Die geografische Lage von Schortens und ihr Einfluss auf die Gebetszeiten
Schortens liegt auf 53,53° nördlicher Breite und 7,95° östlicher Länge. Die Breite bestimmt, wie lang der Tag im Laufe des Jahres wird: Im Sommer sind die Nächte sehr kurz, während sie im Winter auffallend lang werden. Für die Gebetszeiten bedeutet das ein frühes Fadschr und ein sehr spätes Ischa in den Monaten um den Juni, während beide Gebete im Dezember deutlich zusammenrücken. Ab etwa 48° N beginnt das Problem, dass die astronomische Dämmerung im Hochsommer kaum ganz verschwindet. Bei 53° N ist das in klaren Nächten deutlich zu spüren – die Sonne sinkt nicht weit genug unter den Horizont, um völlige Dunkelheit zu erreichen. Viele Kalender verwenden dann Ersatzregeln, damit Ischa nicht weit nach Mitternacht rutscht.
Die Länge (7,95° E) beeinflusst vor allem den Zeitpunkt des Sonnenuntergangs. Verglichen mit Städten weiter westlich in Niedersachsen geht die Sonne in Schortens einige Minuten früher unter, da sie hier «östlicher» steht. Wer zwischen Wilhelmshaven und Emden pendelt, merkt, dass Maghrib in Schortens meist 4–5 Minuten früher beginnt. Solche Unterschiede sind klein, aber für das pünktliche Gebet relevant.
MWL, Diyanet oder IGMG? Was hinter den gängigen Berechnungsmethoden steckt
In Deutschland treffen vor allem drei Methoden aufeinander:
- MWL (Muslim World League): nutzt 18° Sonnenhöhe für Fadschr und Ischa. Das führt im Sommer zu sehr frühen Fadschr-Zeiten und späten Ischa-Zeiten.
- Diyanet (Türkische Religionsbehörde): arbeitet mit 18° für Fadschr, aber nur 17° für Ischa und mit speziellen Korrekturen ab 48° N. Damit wird Ischa spürbar vorverlegt, wenn die astronomische Dämmerung nicht endet.
- IGMG: legt 15° für Fadschr und Ischa zugrunde. Der erste Gebetsruf liegt dadurch etwas später, und Ischa rutscht früher in den Abend.
Alle drei Verfahren sind schariatisch anerkannt, weil sie sich an eindeutigen Sonnenständen orientieren. Die Wahl ist oft kulturell geprägt: Moscheen mit türkischem Hintergrund folgen meist Diyanet oder IGMG, andere Gemeinden bevorzugen MWL. Wichtig ist, dass man sich innerhalb einer Gemeinschaft auf eine Methode einigt und sie konsequent nutzt.
Warum es zwei Asr-Zeiten geben kann
Für Asr gibt es zwei anerkannte Fiqh-Definitionen. Die hanafitische Schule wartet, bis der Schatten eines Gegenstands doppelt so lang ist wie er selbst („Asr Hanafi“). Die übrigen Rechtsschulen – Schafi‘i, Maliki und Hanbali – beginnen bereits beim einfachen Schatten („Asr Standard“). In den Tabellen ist daher oft eine zusätzliche Spalte zu finden. Wer dem hanafitischen Madhhab folgt, betet etwas später; alle anderen können die frühere Zeit nehmen.
Vom ersten Dämmerlicht bis zum Sonnenaufgang: Wie Fadschr berechnet wird
Fadschr beginnt, wenn das erste horizontale Lichtband („wahre Morgendämmerung“) erscheint. Astronomisch entspricht das einem Sonnenstand von etwa –18° bis –15° unter dem Horizont, je nach Methode. Computerprogramme prüfen für jeden Tag im Jahr, wann dieser Winkel erreicht ist, und liefern so die Uhrzeit für . Zwischen Fadschr und liegen in Schortens typischerweise 80 – 110 Minuten im Sommer und 120 – 150 Minuten im Winter.
Das Gebet endet exakt mit dem Sonnenaufgang. Wer sichergehen möchte, plant einen kleinen Sicherheitsabstand – viele Gelehrte empfehlen, das Gebet spätestens fünf Minuten vor dem Aufgang abgeschlossen zu haben. Direkt nach dem Aufgang ist das verrichtete Gebet ungültig, bis die Sonne eine Speerhöhe erreicht hat (ca. 15 Minuten später).
Für Ischa wird derselbe Ansatz angewandt, nur dass die Sonne am Abend wieder den definierten negativen Winkel erreicht. Bei 53° N kann sie das im Juni faktisch gar nicht mehr. Diyanet und IGMG legen deshalb Ersatzfristen fest, z. B. eine fixe Zeitspanne nach Sonnenuntergang oder die Hälfte der Nacht (), damit Gläubige nicht bis tief in die Nacht warten müssen.
Alle Zeiten auf dieser Seite basieren auf den genauen Koordinaten von Schortens, dem aktuellen Datum (26. Mai 2026) und der Zeitzone Europe/Berlin. Dadurch ist das Gebetszeiten-Raster zuverlässig und für jeden Tag neu berechnet.