Astronomische Dämmerung und die Berechnung der Fadschr-Zeit
Die Fadschr-Zeit beginnt, wenn am östlichen Horizont das erste schwache Lichtband (astronomische Morgendämmerung) erscheint. Aus islamischer Sicht ist das der Moment, in dem die Sonne sich noch unter dem Horizont befindet, ihr Mittelpunkt aber einen bestimmten Winkel erreicht hat. International haben sich dafür zwei häufig genutzte Werte etabliert: –18° oder –15°. Je kleiner der Winkel, desto später beginnt Fadschr.
Riedstadt liegt auf 49,83° nördlicher Breite. Dadurch sind die Nächte im Juni sehr kurz und die Sonne taucht nur knapp unter den Horizont. Der Unterschied zwischen –18° und –15° macht hier im Sommer bis zu 20 Minuten aus, im Winter deutlich weniger. Rechenmethoden, die mit –18° arbeiten, zeigen also für die Sommermonate merklich frühere Fadschr-Zeiten an als Methoden mit –15°.
Zusätzlich fließen Datum, geografische Koordinaten (Länge 8,50° Ost), Zeitzone (MEZ/MESZ) und die Gleichung der Zeit in die Berechnung ein. All das erklärt, warum sich die Gebetszeiten jeden Tag geringfügig ändern und warum Städte auf fast derselben Länge, aber mit anderer Breite spürbar andere Anfangszeiten bekommen.
MWL, Diyanet oder IGMG – warum es mehrere Rechenmethoden gibt
In Deutschland werden vor allem drei Parameter-Sets verwendet:
- MWL (Muslim World League): –18° für Fadschr, –17° für Ischa. Weltweit verbreitet und oft Grundlage für internationale Apps.
- Diyanet (Präsidium für Religionsangelegenheiten Türkei): –18° / –17°, berechnet jedoch mit eigenen astronomischen Tabellen und leicht angepassten Korrekturen für hochsommerliche Nächte.
- IGMG: –15° / –15°. Entwickelt, um den Alltag in Mittel- und Nordeuropa zu erleichtern, wenn die astronomische Dämmerung im Sommer kaum endet.
Da alle drei Methoden seriöse wissenschaftliche Modelle nutzen, sind die ermittelten Zeiten gültig, auch wenn sich die Ergebnisse um wenige Minuten unterscheiden. Welche Tabelle eine Gemeinde in Riedstadt verwendet, hängt meist von historischer Zugehörigkeit und praktischer Erfahrungswerte ab.
Warum Asr zweimal angegeben sein kann
Der Zeitpunkt für Asr richtet sich nach der Länge des Objektschatten.
- Schāfiʿī, Mālikī, Ḥanbalī: Asr beginnt, wenn der Schatten eines Objekts genauso lang ist wie das Objekt selbst (plus der Mittagsschatten).
- Ḥanafī: Der Schatten muss doppelt so lang sein wie das Objekt.
Daher findet man in manchen Kalendern zwei Asr-Spalten. Wer der ḥanafītischen Rechtsschule folgt, orientiert sich an der späteren Zeit; alle anderen können das frühere Zeitfenster nutzen.
Schuruk verstehen: warum der Sonnenaufgang die Grenze setzt
Der Begriff Schuruk entspricht dem sichtbaren Sonnenaufgang. Sobald der obere Sonnenrand den Horizont berührt, endet die Zeit für Fadschr. Zwischen begonnenem Sonnenaufgang und dem vollständigen Aufstieg der Sonne, also in den ersten gut 12–15 Minuten, ist das Gebet ungültig. Deshalb sollte Fadschr spätestens einige Minuten vor verrichtet sein.
Maghrib wiederum beginnt mit dem Untergang der Sonnenscheibe. Das ist ein klar erkennbares Ereignis und erklärt, warum Maghrib in nahezu allen Tabellen identisch angegeben wird, während Fadschr und Ischa je nach Dämmerungswinkel variieren.
Die Breitenlage Riedstadts führt dazu, dass Ischa im Juni sehr spät liegt, weil die Sonne erst lange nach 22 Uhr die zivilen und nautischen Dämmerungsstadien vollständig durchschreitet. Im Dezember kehrt sich das Bild um: Fadschr beginnt deutlich später und Ischa schon am frühen Abend.
Wer sich an ein festes Schema halten möchte, kann zur Orientierung außerdem die Hilfszeiten der Mitternacht () und des letzten Drittels der Nacht () heranziehen. Sie helfen, freiwillige Gebete wie Tahadschjud oder Witr innerhalb ihres empfohlenen Rahmens zu planen.