Berechnungsmethoden im Überblick: MWL, Diyanet und IGMG
In Deutschland werden vor allem drei Rechenmethoden verwendet, um die Gebetszeiten festzulegen: Muslim World League (MWL), die Präsidentschaft für religiöse Angelegenheiten der Türkei (Diyanet) und die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Alle Methoden greifen auf die gleichen astronomischen Grundlagen zurück, unterscheiden sich jedoch bei den zugrunde gelegten Sonnenpositionswinkeln für Fadschr und Ischa.
- MWL: 18 ° unter dem Horizont für Fadschr und Ischa. Diese konservative Einstellung ergibt tendenziell frühere Fadschr- und spätere Ischa-Zeiten.
- Diyanet: ebenfalls 18 °, jedoch mit regional angepassten Korrekturen für Mitteleuropa. Viele Ditib-Moscheen in Nordrhein-Westfalen, auch in Siegen, nutzen diese Werte.
- IGMG: 15 ° für Fadschr und 15 ° für Ischa. Dadurch verschieben sich beide Gebete um einige Minuten Richtung Tagesmitte, was vor allem im Winter spürbar ist.
Die Differenzen wirken sich in Siegen meist auf ein Zeitfenster von fünf bis fünfzehn Minuten aus. Für Asr gibt es darüber hinaus zwei Berechnungsweisen: Die Standard-Methode (Länge des Schattens = Objektlänge) wird in den meisten Kalendern als Asr schafi‘i angezeigt, während die Hanafi-Methode (Schattendoppelte) etwa eine Stunde später liegen kann. Prüfe daher, welcher Schulmeinung deine Gemeinde folgt.
Längengrad und lokale Unterschiede beim Sonnenuntergang
Siegen liegt auf dem 8,02. östlichen Längengrad. Pro Längengrad verschiebt sich der wahre Sonnenuntergang um etwa vier Minuten. Damit geht die Sonne hier rund vier Minuten später unter als in Köln (6,95 ° O) und sechs Minuten früher als in Kassel (9,50 ° O). Schon diese kleinen Abstände erklären, warum pauschale Tabellen, die nur nach Bundesländern unterscheiden, ungenau sein können.
Die geographische Breite von 50,87 ° N beeinflusst zusätzlich die Tageslänge. Im Juni sind die Tage über 16 Stunden lang; Fadschr tritt sehr früh ein, während Ischa bis weit nach 23 Uhr liegen kann. Im Dezember kehrt sich das Verhältnis um: Der Tag verkürzt sich auf gut acht Stunden, Fadschr rückt nach 6 Uhr und Ischa schon in den frühen Abend. Diese jahreszeitlichen Schwankungen erklärt der hohe Sonnenstand im Sommer und der flache Winkel im Winter.
Schuruq verstehen: Warum der Fadschr vor Sonnenaufgang endet
Der Fadschr-Beginn wird durch den ersten Anbruch der Morgendämmerung (Fadschr al-ṣādiq) definiert. Er endet exakt mit Schuruq, also dem Moment, in dem die Sonne vollständig über den Horizont tritt. Heute liegt der Schuruq in Siegen um . Das Gebet muss bis zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen sein; danach ist eine Pause vorgeschrieben, bis Zuhr eintritt.
Praktisch bedeutet das:
- Fadschr beten zwischen dem ersten Zwielicht und Schuruq.
- Direkt nach Schuruq beginnt der freiwillige Zeitraum von Duha, doch das Pflichtgebet Zuhr wird erst nach dem Höchststand der Sonne fällig.
- Maghrib wiederum startet, sobald die Sonnenscheibe vollständig untergegangen ist; dies geschieht meist zwei bis drei Minuten nach astronomischem Sonnenuntergang (sunset), weil die obere Kante der Sonne noch sichtbar war.
Die klare Abgrenzung zwischen Fadschr, Schuruq und den weiteren Gebeten verhindert Überschneidungen und gibt jedem Gebet seinen eigenen, von der Scharia definierten Zeitrahmen.