Geografische Länge und der exakte Sonnenuntergang in Schwandorf
Schwandorf liegt bei 12,11° östlicher Länge. Diese Zahl klingt abstrakt, hat aber einen ganz praktischen Effekt auf das tägliche Gebetsschema: Pro Grad geographischer Länge verschiebt sich der Sonnenuntergang um rund vier Minuten. Vergleicht man Schwandorf beispielsweise mit Nürnberg (etwa 11,1° E), geht die Sonne hier im Durchschnitt vier Minuten früher unter, obwohl die beiden Städte fast auf demselben Breitengrad liegen. Vier Minuten scheinen wenig, können aber den Unterschied ausmachen, ob man Maghrib noch rechtzeitig erreicht.
Die Gebetskalender berücksichtigen diese Längendifferenz mithilfe präziser astronomischer Algorithmen. Grundlage sind die exakten Koordinaten der Stadt, das Datum und die Zeitzone. Daraus wird der wahre Sonnenuntergang („true sunset“) errechnet – der Zeitpunkt, an dem der obere Sonnenrand unter dem geometrischen Horizont verschwindet. Dieser Moment markiert den Beginn von Maghrib. Bereits wenige Sekunden Abweichung in der Eingabe der Koordinaten führen zu merklichen Verschiebungen im Ergebnis, weshalb lokale Tabellen immer verlässlicher sind als pauschale Deutschland-Raster.
Astronomische Dämmerung: Wie der Fadschr bestimmt wird
Der Fadschr beginnt nach klassischer Definition mit dem ersten Auftreten des fajr ṣādiq, des wahren Morgengrauens. Astronomisch entspricht das dem Zeitpunkt, an dem die Sonne rund 18 Grad unter dem Horizont steht. Einige internationale Gremien verwenden 15 Grad, um regionalen Lichtverhältnissen gerecht zu werden. In den Berechnungen für Schwandorf wird der jeweils ausgewählte Dämmerungswinkel auf das aktuelle Datum angewendet. Dadurch entsteht die in der Tagesübersicht angegebene Uhrzeit für Fadschr.
Auf 49,3° nördlicher Breite dauern im Sommer die nautische und die astronomische Dämmerung sehr lange. Die Sonne sinkt nur flach unter den Horizont, sodass das Restlicht den Himmel bis tief in die Nacht hinein erhellt. Je flacher der Dämmerungswinkel gewählt wird, desto später beginnt der rechnerische Fadschr. Wer sich an konservativen 18 Grad orientiert, betet also etwas früher als jemand, dessen Kalender mit 15 Grad erstellt wurde.
Die Trennung zwischen Fadschr und (dem Sonnenaufgang) ist immer deutlich: Mit dem Aufgang endet die Zeit für das Fadschr-Gebet. Zwischen beiden Punkten liegt in Schwandorf je nach Jahreszeit ein Zeitraum von etwa 90 bis 150 Minuten.
Maghrib und Ischa im Winter: Warum die beiden Gebete näher zusammenrücken
In den Wintermonaten steht die Sonne mittags niedriger am Himmel, und sie taucht steil unter den Horizont. Dadurch verkürzt sich die bürgerliche und die nautische Dämmerung erheblich. Das hat zwei Effekte:
- Maghrib tritt deutlich früher ein als im Sommer.
- Die Ischa-Zeit folgt rascher, weil der Himmel schneller vollständig dunkel wird.
Für Schwandorf bedeutet das, dass zwischen Maghrib und Ischa im Dezember oft weniger als eine Stunde liegt, während im Juni gut zwei Stunden vergehen können. Diese engen Zeitfenster erfordern besondere Aufmerksamkeit, damit man Ischa nicht verstreichen lässt.
Unterschiedliche Schulmeinungen beim Asr
Die Verkürzung des Nachmittagslichts wirkt sich auch auf Asr aus. Nach hanafitischer Auffassung beginnt Asr, wenn der Schatten eines Objekts zweimal so lang ist wie zur Mittagszeit; nach der Schafiʿi-, Malik- und Hanbali-Lehre genügt die einfache Verlängerung des Schattens. Im Winter, wenn die Sonne schneller sinkt, vergrößert sich die zeitliche Distanz zwischen beiden Methoden, in Schwandorf können das bis zu 25 Minuten sein. In den Kalendern sind deshalb häufig zwei Asr-Spalten ausgewiesen. Gläubige sollten sich jeweils an der Methode orientieren, die in ihrer Gemeinschaft üblich ist.