Zwischen Maghrib und Ischa: Warum die Zeit im Winter so kurz ist
Viele Muslime in Sonneberg wundern sich in den dunklen Monaten darüber, dass nur wenig Zeit zwischen dem Sonnenuntergang und dem Beginn des Ischa-Gebets bleibt. Der Grund liegt in der Stellung der Sonne relativ zum Horizont. Sobald die Sonne hinter dem Thüringer Wald verschwindet, beginnt die bürgerliche Dämmerung; die Sonne steht dann weniger als 6 Grad unter dem Horizont. In dieser Phase verrichten wir das Maghrib-Gebet.
Für Ischa warten wir, bis die astronomische Dämmerung endet und die Sonne etwa 17–18 Grad unter dem Horizont steht. Im Winter sinkt die Sonne sehr steil ab. Dadurch erreicht sie die erforderliche Tiefe bereits 60–70 Minuten nach Maghrib. In manchen Nächten kann dieser Abstand sogar unter eine Stunde fallen. Wer also in der kalten Jahreszeit nach Feierabend betet, sollte die Uhr besonders im Blick behalten, damit Ischa nicht unbemerkt verpasst wird.
Im Sommer kehrt sich das Verhältnis um: Die Sonne streift den Horizont flacher, und die Dämmerung zieht sich in die Länge. Zwischen Maghrib und Ischa liegen dann in Sonneberg mitunter mehr als zwei Stunden. Diese natürliche Schwankung ist vollkommen normal und folgt dem jährlichen Lauf der Sonne.
Astronomische Dämmerungsphasen: Wie das Fadschr-Gebet berechnet wird
Das Fadschr-Gebet beginnt mit dem ersten hellen Streifen am östlichen Horizont und endet mit dem Sonnenaufgang. Um den genauen Moment zu bestimmen, orientieren sich alle gängigen Rechenmethoden an der astronomischen Morgendämmerung, also dem Zeitpunkt, an dem die Sonne 18 Grad (manche Institute nutzen 15 oder 12 Grad) unter dem Horizont steht. Je kleiner der zugrunde gelegte Winkel, desto später setzt rechnerisch der Fadschr ein.
Die Formeln berücksichtigen dabei:
- das aktuelle Datum, weil sich der Sonnenstand täglich ändert;
- die geografische Breite (50,36° N) und Länge (11,17° O) von Sonneberg;
- die Zeitzone (Europe/Berlin) sowie die Umstellung zwischen MEZ und MESZ;
- atmosphärische Standardwerte, z. B. Luftbrechung und Meereshöhe.
Der Sonnenaufgang selbst wird häufig mit bezeichnet. Die Spanne zwischen Fadschr und diesem Moment ist die zulässige Zeit für das erste Pflichtgebet des Tages. Wer ganz sicher gehen möchte, betet Fadschr möglichst im ersten Drittel dieser Periode; so bleibt genug Puffer für Unvorhergesehenes.
Warum weichen die Zeiten zwischen verschiedenen Seiten leicht ab? Meist wählen die Betreiber unterschiedliche Dämmerungswinkel oder runden auf ganze Minuten. Auch lokale Korrekturfaktoren für die Höhe der Stadt über dem Meeresspiegel spielen eine Rolle. In der Regel bewegen sich die Differenzen jedoch im Bereich von ein bis drei Minuten und haben keinen Einfluss auf die Gültigkeit des Gebets.
Sommernächte auf 50° nördlicher Breite: Herausforderungen für das Ischa-Gebet
Sonneberg liegt oberhalb des 48. Breitengrads, aber noch deutlich unterhalb des Polarkreises. Damit erleben wir zwar keine echten «weißen Nächte» wie in Skandinavien, doch ab Mitte Juni wird es nur noch für kurze Zeit richtig dunkel. Die Sonne geht spät unter und erreicht ihre tiefste Stellung erst kurz vor Mitternacht.
Bei klarem Himmel erkennt man das daran, dass der westliche Horizont noch in zartem Blau leuchtet, während im Osten bereits das erste Licht des neuen Tages aufsteigt. Theoretisch müsste man mit dem Ischa-Gebet warten, bis die astronomische Dämmerung vollständig endet – manchmal nach 23:30 Uhr. Viele Muslime müssen jedoch früh zur Arbeit und entscheiden sich daher für die von mehreren Rechtsschulen erlaubte Erleichterung: Ischa wird zu einer festen Zeitspanne nach Maghrib gebetet, meist 90 oder 120 Minuten, sobald die Dämmerung eine bestimmte Helligkeit unterschreitet.
Diese Methode ist keine Neuerung, sondern eine im Fiqh anerkannte Lösung für hohe Breiten, in denen die Nacht sehr kurz oder die Dämmerung gar nicht mehr endet. Wer sich genauer absichern möchte, kann sich am der Nacht orientieren: Ischa sollte vor diesem Punkt verrichtet sein, damit der freiwillige Qiyâm in der zweiten Nachthälfte beginnen kann.
Zusammengefasst gilt: Die Breite von 50° N führt im Sommer zu spätabendlichen Gebetszeiten, während der Winter kurze Abstände zwischen den Gebeten bringt. Beide Phänomene sind Ausdruck der göttlichen Ordnung und erfordern lediglich etwas Planung im Alltag.