Fadschr, Sonnenaufgang (Schuruk) und das Ende des frühmorgendlichen Gebets
Der Fadschr beginnt, sobald am östlichen Horizont das erste schwache Morgenrot (arab. Fadschr ṣādiq) erscheint. Ab diesem Moment ist das Gebet bis zum Sonnenaufgang gültig. In Rüsselsheim am Main liegt der Sonnenaufgang – im Gebetskalender als Schuruk bezeichnet – heute bei . Spätestens bis zu diesem Zeitpunkt muss das Fadschr-Gebet abgeschlossen sein, weil mit dem vollständigen Aufgang der Sonne die dafür vorgesehene Zeitspanne endet.
Die Berechnung stützt sich auf astronomische Parameter: die Tagesnummer im Jahr, die geographische Breite von 49,989° N, die Länge sowie die Zeitzone Europa/Berlin. Bei dieser Breite dauern die Morgendämmerungsphasen im Sommer sehr lang, während sie im Winter stark verkürzt sind. Dadurch verschiebt sich das Fadschr-Fenster saisonal um mehr als zwei Stunden. Wer regelmäßig betet, sollte daher täglich das aktuelle Kalenderdatum prüfen und nicht von festen Uhrzeiten ausgehen.
Warum unterscheiden sich Fadschr-Werte manchmal von Quelle zu Quelle? Hauptursache ist der genutzte Dämmerungswinkel. In Deutschland haben sich 18° unter dem Horizont (islamische Weltliga) durchgesetzt; manche Tabellen verwenden 19° oder 17°. Bereits ein Grad Differenz kann den Beginn um knapp fünf Minuten verschieben. Hinzu kommen Rundungen auf volle Minuten sowie lokale Anpassungen mancher Gemeinden.
Asr-Zeit: Unterschiedliche Schwellen im hanafitischen und schafiitischen Recht
Das Nachmittagsgebet (Asr) beginnt, wenn der Schatten eines Gegenstandes seine eigene Länge überschreitet. Genauer:
- Schafiitische, malikitische und hanbalitische Rechtsschule: Asr beginnt, sobald der Schatten genauso lang ist wie das Objekt selbst plus der Schatten zur Mittagszeit (zuwal).
- Hanafitische Rechtsschule: Der Beginn wird erst erreicht, wenn der Schatten doppelt so lang ist wie das Objekt plus der Mittagsschatten.
Im Kalender erscheint daher häufig eine zweite Asr-Spalte («Asr Hanafi»). In Rüsselsheim am Main beträgt die Differenz zwischen beiden Methoden je nach Jahreszeit 20 bis 40 Minuten. Beide Zeitpunkte sind islamisch legitim; Muslime folgen der Regel ihres eigenen Mazhabs oder derjenigen Regelung, die ihre Gemeinde gemeinschaftlich festgelegt hat.
Die zugrundeliegende Astronomie ist bei beiden gleich: Der Sonnenhöhenwinkel wird kontinuierlich berechnet, aus dem der Schatten exakt ableitbar ist. Unterschiedlich ist nur die gewählte Schwelle. Daher sollte man Tabellen niemals pauschal als »richtig« oder »falsch« bewerten, sondern ihre Methodik kennen.
Warum zwischen Maghrib und Ischa im Winter wenig Zeit bleibt
Maghrib beginnt mit dem exakten Sonnenuntergang; dieser Moment ist durch im Kalender definiert. Ischa setzt ein, sobald die nautische Dämmerung endet und die rote Abendröte vollständig verschwunden ist. In Deutschland wird dafür meistens der 17°-Winkel unter dem Horizont verwendet.
Auf einer Breite von knapp 50° Nord sinkt die Sonne im Winter steiler unter den Horizont als im Sommer. Das führt dazu, dass die nautische Dämmerung deutlich kürzer dauert. Zwischen Maghrib und Ischa liegen in den Dezemberwochen in Rüsselsheim am Main oft nur 60–70 Minuten. Im Juni hingegen, wenn die Sonne flacher untergeht, kann derselbe Abstand mehr als zwei Stunden betragen.
Die praktische Folge: Wer im Winter nach Maghrib noch andere Aufgaben hat, sollte die Uhr genau im Blick behalten, um Ischa nicht zu verpassen. Umgekehrt bietet der Sommer längere Flexibilität, auch wenn die späte Ischa-Zeit eine Herausforderung für den Schlafrhythmus sein kann. Dank der monatlichen Tabelle erkennt man diese saisonalen Schwankungen auf einen Blick und kann seinen Tagesablauf entsprechend planen.