Methoden zur Berechnung der Gebetszeiten in Deutschland
Die Gebetszeiten beruhen auf astronomischen Vorgaben, werden aber je nach Rechenmethode leicht unterschiedlich ermittelt. In Deutschland sind vor allem drei Algorithmen üblich:
- MWL (Muslim World League): Verwendet für Fadschr und Ischa einen Sonnenstand von 18 ° unter dem Horizont. Diese eher konservative Wahl führt zu früheren Fadschr- und späteren Ischa-Zeiten.
- Diyanet: Die türkische Religionsbehörde nutzt 18 ° für Fadschr, aber 17 ° für Ischa. Viele DITIB-Moscheen in Nordrhein-Westfalen, darunter auch in der Nähe von Schwerte, richten sich nach dieser Tabelle.
- IGMG (Islamische Gemeinschaft Millî Görüş): Arbeitet mit 15 ° für sowohl Fadschr als auch Ischa. Dadurch liegen die Zeiten näher an der bürgerlichen Morgendämmerung und dem Ende der nautischen Abenddämmerung, was in der Praxis etwas spätere Fadschr- und frühere Ischa-Zeitpunkte bedeutet.
Alle drei Methoden nutzen dieselben astronomischen Daten: das aktuelle Datum, die Koordinaten des Ortes (51,44 ° N, 7,57 ° E für Schwerte) und die Zeitzone Europe/Berlin. Unterschiede entstehen ausschließlich durch verschiedene Dämmerungswinkel und Rundungsregeln. Für die täglichen Pflichtgebete sind alle drei Ansätze akzeptiert; entscheidend ist die einheitliche Praxis in der eigenen Moschee oder Familie.
Hanafi- und Shafi-i-Ansatz beim Asr-Gebet
Die Zeit des Nachmittagsgebets beginnt, sobald der Schatten eines Gegenstands seine eigene Länge erreicht (Shafi-i-, Maliki- und Hanbali-Schule). Die hanafitische Rechtsschule wartet dagegen, bis der Schatten das Doppelte der Gegenstandshöhe misst. Daraus ergeben sich in Schwerte ganzjährig Differenzen von 40 – 75 Minuten zwischen den beiden Asr-Beginnzeiten.
Viele türkische und bosnische Gemeinden vor Ort folgen der hanafitischen Berechnung, während zahlreiche arabisch geprägte Gemeinden die shafiitische Methode nutzen. In den Kalendern wird deshalb oft Asr (Früh) und Asr (Spät) ausgewiesen, damit jede*r den eigenen Madhhab ohne Rechenaufwand einhalten kann.
Einfluss der geografischen Breite auf Fadschr und Ischa
Schwerte liegt auf 51,44 ° nördlicher Breite. Damit dauert der helle Teil des Tages im Juni fast 17 Stunden, wohingegen er im Dezember auf knapp 8 Stunden schrumpft. Je näher ein Ort am Pol liegt, desto flacher zieht die Sonne ihren Bogen, und desto länger bleiben die Dämmerungsphasen bestehen.
Lange Sommernächte und das Ishaa-Gebet
Um die Sommersonnenwende sinkt die Sonne hier spät, und das Ende der nautischen Dämmerung tritt erst sehr spät ein. Nach MWL-Werten fällt Ischa dann teilweise erst kurz vor Mitternacht. Manche Gemeinden stellen deshalb auf Ersatzmethoden um, zum Beispiel:
- 1/7- oder 1/9-Nacht-Regel (nach Diyanet)
- 1/2-Nacht: Ischa wird bei angesetzt, also auf halber Strecke zwischen Sonnenuntergang und .
- 1/3-Nacht: häufig von IGMG genutzt ().
Wichtig ist, dass innerhalb einer Gemeinde einheitlich vorgegangen wird; die Scharia erlaubt solche Hilfsregeln, weil in hohen Breiten die „klassische“ Nacht oft zu kurz für alle Pflichtgebete wäre.
Frühe Morgendämmerung und das Fadschr-Gebet
Die Morgendämmerung setzt im Juni bereits gegen 3 Uhr ein; im Dezember dagegen erst gegen 6 Uhr. Die zunehmende Tageslänge wirkt sich also direkt auf den Beginn von Fadschr aus. Der Kalendereintrag markiert den frühesten zulässigen Zeitpunkt. Er endet wenige Minuten vor , dem Sonnenaufgang, womit die Fadschr-Zeitspanne im Sommer besonders kurz wird.
Moscheen und islamische Zentren in Schwerte
| Name | Adresse | Kontakt |
|---|---|---|
| DITIB Türkisch-Islamische Gemeinde zu Schwerte (Fatih Camii) | Gartenstraße 31, 58239 Schwerte | – |