Asr
Die vier Rechtsschulen sind sich einig, dass Asr mit dem Überschreiten des Schattenlänge-Kriteriums beginnt. Die Hanafiten verlangen jedoch, dass der Schatten eines Objekts seine eigene Länge plus die Mittagslänge erreicht (Schattenlänge × 2); die Schafiʿiten (sowie Maliki und Hanbali) begnügen sich mit einfacher Schattenlänge. In unseren Tabellen finden Sie deshalb zwei Spalten: „Hanafi“ für die spätere Zeit und „Schafi-i“ für die frühere. Wählen Sie den Wert, der Ihrer Madhhab-Praxis entspricht.
Astronomische Dämmerung: Wie Fadschr genau bestimmt wird
Die Gebetszeiten leiten sich nicht von der Uhr, sondern von der Stellung der Sonne ab. Entscheidend sind drei Dämmerungsphasen:
- Astronomische Morgendämmerung (-18°): Hier erscheint der erste horizontale Lichtstreif. Ab diesem Punkt beginnt Fadschr und somit das Fasten- und Gebetsverbot der Nacht endet.
- Sonnenaufgang: Mit dem oberen Sonnenrand am Horizont endet die Zeit für das Fadschr-Gebet. Dieses Ereignis wird in den Tabellen als Schuruk ().
- Astronomische Abenddämmerung: Wenn die Sonne abends wieder 17–18° unter dem Horizont steht, endet die Resthelligkeit, und Ischa beginnt. Bei sehr kurzen Sommernächten kann dieser Punkt rechnerisch in den nächsten Tag fallen; darunter leiden vor allem Breiten oberhalb von 48°.
Zwischen Sonnenaufgang und lokalem Sonnenhöchststand (zu dem Zuhr gehört) vergeht in Pulheim heute etwas mehr als sechs Stunden. Danach verkürzt sich der Schatten wieder, bis die oben genannte Bedingung für Asr erreicht ist. Maghrib setzt exakt mit dem Sonnenuntergang ein; hier ist kein Winkel, sondern der reale Horizont ausschlaggebend. All diese Berechnungen beruhen auf Datum, Koordinaten (50,99 ° N, 6,81 ° O) und der amtlichen Zeitzone CET/CEST. Daher ändert sich das Gebetszeiten-Raster täglich.