Asr-Zeit nach hanafitischer und schafiitischer Methode
Die fünf täglichen Gebete orientieren sich an klar erkennbaren Sonnenständen. Beim Asr-Gebet gibt es jedoch zwei anerkannte Auffassungen darüber, wann die Zeit beginnt. Beide beruhen auf einem authentisch überlieferten Kriterium: der Länge des Schattens eines senkrechten Objekts.
– Schafiitische, malikistische und hanbalitische Schule: Die Asr-Zeit beginnt, sobald der Schatten eines Gegenstands seine eigene Länge plus den sogenannten Mittags-Grundschatten erreicht. Kurz gesagt: Schattenlänge = Objektlänge.
– Hanafitische Schule: Hier wartet man, bis der Schatten doppelt so lang ist wie der Gegenstand (ebenfalls zuzüglich Grundschatten). Erst dann gilt Asr als eingetreten.
Für Sonthofen bedeutet das konkret: Zwischen den beiden Berechnungen liegen an einem durchschnittlichen Tag rund 30–50 Minuten Unterschied. Wer dem hanafitischen Madhhab folgt, betet Asr also etwas später. Beide Zeitpunkte werden in seriösen Gebetskalendern angegeben, damit jede und jeder seine Verpflichtung entsprechend der eigenen Rechtsschule erfüllen kann.
Fadschr und die astronomische Morgendämmerung
Fadschr beginnt nicht mit den ersten farbigen Streifen am Horizont, sondern mit dem zweiten Morgendämmern, dem „wahren“ Fadschr (al-fadschr as-sadiq). Astronomisch spricht man vom Zeitpunkt, an dem die Sonne ungefähr 12–18 Grad unter dem Horizont steht. Innerhalb dieses Bereichs liegt die nautische Dämmerung, in der sich das diffuse Licht horizontal ausbreitet.
Welche Gradzahl konkret genutzt wird, hängt von der Berechnungsmethode ab. In Deutschland ist die Methode des Muslim World League (MWL) weit verbreitet; sie setzt −18° für Fadschr und −17° für Ischa an. Andere Algorithmen (z. B. Umm al-Qura) arbeiten mit −18° / −90 Minuten nach Sonnenuntergang. Je größer die Gradzahl, desto früher beginnt Fadschr – Abweichungen von 5–10 Minuten zwischen verschiedenen Kalendern sind deshalb normal.
Sonthofen liegt auf 47,5° nördlicher Breite. Diese geografische Lage führt dazu, dass die Dämmerungsphasen im Sommer sehr lang werden, im Winter dagegen stark verkürzen. Zur Sommersonnenwende dauert es bis zu drei Stunden vom Fadschr-Beginn bis zum , im Dezember hingegen kaum mehr als 90 Minuten. Wer den Beginn seiner Fasten- oder Gebetszeit exakt einhalten möchte, sollte deshalb die tagesgenauen Gebetszeiten beachten und sich nicht auf pauschale Richtwerte verlassen.
Schuruq: Warum der Abschluss des Fadschr davor unerlässlich ist
Mit Schuruq ist der Moment gemeint, an dem die Sonnenscheibe am Horizont erscheint. Ab dann beginnt die Zeit für das Zuhr-Gebet noch nicht, aber das Fadschr-Fenster schließt sich schariatrechtlich sofort. Wer den Fadschr-Gebet noch nicht verrichtet hat, begeht eine Verspätung (qadāʼ) und muss das Gebet nachholen.
Der Zusammenhang ist einfach: Solange die Sonne unter dem Horizont steht, befinden wir uns in der Morgendämmerung. Sobald ihr oberer Rand sichtbar wird, ist diese Dämmerung vorbei und damit auch die vorgeschriebene Zeit für Fadschr. Für Sonthofen fällt Schuruq im Jahresmittel rund 70–90 Minuten nach dem in der Tabelle angegebenen Fadschr-Beginn. Durch die hohe Sommertageslänge verschiebt sich Schuruq im Juni deutlich nach vorne (gegen 5 Uhr), während er im Dezember erst nach 8 Uhr eintritt.
Praktischer Tipp: Plane das Fadschr-Gebet so, dass du es mindestens einige Minuten vor Schuruq beendest. Das gibt dir genügend Spielraum für Konzentration und vermeidet jede Unsicherheit.