Wie sich die Breite von 50,5° N auf die Sommernächte und die Ischa-Zeit auswirkt
Schwarzenberg/Erzgeb. liegt auf 50,54° nördlicher Breite. Damit gehört die Stadt bereits zur Zone, in der die Dauer des Tageslichts im Sommer deutlich wächst und die Nacht stark schrumpft. Zwischen Mitte Mai und Ende Juli sinkt die Sonne hier nur knapp unter den Horizont; die astronomische Dämmerung endet oft gar nicht vollständig. Für die Ischa-Zeit bedeutet das: Der klassische Berechnungszeitpunkt – wenn die Sonne 17–18 ° unter dem Horizont steht – wird in sehr kurzen Nächten kaum oder erst in den frühen Morgenstunden erreicht. Viele islamische Kalender setzen daher in diesen Wochen einen «künstlichen» Grenzwert, zum Beispiel 90 oder 120 Minuten nach Maghrib, um den Gläubigen eine praktikable Orientierung zu geben.
Im Winter kehrt sich das Bild um. Bei derselben Breite verlängert sich die Nacht beträchtlich, und die Ischa-Zeit rückt schon am frühen Abend heran. Das veranschaulicht, wie eng die Gebetszeiten mit dem Sonnenstand verknüpft sind und warum es ohne aktuelles, standortgenaues Rechenmodell kaum möglich ist, verlässliche Uhrzeiten anzugeben.
Längengrad 12,8° O – warum der Sonnenuntergang in Schwarzenberg/Erzgeb. früher oder später ist als im Umland
Die Stadt liegt rund 12,79° östlich des Nullmeridians. Schon wenige Grade Unterschied wirken sich spürbar auf die lokale Sonnenzeit aus: Pro Längengrad verschiebt sich wahrer Mittag um etwa vier Minuten. Chemnitz (12,92° O) erlebt den Sonnenuntergang daher im Schnitt knapp 30 Sekunden früher, Dresden (13,74° O) bereits etwa vier Minuten früher als Schwarzenberg/Erzgeb. Diese Differenz erklärt, warum muslimische Gebetskalender nicht pauschal für ein ganzes Bundesland übernommen werden können.
Auch das Asr-Gebet illustriert den Einfluss der Geografie: Beide anerkannten Methoden – Schattenlänge × 1 (Schafi’i-, Malikī-, Hanbalī-Schule) und Schattenlänge × 2 (Hanafī-Schule) – nutzen den Stand der Sonne westlich des Meridians. Wird der wahre Mittag durch den Längengrad nach hinten verschoben, verschiebt sich automatisch auch der Augenblick, in dem der Schatten die geforderte Länge erreicht. Deshalb kann Asr in Schwarzenberg/Erzgeb. einige Minuten später beginnen als im weiter östlich gelegenen Zwickau, obwohl beide Städte auf fast gleicher Breite liegen.
Astronomische Dämmerung und die Berechnung des Fadschr-Gebets
Der Beginn von Fadschr ist dann erreicht, wenn das erste diffuse Morgenlicht – die sogenannte «astronomische Dämmerung» – erscheint. In Rechenmodellen wird dieser Moment häufig mit einer Sonnenhöhe von –18 ° definiert. Weil sich die Erde kontinuierlich dreht, ändert sich die Zeitspanne zwischen –18 ° und Sonnenaufgang je nach Datum und Breitengrad. Auf 50,5° N dauert sie im Juni rund 2 ¼ Stunden, im Dezember fast 3 Stunden. Je weiter man nach Norden geht, desto länger zieht sich diese Phase im Winter, während sie im Hochsommer ganz verschwinden kann.
Die verwendeten Parameter – zum Beispiel 18 ° (Muslim World League) oder 15 ° (Egyptian Authority) – haben direkten Einfluss auf die Uhrzeit, die in einem Kalender erscheint. Ein Unterschied von nur 3 ° kann das Fadschr-Gebet in Schwarzenberg/Erzgeb. um 15–20 Minuten nach vorn oder hinten verschieben. Aus diesem Grund ist es normal, dass zwei Quellen leicht abweichende Zeiten nennen. Wichtig ist, dass beide auf nachvollziehbaren astronomischen Daten basieren.
Wer den letzten Teil der Nacht für Qiyām al-Lail nutzen möchte, kann sich am Schichtpunkt der Nacht orientieren: Mitte der Nacht liegt bei , das letzte Drittel endet bei . Diese Angaben beruhen auf derselben Tag-Nacht-Teilung, die auch zur Berechnung von Fadschr angewandt wird, und passen sich daher täglich an.