Asr-Zeit nach Hanafi und Schafi-i in Soest
Die fünf täglichen Gebete sind an klar definierte Sonnenstände gebunden. Beim Nachmittagsgebet (Asr) gibt es jedoch zwei anerkannte Methoden, die in Soest – wie überall in Europa – parallel verwendet werden. Im hanafitischen Fiqh beginnt Asr, sobald der Schatten eines Objekts doppelt so lang ist wie seine tatsächliche Höhe, zuzüglich des ursprünglichen Mittagschattens. Nach schafi-itischer, malikitischer und hanbalitischer Auffassung genügt bereits ein Schatten in einfacher Länge. Da die Sonne sich über dem 51. Breitengrad relativ flach bewegt, kann die Differenz zwischen beiden Berechnungen in Soest je nach Jahreszeit 40 bis 60 Minuten betragen. Beide Zeiten sind schariatrechtlich gültig; entscheidend ist, dass man konsequent einer Methode folgt und nicht täglich wechselt.
Praktisch bedeutet das: Wer dem hanafitischen Mazhab folgt, hat nach Zuhr mehr Zeit bis zum Asr-Gebet, dafür rückt Maghrib näher an das Ende seiner bevorzugten Zeitspanne. Wer der schafi-itischen Berechnung folgt, verrichtet Asr früher und darf Maghrib etwas entspannter vorbereiten. Für Jamaʿat-Gebete vor Ort oder unterwegs empfiehlt es sich, vorab zu klären, welche Methode angewendet wird, um gemeinsam zu beten.
Fadschr und die astronomische Morgendämmerung
Der Beginn von Fadschr ist an das erste, horizontale Lichtband (subh ṣādiq) gebunden, das entsteht, wenn die Sonne sich noch unterhalb des Horizonts befindet. ASTRONOMISCH entspricht dies meist einem Sonnenstand von –18 ° bis –16 °. Viele Zeittabellen in Deutschland nutzen den weltweit verbreiteten Wert –18 °; einige Institute arbeiten mit –17 ° oder –15 °, um lokale Sichtbeobachtungen besser abzubilden. Kleine Abweichungen von wenigen Minuten sind dadurch unvermeidlich.
Die Breitengradlage von Soest (51,58 ° N) führt zu deutlichen saisonalen Unterschieden: Im Juni und Juli liegt Fadschr bereits kurz nach 3 Uhr, weil die Sonne nur flach unter den Horizont taucht. Im Dezember verschiebt sich der Zeitpunkt auf rund 6 bis 7 Uhr. Je weiter vom Äquator entfernt, desto längere Dämmerungsphasen entstehen – das erklärt, warum deutsche Gebetspläne nicht einfach von Ländern mit niedrigeren Breiten übernommen werden können. Verwendet ein Kalender einen anderen Dämmerungswinkel als der hier angezeigte, weicht die Fadschr-Zeit automatisch ab – das ist kein Fehler, sondern eine methodische Entscheidung.
Warum der Abstand zwischen Maghrib und Ischa im Winter schrumpft
Maghrib beginnt unmittelbar nach Sonnenuntergang; Ischa greift, sobald die astronomische Abenddämmerung (Sonnenstand ca. –18 °) endet. In Soest beträgt der Abstand zwischen diesen beiden Momenten im Hochsommer etwa 90 bis 100 Minuten. Im Dezember verkürzt er sich drastisch auf gut 60 Minuten. Hauptgrund ist die schnellere Wanderung der Sonne unter den Horizont, wenn sie in einem steileren Winkel abtaucht. Gleichzeitig erreicht sie in hohen Breiten die –18 °-Marke zügiger als in den Monaten, in denen sie flacher untergeht.
Diese Verkürzung hat praktische Folgen: Der Zeitraum für das Abendessen, die Rückkehr von der Arbeit oder den Weg zur Moschee ist im Winter knapper. Wer beide Gebete getrennt verrichtet, achtet daher darauf, Maghrib möglichst zeitnah nach Sonnenuntergang zu beten, um Ischa nicht hinauszuzögern. Auch hier erklären unterschiedliche Dämmerungswinkel oder ein Abrunden auf 5-Minuten-Schritte, warum Zeitpläne verschiedener Anbieter in der dunklen Jahreszeit stärker voneinander abweichen als im Sommer.