Schuruq: Warum der Fadschr spätestens vor dem Sonnenaufgang enden muss
Der Begriff Schuruq (Sonnenaufgang) markiert in den Gebetszeiten den Moment, in dem die Sonne sichtbar über dem Horizont erscheint. Bis zu diesem Zeitpunkt darf das Fadschr-Gebet verrichtet werden; danach ist es ungültig. Das liegt daran, dass Allah im Koran die beiden Endpunkte des Tages erwähnt – die Morgendämmerung und das Verschwinden der Sonne – und der Prophet ﷺ deutlich machte, dass das Morgengebet „zwischen Anbruch der Morgendämmerung und dem Sonnenaufgang“ liegt. Wer also sehr knapp betet, sollte den letzten Suğūd vor dem Zeitstempel beendet haben, um nicht versehentlich in die verbotene Zeit hineinzugeraten.
Praktisch bedeutet das für Schifferstadt: Im Sommer rückt der Sonnenaufgang wegen der nördlichen Breite von 49,38° deutlich nach früher – Ende Juni bereits gegen fünf Uhr. Im Winter liegt er dagegen erst nach acht Uhr. Gerade in den hellen Monaten wird daher häufig das Imsak (Ende der Essenszeit vor dem Fasten) mit dem Beginn des Fadschr verwechselt. Achten Sie darauf, die Differenz beider Momente zu kennen und den Fadschr nicht bis an die äußerste Grenze zu verschieben.
Astronomische Dämmerung: Wie der Fadschr exakt berechnet wird
Alle fünf Pflichtgebete sind an den Stand der Sonne gebunden. Für den Fadschr richtet sich die Scharia nach dem ersten schwachen Lichtstreifen am östlichen Horizont (Fadschr ṣādiq). Astronomisch entspricht dies der sogenannten „astronomischen Morgendämmerung“, wenn die Sonne etwa 18° unter dem Horizont steht. Islamische Recheninstitute nutzen diesen Winkel, um aus Datum, Koordinaten und Zeitzone eine konkrete Uhrzeit zu bestimmen.
Folgende Faktoren fließen in die Berechnung für Schifferstadt ein:
- Datum: Der Sonnenstand ändert sich täglich, daher verschiebt sich auch der Dämmerungsbeginn um wenige Minuten.
- Koordinaten: Breite 49,38° N und Länge 8,37° E legen fest, wann die Sonne unter dem Horizont −18° erreicht.
- Zeitzone: Europe/Berlin mit Sommer- und Winterzeit (CET/CEST) verschiebt die lokale Uhrzeit zusätzlich um eine Stunde.
- Rechenmethode: In Deutschland wird meist der Wert −18°/−18° (Fadschr/Ischa) der Muslim World League oder des U.K. Prayer Timetable genutzt. Manche Gemeinden bevorzugen den Diyanet-Winkel −18°/−17°.
Besonderheit der höheren Breiten: Ab rund 48° Nord können im Hochsommer die astronomischen Dämmerungen verschwimmen, weil die Sonne nachts nicht mehr tief genug sinkt. Schifferstadt liegt knapp darüber, doch bei klarer Sicht tritt die Dunkelheit hier noch vollständig ein. Sollte es in extrem hellen Nächten zu Unsicherheiten kommen, greifen Gemeinden auf Ersatzzahlen wie ein Siebtel der Nacht oder die Methode der proportionalen Nachtteilung (1/2 oder 1/3) zurück.
Geographische Länge: Warum der Maghrib in Nachbarorten zu anderer Zeit beginnt
Maghrib ist an den Moment gebunden, in dem die obere Sonnenscheibe vollständig hinter dem wahren Horizont verschwindet. Während die geografische Breite hauptsächlich die Länge des Tages beeinflusst, sorgt die geografische Länge für zeitliche Verschiebungen nach Osten oder Westen. Schifferstadt liegt auf 8,37° östlicher Länge. Pro Grad Längendifferenz beträgt die Abweichung ungefähr vier Minuten.
Beispiele:
- Speyer (8,44° E) liegt knapp 6 km südöstlich – der Sonnenuntergang erfolgt dort wenige Sekunden früher.
- Ludwigshafen (8,45° E) liegt weiter östlich – auch hier setzt der Maghrib geringfügig früher ein.
- Bad Dürkheim (8,17° E) ist westlicher – der Sonnenuntergang verzögert sich um rund eine Minute gegenüber Schifferstadt.
Diese Unterschiede erklären, warum zwei Kalender für benachbarte Städte leicht abweichende Zeiten angeben können, obwohl dieselbe Berechnungsmethode verwendet wird. Wer sicher gehen will, nimmt stets die Koordinaten des eigenen Aufenthaltsortes als Grundlage.
Zusammengefasst entstehen die täglichen Gebetszeiten aus einem Zusammenspiel von Sonnenstand, Datum, Breite, Länge und Zeitzone. Ein zeitgemäßer Kalender fasst diese Parameter transparent zusammen, sodass Gläubige in Schifferstadt ihre Pflichtgebete pünktlich und ohne Verwirrung verrichten können.