1. Die 50°-Breite — Auswirkungen auf Fadschr und Ischa im Sommer
Taunusstein liegt mit 50,15 ° nördlicher Breite deutlich oberhalb der Subtropen. Dadurch werden die Nächte im Juni und Juli sehr kurz: Die Sonne taucht nur flach unter den Horizont, und die astronomische Dämmerung (-18 ° Sonnenstand) dauert kaum an. Für die Gebetszeiten bedeutet das:
- Fadschr beginnt, sobald die Morgendämmerung sichtbar wird (astronomisch ca. 18 ° Sonnenstand unter dem Horizont). Weil die Sonne im Sommer nur knapp unter diese Marke sinkt, rückt der Fadschr-Beginn sehr früh, teilweise vor 03:00 Uhr.
- Ischa setzt regulär mit dem Ende der nautischen Dämmerung ein. In nördlichen Breiten wird diese Grenze im Sommer nicht immer erreicht. Viele Gebetskalender greifen dann auf Rechenregeln zurück, etwa „1/7 der Nacht“ oder einen festen Winkel von 15 °–18 °. Auf dieser Seite wird das European Council for Fatwa and Research-Modell verwendet, um verlässliche Uhrzeiten auch in lichten Sommernächten anzugeben.
Praktisch heißt das: Die Nacht bleibt zwar hell, doch die verpflichtenden Zeiten bleiben davon unberührt. Achte darauf, das Ischa-Gebet nicht künstlich zu verschieben, nur weil es noch dämmrig wirkt.
2. Der Längengrad und seine Rolle beim Sonnenuntergang
Neben der Breite beeinflusst auch die geographische Länge die Gebetszeiten. Taunusstein liegt bei 8,15 ° östlicher Länge und damit westlich von Frankfurt (8,68 ° E) und östlich von Koblenz (7,60 ° E). Jeder Längengrad entspricht vier Minuten Sonnenzeit. Das bedeutet:
- Der Sonnenuntergang – und damit Maghrib – tritt in Taunusstein etwa zwei Minuten früher ein als in Frankfurt, aber knapp zwei Minuten später als in Koblenz.
- Auch der Eintritt von Zuhr (Sonnenhöchststand) verschiebt sich entsprechend.
Diese Differenzen erscheinen gering, summieren sich jedoch über die Jahreszeiten. Deshalb können Kalender aus benachbarten Städten um mehrere Minuten vom hier angegebenen Zeitplan abweichen.
Alle Uhrzeiten auf dieser Seite sind an die lokale Sonnenzeit angepasst und bereits in die mitteleuropäische Zeit bzw. MESZ umgerechnet. Auch die Umstellung zwischen MEZ und MESZ fließt automatisch in die Berechnung ein.
3. Schuruq verstehen: Bis wann darf Fadschr gebetet werden?
Schuruq (Sonnenaufgang) markiert das Ende der Dämmerung. Sobald die obere Sonnenscheibe am Horizont erscheint, tritt eine Gebets-Sperrzeit („Karaha“) ein, die erst nach rund 15 Minuten endet. Der Fadschr darf daher spätestens bis zum Moment des Schuruq verrichtet sein. Auf dieser Seite findest du den exakten Zeitpunkt als .
Zum besseren Verständnis:
- Fadschr beginnt mit der ersten Morgendämmerung.
- Das Gebet dauert bis zum Schuruq.
- In der kurzen Zeit danach wird kein freiwilliges oder verpflichtendes Gebet empfohlen.
Wer also auf Reisen oder bei Schichtarbeit ist, sollte sein Fadschr sicherheitshalber wenige Minuten vor Schuruq beenden, um nicht in die verbotene Zeit zu geraten.
Warum unterscheiden sich Kalender?
Islamische Gebetszeiten leiten sich aus astronomischen Winkeln ab. Gebräuchlich sind 18 °/17 ° (Ägypten), 15 °/15 ° (Türkei) oder gemischte Modelle. Kleinste Abweichungen bei:
- Koordinaten (Breite, Länge, Höhe)
- verwendetem Dämmerungs-Winkel
- Zeitzonen-Einstellungen
führen zu leicht unterschiedlichen Ergebnissen. Alle Berechnungen hier beruhen auf den Koordinaten 50,14993 N und 8,15206 E und dem international verbreiteten „Muslim World League“-Ansatz mit lokalen Anpassungen.
Hanafi- und Shafi-i-Regel für Asr
Das Asr-Gebet beginnt, wenn der Schatten eines Objekts dessen Länge plus den Mittags-Schatten erreicht. Im Shafi-i-, Maliki— und Hanbali-Madhhab ist das Verhältnis 1 : 1. Im Hanafi-Madhhab wartet man bis der Schatten das Doppelte der Körperlänge erreicht. Darum zeigt der Kalender oft zwei Asr-Zeiten an: Asr (al-aulā) für die drei Madhahib und Asr (āl-thāniya) für die Hanafiten. Diese Seite verwendet standardmäßig die frühere Zeit und ergänzt die spätere als alternative Option.
Tägliche Verschiebungen
Weil die Erde ihre Bahn weiterzieht, verlagern sich die Gebetszeiten täglich um bis zu mehrere Minuten. Besonders um die Tag-und-Nacht-Gleiche und die Sonnenwende herum sind die Veränderungen spürbar. Ein regelmäßiger Blick in den Kalender hilft, den Überblick zu behalten und kein Gebet zu verpassen.