Der Einfluss der geografischen Länge auf die Sonnenuntergangszeit in Strausberg
Strausberg liegt auf 13,89° östlicher Länge. Diese Zahl hat einen spürbaren Effekt auf die Uhrzeit des Sonnenuntergangs, denn pro Längengrad verschiebt sich das Ende des Tages um rund vier Minuten. Städte, die weiter westlich innerhalb Deutschlands liegen – etwa Dortmund oder Köln – erleben den Sonnenuntergang deshalb bis zu 25 Minuten später als Strausberg, obwohl sie auf ähnlicher geografischer Breite liegen. Umgekehrt geht die Sonne in östlicheren Orten wie Cottbus etwas früher unter.
Für das Maghrib-Gebet, das unmittelbar nach dem Sonnenuntergang beginnt, bedeutet das: Selbst ein kurzer Ortswechsel kann die Gebetszeit verschieben. Der in Strausberg angezeigte Zeitpunkt ist also präzise an die lokalen Koordinaten und den Zeitzonenversatz der Europe/Berlin-Zone angepasst.
Die Breite von 52,58° N wirkt sich zusätzlich auf die Länge des Tages aus. Im Sommer sind die Nächte sehr kurz, Fadschr rückt weit nach vorn und Ischa spät in die Nacht; im Dezember verlängert sich dagegen die Dunkelphase, sodass zwischen Fadschr und Sonnenaufgang weniger als zwei Stunden liegen können. Diese jahreszeitlichen Unterschiede erklären, warum der Gebetskalender im Laufe eines Jahres so stark schwankt.
Was bedeutet Schuruk und warum muss das Fadschr-Gebet davor beendet sein?
Schuruk (Sonnenaufgang) markiert den Moment, an dem der obere Rand der Sonne den Horizont durchbricht. Mit diesem Ereignis endet die Fadschr-Zeit endgültig. Der Prophet ﷺ hat empfohlen, das Morgengebet noch im Dunkel der Morgendämmerung zu verrichten, bevor die Sonne sichtbar wird. Wer also auf der sicheren Seite sein möchte, beendet Fadschr einige Minuten vor .
Die Fadschr-Zeit selbst beginnt, sobald die astronomische Morgendämmerung (der wahre Morgen, Fadschr ṣādiq) einsetzt. Dies geschieht, wenn die Sonne etwa 15–18° unter dem Horizont steht und der Horizont im Osten eine feine Lichtlinie zeigt. Zwischen diesem ersten Licht und Schuruk bleibt nur ein schmales Zeitfenster. An langen Sommertagen in Strausberg kann es bis zu drei Stunden betragen, im Winter jedoch kaum eine Stunde. Wer eine feste Routine entwickelt – zum Beispiel das Aufstehen zu einer konstanten Uhrzeit – verhindert, dass das Gebet unabsichtlich in die verbotene Zeit nach Schuruk hineinrutscht.
Berechnungsmethoden in Deutschland: MWL, Diyanet und IGMG im Vergleich
Bei den in Deutschland verbreiteten Gebetszeittabellen dominieren drei Rechenmethoden: die Muslim World League (MWL), die Diyanet-Methode und die Methode des IGMG. Alle beruhen auf denselben astronomischen Grundlagen, unterscheiden sich jedoch in zwei Punkten:
- Winkelwerte für Fadschr und Ischa: MWL nutzt 18° / 17°, Diyanet 18° / 17° (in Mitteleuropa teilweise 19° / 17°), IGMG dagegen 15° / 15°. Ein kleinerer Winkel verschiebt Fadschr später und Ischa früher, ein größerer Winkel macht das Gegenteil.
- Konvention für Asr: Alle Methoden bieten sowohl die sogenannte „Standard-Variante“ (Schattenlänge einmal Körperlänge → Shafi‘i, Maliki, Hanbali) als auch die „Hanafi-Variante“ (Schattenlänge zweimal Körperlänge). Viele deutschen Moscheen mit türkischem Hintergrund veröffentlichen beide Zeiten parallel.
Warum sind gerade diese drei Methoden populär? MWL wird von vielen internationalen Apps als Grundeinstellung ausgeliefert und deckt die meisten Breitengrade ab. Diyanet gewährleistet Einheitlichkeit in türkischen Gemeinden, die auch in Deutschland traditionell stark vertreten sind. IGMG setzt bewusst niedrigere Winkel, um das Problem sehr später Ischa-Zeiten im mitteleuropäischen Sommer zu entschärfen.
Welches Schema Sie wählen, hängt davon ab, welcher Rechtsmeinung oder lokalen Gemeinde Sie folgen. Wichtig ist, konsequent eine Methode zu benutzen, damit keine Lücken im Gebetsrhythmus entstehen.