Schuruk: Übergang von der Morgendämmerung zum Tag
Das Morgengebet Fadschr beginnt mit der ersten Morgendämmerung (astronomisch: true dawn) und endet genau in dem Augenblick, in dem die Sonnenscheibe den Horizont berührt. Dieser Moment wird Schuruk oder auch Sonnenaufgang genannt. In Selm liegt der Schuruk-Zeitpunkt heute bei . Wer seinen Fadschr später betet, riskiert, dass das Gebet ungültig wird, weil die Zeit abgelaufen ist.
Zwischen Fadschr und Schuruk ist es noch dämmrig. Der Qur’an (17:78) weist darauf hin, dass das Gebet an festgelegten Zeiten verrichtet werden soll. Deshalb ist es empfehlenswert, ein paar Minuten Puffer einzuplanen, besonders wenn man sich auf eine Uhr oder App verlässt. Nach dem Schuruk beginnt eine kurze Karāhat-Zeit, in der das freiwillige Beten unerwünscht ist; erst etwa 15 Minuten nach Sonnenaufgang kann das Duha-Gebet verrichtet werden.
Berechnungsmethoden: MWL, Diyanet und IGMG im Vergleich
Die genaue Bestimmung der Gebetszeiten richtet sich nach dem Sonnenstand, wird heutzutage aber meist rechnerisch vorgenommen. In Deutschland sind vor allem drei Methoden gebräuchlich:
- MWL (Muslim World League): verwendet 18° Sonnenhöhe für Fadschr und 17° für Ischa. Viele internationale Apps greifen auf diese Standardwerte zurück.
- Diyanet: das türkische Präsidium für Religionsangelegenheiten rechnet mit 18°/17°, passt jedoch die Ischa-Zeit im Sommer leicht an türkische Praxis an. Türkische Moscheegemeinden in NRW nutzen meist diesen Kalender.
- IGMG: orientiert sich ebenfalls an 18°/17°, berücksichtigt aber regionale Feinanpassungen und publiziert einen eigenen Kalender für Europa.
Alle drei Modelle sind theologisch akzeptiert, weil sie innerhalb des Rahmens bleiben, den klassische Fiqh-Quellen beschreiben. Die Abweichungen von wenigen Minuten entstehen, weil
- leicht unterschiedliche Sonnendepressionen benutzt werden,
- Rundungen auf volle Minuten erfolgen,
- die Höhenlage und die exakten Koordinaten jeder Stadt variieren.
Selm liegt auf 51,70° nördlicher Breite. Dadurch dauern die Dämmerungsphasen im Sommer vergleichsweise lang, während im Winter die Sonne sehr flach auf- und untergeht. Je länger die Dämmerung, desto größer der Unterschied, den ein Wechsel des Berechnungswinkels erzeugt. Wer sich an eine örtliche Moschee hält, sollte ihr Schema konsequent verwenden, um Verwirrung zu vermeiden.
Zeitmanagement im deutschen Alltag
Lange Sommernächte, kurze Winternachmittage
Auf 51,7° Breite wird es im Juni erst nach 23 Uhr richtig dunkel, während die Morgendämmerung schon gegen 3 Uhr einsetzt. Fadschr und Ischa liegen somit sehr nah beieinander. Viele Muslime stellen sich den Wecker auf die letzte Drittel-Phase der Nacht () und schlafen nach Fadschr noch einmal.
Winter: Zuhr und Asr während der Arbeitszeit
Von November bis Februar verschiebt sich der Sonnenstand so weit, dass Zuhr oft vor 13 Uhr und Asr bereits um 15 Uhr eintritt. Diese Zeiten fallen mitten in Schule, Studium oder Arbeit. Drei erprobte Strategien helfen:
- Gebetsraum oder ruhiger Besprechungsraum im Betrieb anfragen – in vielen Firmen ist das unkomplizierter, als man denkt.
- Mittagspause nutzen: Zuhr direkt zu Beginn beten, Mahlzeit danach oder davor einplanen.
- Asr nach Feierabend? Laut Mehrheitsmeinung reicht es, wenn das Gebet vor Maghrib abgeschlossen ist. Ein kurzer Stopp auf dem Heimweg kann genügen.
Asr nach Hanafiten und Schafiiten
Die Hanafi-Schule definiert den Beginn von Asr, wenn der Schatten eines Objekts zweimal so lang wie das Objekt selbst ist (zzgl. des Mittags-Schattenwerts). Bei Schafiiten, Malikiten und Hanbaliten beginnt Asr bereits, wenn der Schatten genauso lang ist wie das Objekt. In der Monatsübersicht finden Sie daher häufig zwei Spalten oder einen Hinweis “Asr (Hanafi)”. Beide Zeiten sind gültig; man folgt üblicherweise der eigenen Rechtsschule oder der lokalen Moschee.
Unabhängig vom Mazhab gilt: Maghrib beginnt genau mit Sonnenuntergang (). Ab diesem Moment endet die Frist für Asr automatisch.