Die Tageszeiten für die fünf Pflichtgebete sind direkt an die Stellung der Sonne gebunden. Für eine Stadt wie Stuhr mit einer geographischen Breite von 53,03° N bedeutet das: Im Hochsommer sind die Tage sehr lang, Dämmerungsphasen verschmelzen fast ineinander, während im Winter das Tageslicht knapp ist. Diese natürlichen Gegebenheiten prägen die hier angezeigten Gebetszeiten.
Asr-Zeit nach verschiedenen Madhhab-Traditionen
Die Bestimmung des Asr-Gebets hängt davon ab, wie lang der Schatten eines Objekts im Verhältnis zu seiner eigenen Höhe sein muss:
- Schafiitische, malikitische und hanbalitische Gelehrte nehmen Asr ein, sobald der Schatten die gleiche Länge wie das Objekt erreicht (zusätzlich zum Mittags-Schatten).
- Nach hanafitischer Auffassung beginnt Asr erst, wenn der Schatten doppelt so lang ist.
In der Praxis führt das in Stuhr zu einer Differenz von etwa 45–70 Minuten, abhängig von Jahreszeit und Sonnenstand. Beide Berechnungen sind innerhalb der islamischen Rechtswissenschaft anerkannt. Wer einer bestimmten Rechtsschule folgt, orientiert sich am entsprechenden Anfangszeitpunkt; wer flexibel bleibt, kann die frühere oder spätere Zeit nutzen, sollte aber unbedingt vor Sonnenuntergang beten.
Fadschr, Sonnenaufgang und die Rolle der astronomischen Dämmerung
Fadschr beginnt, wenn am östlichen Horizont der erste weiße Streifen erscheint. Astronomisch entspricht das dem Moment, in dem die Sonne etwa 18 ° unter dem Horizont steht (astronomische Morgendämmerung). Einige Institutionen nutzen 17 ° oder 15 °, um lokale Lichtverhältnisse besser widerzuspiegeln.
Zwischen Fadschr und dem Sonnenaufgang (Schuruk) liegt eine empfindliche Zeitspanne: Fastenbeginn, Morgensunnetgebet und das Verbot zu essen, wenn man fastet. Mithilfe der Formel für den Sonnendeklinationswinkel, der Tageslänge und der genauen Koordinaten von Stuhr (53,03 ° N, 8,75 ° E) berechnen Algorithmen den Moment, an dem der wahre Horizont erreicht ist. Für den Imsak – das sichere Ende des Essens vor dem Fasten – wird häufig ein Puffer von z. B. fünf Minuten vor gewählt.
Weil Stuhr nördlich des 48. Breitengrads liegt, verschwindet die astronomische Dämmerung im Juni teilweise nicht mehr vollständig. Das führt dazu, dass Fadschr sehr früh und Ischa sehr spät liegen. Viele Gemeinden greifen in dieser Zeit auf temporäre „angle based fixes“ zurück oder runden auf feste Uhrzeiten, um extreme Nachtverkürzungen auszugleichen.
MWL, Diyanet und IGMG – warum in Deutschland mehrere Berechnungsmodelle existieren
MWL (Muslim World League)
Die MWL-Methodik nutzt 18 °/17 ° für Fadschr bzw. Ischa und ist international verbreitet. Sie berücksichtigt keine speziellen Anpassungen für hohe Breiten, wird aber durch Zusatzregeln ergänzt, falls Sonnendepression nicht erreicht wird.
Diyanet
Die türkische Religionsbehörde Diyanet arbeitet ebenfalls mit 18 °/17 °, fügt jedoch manuell angelegte Korrekturen für Mitteleuropa hinzu. Dadurch sind die Zeiten für Fadschr in Deutschland oft etwas später als bei der MWL, während Ischa bis zu 20 Minuten früher sein kann.
IGMG
Die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş nutzt 12 °/13 ° in Verbindung mit besonderen Sommer-Algorithmen. Das Modell ist beliebt, weil es die sehr späten Ischa-Zeiten des Nordens auf sozial praktikable Werte reduziert und trotzdem innerhalb der akzeptierten Fiqh-Meinungen bleibt.
Alle drei Methoden basieren auf derselben astronomischen Grundlage, wählen jedoch unterschiedliche Grenzwerte und Zuschläge. Für Stuhr können die Differenzen zwischen ihnen bis zu 25 Minuten betragen. Wer konsequent einer Organisationslinie folgt (z. B. seiner Moscheegemeinde), sorgt damit für Einheitlichkeit im alltäglichen Gebet.