Die Uhrzeiten der fünf täglichen Gebete richten sich nach dem Stand der Sonne über dem konkreten Standort. Waiblingen liegt bei 48,83 ° nördlicher Breite und 9,32 ° östlicher Länge im Zeitzonenbereich Europe/Berlin (UTC + 1, im Sommer UTC + 2). Diese Koordinaten sind die Ausgangsbasis für alle Berechnungen, die Sie in den heutigen Gebetszeiten bereits sehen.
Geographische Länge und der genaue Zeitpunkt des Sonnenuntergangs
Innerhalb Deutschlands verschieben sich die Gebetszeiten von West nach Ost um einige Minuten, weil die Sonne östlich gelegene Orte früher erreicht. Ein Längengrad entspricht rund vier Minuten Zeitdifferenz. Waiblingen liegt gut 2° östlich von Karlsruhe, aber knapp 1° westlich von Ulm. Daraus ergeben sich beim Sonnenuntergang – und damit auch beim Maghrib – Unterschiede von jeweils etwa 4 bis 8 Minuten im Vergleich zu diesen Nachbarstädten.
Für das Zuhr-Gebet (Sonnenhöchststand) wird der wahre Mittag berechnet, der exakt zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang liegt. Da die geographische Länge direkt in die Bestimmung des lokalen Mittags eingeht, verändert sie proportionale alle Gebetszeiten, die davon abhängen. Ein Blick auf einen Kalender aus einem anderen Ort kann daher zu leichten Abweichungen führen, selbst wenn die Städte nur einige Dutzend Kilometer auseinanderliegen.
Asr-Zeit: hanafitische und schafiʿitische Berechnung
Der Beginn des Asr-Gebets wird anhand der Schattenlänge bestimmt. Es existieren zwei anerkannte Methoden:
- Schafiʿi, Maliki, Hanbali: Asr beginnt, sobald der Schatten eines Objekts seine eigene Länge erreicht (zusätzlich zum Mittagsschatten).
- Hanafi: Asr beginnt erst, wenn der Schatten doppelt so lang ist wie das Objekt (ebenfalls zuzüglich des Mittagsschattens).
In Waiblingen bedeutet das an langen Sommertagen einen Unterschied von rund 40 bis 70 Minuten zwischen den beiden Berechnungen; im Winter verkürzt sich die Differenz auf ungefähr 20 Minuten. Viele deutschsprachige Gebetskalender weisen beide Zeiten aus, damit jede Gemeinde nach ihrer Rechtsschule handeln kann. Beide Methoden sind laut Fiqh gültig; sie spiegeln lediglich unterschiedliche Interpretationen der überlieferten Ahadith wider.
Schuruq verstehen: Warum Fadschr vor Sonnenaufgang beendet sein muss
Fadschr beginnt mit der Morgendämmerung (astronomisch: Sonnenmitte etwa 18 ° unter dem Horizont) und endet mit dem Schuruq, also dem tatsächlichen Sonnenaufgang. Zwischen diesen beiden Punkten liegt die Zeitspanne, in der das Morgengebet verrichtet werden muss. Sobald die obere Sonnenscheibe den Horizont berührt, beginnt eine verbotene Gebetszeit (Karaha) von wenigen Minuten. Danach schließt sich die Zeit des Zuhr erst wieder an.
Auf der Breite von 48,83 ° verlängern sich die Dämmerungsphasen im Sommer erheblich. Dadurch rückt Fadschr sehr früh in die Nachtstunden, während Ischa in den späten Abend fällt. In besonders hellen Nächten ist die astronomische Dämmerung kaum noch vollständig, was die Berechnung erschwert. Islamische Institute greifen dann auf etablierte Näherungsverfahren zurück, zum Beispiel die Middle of the Night— oder Seventh of the Night-Methode. Sie finden solche Richtwerte unter anderem als und , falls die gewöhnliche Berechnung in sehr hellen Nächten nicht eindeutig ist.
Im Winter kehrt sich die Situation um: Die Sonne steht tiefer, die Dämmerung verkürzt sich, und Fadschr beginnt deutlich später, während Ischa bereits am frühen Abend eintritt. Diese natürlichen Schwankungen erklären, warum Ihr Gebetskalender jeden Tag um einige Minuten variiert.