Warum das Zeitfenster zwischen Maghrib und Ischa im Winter so kurz ist
Maghrib beginnt unmittelbar nach Sonnenuntergang, wenn die Sonnenscheibe vollständig unter dem Horizont verschwunden ist. Ischa dagegen setzt erst ein, sobald die astronomische Abenddämmerung beendet ist und der Horizont vollständig dunkel wirkt. An einem Ort wie Schkeuditz auf 51,4 ° nördlicher Breite sinkt die Sonne im Winter steiler unter den Horizont als im Sommer. Dadurch werden die drei Phasen der Dämmerung – bürgerlich, nautisch und astronomisch – schneller durchlaufen. Das Ergebnis: Zwischen Maghrib und Ischa vergehen im Dezember oft nur 60–70 Minuten, während im Juni leicht das Doppelte nötig sein kann.
Für die Praxis bedeutet das, dass die Gläubigen im Winter nach dem Maghrib-Gebet wenig Zeit haben, häusliche Verpflichtungen zu erledigen, bevor Ischa eintritt. Wer beide Gebete in der Moschee verrichten möchte, sollte sich daher rechtzeitig auf den Weg machen. Gleichzeitig lädt das kurze Zeitfenster dazu ein, beide Gebete in ruhiger Abfolge ohne lange Unterbrechung zu verrichten.
MWL, Diyanet oder IGMG? – Unterschiedliche Rechenansätze erklärt
Alle Gebetszeiten beruhen auf den gleichen astronomischen Grundlagen: Datum, geographische Koordinaten (51,3968 ° N, 12,2214 ° E), lokaler Zeitzone (Europa/Berlin) und definierte Sonnenwinkel. Der Unterschied liegt in den Kriterien, ab welchem Sonnenstand Fadschr und Ischa beginnen.
Die drei in Deutschland gängigen Methoden
- MWL (Muslim World League): nutzt −18 ° für Fadschr und −17 ° für Ischa. Diese eher konservativen Werte führen zu früheren Morgen- und späteren Nachtgebeten.
- Diyanet: orientiert sich am türkischen Präsidium für Religionsangelegenheiten und setzt −18 ° für beide Gebete an. In vielen deutschen Städten mit türkischen Gemeinden ist dieser Ansatz Standard.
- IGMG: die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş verwendet −18 °/−17 °, kombiniert aber oft lokale Anpassungen, um einheitliche Zeiten für Moscheen ihres Verbandes zu gewährleisten.
Obwohl sich die numerischen Unterschiede gering anhören, können sie in Schkeuditz bei Fadschr bis zu zehn Minuten und bei Ischa bis zu fünfzehn Minuten ausmachen. Die Wahl der Methode richtet sich meist nach der lokalen Moschee oder nach dem Heimatland der Gemeindemitglieder. Alle drei Verfahren sind islamisch anerkannt, da sie sich an eindeutigen Kriterien des Sonnenstands orientieren.
Abweichungen zwischen verschiedenen Gebetskalendern entstehen außerdem, wenn zusätzliche Puffer angewandt werden. Manche Gemeinden addieren zum Beispiel eine Sicherheitsmarge von 10–20 Minuten zum Sonnenaufgang, um das Ende der Fadschr-Zeit abzusichern (Beispiel: ). Solche Margen sind empfehlenswert, aber nicht verpflichtend.
51,4 ° N – lange Sommernächte und die Berechnung der Ischa-Zeit
Je höher die geographische Breite, desto flacher verläuft die Sonnenbahn im Sommer. Oberhalb von etwa 48 ° N kann es vorkommen, dass die Sonne nachts nicht mehr weit genug unter den Horizont sinkt, um völlige Dunkelheit (astronomische Dämmerung) zu erreichen. In Schkeuditz wird dieser Grenzbereich in den Wochen um die Sommersonnenwende spürbar, auch wenn die Sonne noch knapp unter −12 ° fällt. Die Abendröte bleibt dadurch länger sichtbar und die Ischa-Zeit verschiebt sich deutlich nach hinten – teilweise bis nach 23:30 Uhr.
Um dennoch eine praktikable Zeit zu bestimmen, empfehlen viele Gelehrte, Ischa spätestens um Mitternacht der islamischen Nacht zu verrichten. Diese wird entweder als mittlere Nacht (Zeitspanne zwischen Sonnenuntergang und Fadschr halbiert) oder als letztes Drittel () definiert. Beide Ansätze sind für Breitengrade wie 51 ° N zulässig und werden in islamischen Zentren Mitteldeutschlands angewandt.
Fadschr, Sonnenaufgang und die Rolle der Dämmerung
Fadschr beginnt, sobald der erste horizontale Lichtstreif (Fadschr ṣādiq) erscheint. Der Zeitraum zwischen diesem Moment und dem Sonnenaufgang () ist das Fenster für das Morgengebet. Aufgrund der flachen Sonneneinstrahlung im Sommer in Schkeuditz kann dieser Abschnitt über zwei Stunden dauern; im Winter dagegen misst er oft nur 80–90 Minuten.
Asr nach zwei Schulen
Beim Asr-Gebet gibt es zwei etablierte Ansätze: Die hanafitische Schule wartet, bis der Schatten eines Objekts die doppelte Länge seiner Mittagslänge erreicht (zweifache Schattenlänge), während die Schafiʿiten bereits bei der einfachen Schattenlänge beten. Die Website zeigt standardmäßig beide Werte, damit jeder seinem Madhhab folgen kann.