Berechnungsmethoden: MWL, Diyanet und IGMG im Vergleich
Wer in Straelen nach Gebetszeiten sucht, stößt meist auf drei Berechnungsmethoden, die in Deutschland verbreitet sind: Muslim World League (MWL), die türkische Behörde Diyanet und die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Alle drei richten sich nach dem Sonnenstand, verwenden jedoch unterschiedliche Dämmerungswinkel, um den Beginn von Fadschr und das Ende von Ischa zu bestimmen.
- MWL nutzt 18° für Fadschr und 17° für Ischa. Diese konservativen Winkel führen zu früheren Morgengebeten und späteren Nachtgebeten.
- Diyanet berechnet weltweit mit 18° für beide Gebete, passt aber die Ergebnisse in Europa regional an. Deshalb weichen die Zeiten leicht vom MWL-Modell ab.
- IGMG arbeitet mit 12° (Fadschr) und 13° (Ischa). Diese kleineren Winkel berücksichtigen, dass jenseits des 48. Breitengrades die astronomische Abenddämmerung im Sommer kaum verschwindet. Straelen liegt auf 51,44° N, weshalb die IGMG-Tabelle vor allem in Juni und Juli praktisch ist.
Alle Methoden sind fiqh-konform, denn die Scharia schreibt nur vor, dass das erste Morgenlicht erscheint bzw. die Dunkelheit vollständig einsetzt. Wie man diese Schwelle technisch ermittelt, ist iǧtihād. Viele Gemeinden in Nordrhein-Westfalen verwenden daher Diyanet oder IGMG, während Apps oft auf MWL zurückgreifen.
Asr nach Hanafi und Schafiʿi
Die Differenz der Methoden fällt besonders beim Asr-Gebet auf. Im hanafitischen Madhhab beginnt Asr, wenn der Schatten eines Objekts das Doppelte seiner Länge erreicht; Schafiʿiten, Malikiten und Hanbaliten rechnen mit dem einfachen Schatten. Für Straelen bedeutet das je nach Jahreszeit eine Verschiebung von 20–40 Minuten. In vielen Timetables lässt sich daher «Asr (Standard/Schafiʿi)» und «Asr Hanafi» unterscheiden.
Warum sich das Zeitfenster zwischen Maghrib und Ischa im Winter verkürzt
Im Dezember steht die Sonne über dem 51. Breitengrad deutlich flacher. Sie taucht nach Maghrib steil unter den Horizont, wodurch die notwendige Dunkelheit für Ischa rascher erreicht wird. So liegen in Straelen im tiefen Winter oft weniger als 60 Minuten zwischen den beiden Gebeten. Umgekehrt dauert die nautische Dämmerung im Sommer wesentlich länger, sodass sich Ischa bis weit nach 23 Uhr verschieben kann.
Praktisch heißt das: In der kalten Jahreszeit bleiben nur kurze Pausen für das gemeinsame Abendessen oder den Weg von der Moschee nach Hause, bevor Ischa eintritt. Viele Gemeinden bieten deshalb im Winter zusammengelegte Programme an, während sie im Sommer längere Wartezeiten einplanen.
Schuruq verstehen: Das Ende der Fadschr-Zeit
Schuruq bezeichnet den Moment, in dem die obere Kante der Sonne am Horizont erscheint. Nach diesem Zeitpunkt ist Fadschr nicht mehr gültig. Gläubige sollten ihr Morgengebet daher spätestens einige Minuten vor beendet haben. Wer regelmäßig auf den letzten Drücker betet, kann eine Sicherheitsmarge von 10-15 Minuten einplanen.
Der Unterschied zwischen Fadschr und Schuruq ist mehr als eine technische Frage. Fadschr beginnt mit dem ersten wahrnehmbaren Lichtstreifen (fadschar ṣādiq) und endet mit Sonnenaufgang. In Straelen variiert dieses Fenster zwischen 90 Minuten (Juni) und kaum 60 Minuten (Dezember). Die Ursache liegt erneut in der geographischen Breite: Je weiter nördlich, desto länger dauert die Morgendämmerung im Sommer und desto kürzer im Winter.
Wer seine Zeitplanung optimieren möchte, kann zusätzlich die Mitte der Nacht oder das letzte Drittel beachten, um freiwillige Nachtgebete einzuteilen.