Rechenmethoden und ihre Anwendung in Deutschland
Die auf dieser Seite angezeigten Gebetszeiten beruhen auf astronomischen Berechnungen. In Deutschland haben sich drei Methoden etabliert:
- MWL (Muslim World League): verwendet in der Regel einen Sonnenstand von 18° für Fadschr und 17° für Ischa. Der relativ große Winkel führt zu frühen Fadschr- und späten Ischa-Zeiten.
- Diyanet (Präsidium für Religiöse Angelegenheiten der Türkei): arbeitet ebenso mit 18°/17°, ergänzt aber Korrekturtabellen für hohe Breitengrade. Viele Moscheevereine türkischer Herkunft orientieren sich daran.
- IGMG: hat sich für moderate 15°/15° entschieden. Dadurch rücken Fadschr und Ischa näher an den zivilen Tagesbeginn bzw. −abschluss heran, was den Lebensrhythmus in Mitteleuropa erleichtert.
In Rösrath können die drei Methoden zu Abweichungen von bis zu 20 Minuten führen. Das liegt daran, dass bereits wenige Grad Unterschied beim Sonnenstand die Dämmerungsdauer stark beeinflussen. Welcher Ansatz gewählt wird, entscheiden meist die örtliche Moschee und die eigene Rechtsschule (Madhhab). Wichtig ist, sich für eine konsistente Methode zu entscheiden und nicht täglich zwischen Tabellen zu wechseln.
Geographische Koordinaten und ihr Einfluss auf Sonnenauf- und ‑untergang
Rösrath liegt auf 50,9° nördlicher Breite und 7,18° östlicher Länge. Die Breite bestimmt, wie weit die Sonne im Jahresverlauf über bzw. unter den Horizont wandert:
- Lange Sommertage: Im Juni erreicht die Tageslänge rund 16½ Stunden. Fadschr rückt dann sehr früh in die Nachtstunden, während Ischa erst spät gegen Mitternacht eintritt. Das kann das Durchführen der Nachtgebete herausfordernd machen.
- Kurze Wintertage: Im Dezember schrumpft der helle Teil des Tages auf etwa 8 Stunden zusammen. Fadschr und Ischa rücken näher zusammen, die fünf Gebete verteilen sich dadurch gleichmäßiger über den Tag.
Die Länge beeinflusst vor allem den exakten Zeitpunkt des Sonnenuntergangs. Pro Längengrad verschiebt sich der Sonnenuntergang um etwa vier Minuten. Köln liegt knapp 0,6° westlicher als Rösrath und erlebt den Maghrib daher rund zwei Minuten später. Diese scheinbar kleinen Differenzen machen deutlich, warum lokale Koordinaten unverzichtbar sind.
Fadschr, Sonnenaufgang und das Zeitfenster dazwischen
Fadschr beginnt mit dem ersten Morgengrauen (astronomische Morgendämmerung). Der Sonnenaufgang – häufig mit Sonnenaufgang oder Schuruk bezeichnet – findet mehrere Minuten später statt. Das Gebet wird rechtzeitig vor dem abgeschlossen, weil danach die verbotene Zeitspanne des Sonnenaufgangs beginnt.
Maghrib und die Bedeutung des Sonnenuntergangs
Maghrib beginnt unmittelbar, wenn die Sonne vollständig unter dem Horizont verschwunden ist. Der Schatten der umliegenden Hügel oder Gebäude spielt dabei keine Rolle, maßgeblich ist nur der astronomische Sonnenuntergang. Aus diesem Grund genügt schon ein geringer Höhenunterschied, um in benachbarten Ortschaften eine Minute früher oder später zu fasten bzw. zu beten.
Asr-Zeit nach verschiedenen Madhahib
Die Scharia knüpft Asr an die Länge des Schattens eines senkrechten Stabes. Strittig ist, wann das Kriterium erfüllt ist:
- Schafiʿitischer, malikitischer und hanbalitischer Madhhab: Asr beginnt, sobald der Schatten eines Objekts seine eigene Länge erreicht (zuzüglich des Mittagsschattens).
- Hanafitischer Madhhab: Hier wird gewartet, bis der Schatten die doppelte Eigenlänge des Objekts erreicht hat. Dadurch verschiebt sich die Asr-Zeit um 20–30 Minuten nach hinten.
Auf gebetszeiten-Websites wird häufig beides angezeigt. Wer der hanafitischen Rechtsschule folgt, hält sich an die spätere Zeit, alle anderen können das frühere Zeitfenster nutzen. Beide Meinungen sind unter den Gelehrten anerkannt.
Bei 50,9° nördlicher Breite verlängert die flachere Sonnenbahn am Nachmittag die Dauer zwischen Zuhr und Asr, insbesondere im Sommer. Der Unterschied zwischen den beiden Madhahib wird dann stärker spürbar als in südlicheren Regionen.