Die zwei Asr-Methoden und ihre Bedeutung
Für das Nachmittagsgebet Asr existieren in der islamischen Rechtslehre zwei anerkannte Berechnungsweisen. Beide orientieren sich am Schatten, den ein Objekt nach dem Sinken der Sonne vom Zenit wirft. In Rheinbach, das auf 50,6 ° nördlicher Breite liegt, beträgt der Unterschied zwischen den beiden Methoden je nach Jahreszeit ungefähr 35 – 70 Minuten.
Schattenlänge 1 : 1 – schafiitische, malikitische und hanbalitische Schule
Sobald der Schatten eines Gegenstands seine eigene Länge plus den Mittags-Schatten erreicht, beginnt nach dieser Auffassung die Asr-Zeit. Das führt in unseren Breiten zu einem früheren Gebetsfenster, das Berufstätigen an kurzen Wintertagen entgegenkommen kann.
Schattenlänge 2 : 1 – hanafitische Schule
Im hanafitischen Fiqh beginnt Asr erst, wenn der Schatten doppelt so lang ist wie das Objekt zuzüglich des Mittags-Schattens. Dadurch verschiebt sich der Beginn deutlich nach hinten. Viele in Deutschland lebende Muslime folgen deshalb bewusst der einen oder anderen Methode, je nachdem, welcher Rechtsschule ihre Familie oder Gemeinde angehört. Beide Zeiten gelten als gültig; wichtig ist, die einmal gewählte Methode konsequent beizubehalten.
Auf Jahresbasis verkleinert sich der Abstand der beiden Asr-Zeiten im Sommer und vergrößert sich im Winter. Der Grund ist die steilere Sonnenbahn in den warmen Monaten. Das monatliche Gebetszeiten-Raster auf dieser Seite berücksichtigt beide Optionen, damit jeder Gläubige die für ihn passende Zeit findet.
Winter in Rheinbach: knapper Abstand zwischen Maghrib und Ischa
Je höher ein Ort auf der Nordhalbkugel liegt, desto kürzer ist der Tag im Dezember und desto schneller verschwindet das Restlicht nach Sonnenuntergang. Bei 50,6 ° Breite dauert es in Rheinbach Mitte Dezember oft weniger als 70 Minuten von Maghrib bis Ischa. Im Vergleich dazu verlängert sich dieses Intervall im Juni auf bis zu 120 Minuten.
Der begrenzte Zeitraum bedeutet, dass nach dem Fastenbrechen oder dem Abendessen nur wenig Zeit verbleibt, um sich auf Ischa vorzubereiten. Viele Gläubige erledigen daher weltliche Angelegenheiten so, dass sie zwischen den beiden Gebeten nicht in Eile geraten. Wer regelmäßig in der Moschee betet, stellt fest, dass sich die Gemeinde im Winter rascher zum Nachtgebet versammelt als in den Sommermonaten.
Ein weiterer Effekt der nördlichen Lage ist die frühe Dunkelheit: Schon am späten Nachmittag wird es dämmrig, sodass die Kinder der Gemeinde oft beide Gebete gemeinsam mit den Eltern verrichten können, bevor es Zeit für das Bett ist.
Wie Fadschr bestimmt wird: Astronomische Dämmerung und Sonnenaufgang
Zwischen Fadschr und Sonnenaufgang liegt die Morgendämmerung, in der der erste schwache Lichtstreifen am östlichen Horizont erscheint. Klassische Gelehrte setzen den Beginn von Fadschr dort an, wo die Sonne 18 Grad unter dem Horizont steht. Dieses Kriterium lehnt sich an die astronomische Bezeichnung „astronomische Dämmerung“ an. Einige moderne Tabellen verwenden jedoch 17 oder 15 Grad, was geringfügige Zeitunterschiede erzeugt.
Bei Rheinbachs geografischer Breite verlängert sich die Dämmerung im Sommer deutlich: Zwischen und können mehr als 90 Minuten liegen. Im Winter fällt dieser Abschnitt dagegen auf knapp 60 Minuten. Unabhängig vom exakten Gradwert endet die Fadschr-Zeit immer exakt mit dem Sonnenaufgang, also dem Moment, in dem die obere Sonnenscheibe sichtbar wird.
Für Gläubige bedeutet das: Wer im Zweifel ist, plant seinen Suhur (letzte Mahlzeit vor Fastenbeginn) so, dass er ihn einige Minuten vor dem in der Tabelle angegebenen Fadschr-Wert beendet. Dadurch bleibt genügend Sicherheit, ohne in unnötige Enge zu geraten.