Wie astronomische Dämmerung die Fadschr-Zeit bestimmt
Die Fadschr-Zeit beginnt, sobald am östlichen Horizont der erste schwache Lichtstreifen erscheint. ASTRONOMISCH gesprochen handelt es sich um die sogenannte Morgendämmerung, wenn sich die Sonne in einem Winkel von etwa 18 Grad unterhalb des Horizonts befindet. Viele Gebetszeit-Tabellen – auch die für Templin – arbeiten mit diesem Wert, andere verwenden 15 Grad. Die scheinbar kleine Differenz führt jedoch zu einer Abweichung von bis zu zehn Minuten. Wer also früh beten möchte, sollte wissen, welcher Berechnungsstandard angewendet wurde.
Die geographische Breite von Templin (53,12° N) spielt dabei eine zentrale Rolle. Je weiter nördlich ein Ort liegt, desto länger dauern die Dämmerungsphasen im Sommer. Oberhalb von 48° N – also auch hier – verschmelzen in den hellsten Wochen des Jahres Abend- und Morgendämmerung beinahe miteinander. Dadurch kann die wahre Fadschr-Zeit sehr früh beginnen, während die Nacht kaum eine «schwarze» Phase hat. Viele Muslime greifen in dieser Zeit auf bewährte Hilfsmethoden zurück, etwa die siebenteilung der Nacht oder feste Sicherheitsaufschläge, um nicht ungewollt in die Gebetszeit hineinzuessen oder zu trinken.
Im Winter ist das Bild umgekehrt: Die Sonne erreicht den 18-Grad-Punkt schneller, weil die Dämmerung kürzer ist. Fadschr verschiebt sich daher näher an den Sonnenaufgang () heran. Für Berufstätige kann das sogar den Vorteil haben, Fadschr nach dem Aufstehen zu verrichten, ohne allzu früh aufstehen zu müssen.
Längengrad und sein Einfluss auf den Sonnenuntergang in Templin
Die Länge bestimmt, wann die Sonne in einem bestimmten Breitengrad exakt untergeht. Ein Längenunterschied von einem Grad entspricht ungefähr vier Minuten Zeitdifferenz. Templin liegt bei 13,5° Ost und damit östlicher als viele andere Städte in Brandenburg. Daher setzt die Sonne hier etwas früher unter als in gleich weit nördlich liegenden Orten weiter westlich. Bei einem Unterschied von etwa 0,5° – zum Beispiel zwischen Templin und Potsdam – sind das rund zwei Minuten. Diese Feinheiten erklären, warum selbst innerhalb eines Bundeslandes mehrere Gebetszeit-Tabellen existieren.
Der Sonnenuntergang definiert die Maghrib-Zeit; unmittelbar danach beginnt die Berechnung der Ischa-Zeit und des Asr-Schattens. Das Asr-Gebet selbst wird auf zwei verschiedene Arten bestimmt: Im hanafitischen Madhhab gilt das Zweifache des eigenen Schattens abzüglich des Mittagsschattens, im schafiitischen Madhhab das Eineinhalbfache. Da der Schatten kurz nach dem lokalen Sonnenhöchststand (Zuhr) wächst, ergeben sich je nach Methode in Templin Differenzen von sechs bis zwölf Minuten. Die Tabellen hier weisen standardmässig beide Zeiten aus, sodass jede Person die für sie gültige Methode wählen kann.
Warum der Abstand zwischen Maghrib und Ischa im Winter kürzer wird
Sobald die obere Sonnenscheibe den Horizont berührt, tritt Maghrib ein. Die Ischa-Zeit beginnt mit dem vollständigen Ende der nautischen Dämmerung, also wenn das rötliche Lichtband im Westen verschwunden ist und der Himmel vollkommen dunkel wirkt. Auf 53° N geschieht das im Dezember schon 70–80 Minuten nach Sonnenuntergang. Im Juni dagegen kann es deutlich über zwei Stunden dauern – manchmal geht Ischa erst nach 00:00 Uhr los.
Die Verkürzung des Intervalls zwischen Maghrib und Ischa im Winter hat praktische Folgen: Wer nach der Arbeit betet, findet beide Gebete eng beieinander und vermeidet so unnötige Fahrten zur Moschee. Im Sommer hingegen ist genügend Zeit, um zunächst in Ruhe zu essen, sich auszuruhen oder zu lernen, bevor Ischa fällig wird. Gleichzeitig verlängert sich in den langen Nächten der Zeitraum für freiwillige Nachtgebete (Qijam al-Lail), da Mitternacht () und das letzte Drittel der Nacht () später beginnen.
Zusammengefasst lässt sich sagen: Die Gebetszeiten in Templin folgen klaren astronomischen und geographischen Regeln. Wer sich ihrer bewusst ist, kann eventuelle Abweichungen zwischen verschiedenen Kalendern nachvollziehen und die eigenen Gebete ruhigen Gewissens im passenden Zeitfenster verrichten.