Geographische Länge und ihr Einfluss auf den Sonnenuntergang
Walldorf liegt auf 8,64 ° östlicher Länge. Im Vergleich zu Städten wenige Grad weiter westlich, etwa Saarbrücken oder Metz, erreicht die Sonne in Walldorf einige Minuten früher den Horizont. Der Grund: Je weiter östlich ein Ort liegt, desto eher durchläuft die Sonne dort ihre tägliche Bahn. Selbst innerhalb von Baden-Württemberg ergeben sich zwischen Mannheim, Walldorf und Freiburg Unterschiede von bis zu sechs Minuten beim Maghrib. Wer regelmäßige Fahrten in die Region unternimmt, sollte diese Verschiebung im Blick behalten, denn das Fastenbrechen und das Abendgebet knüpfen unmittelbar an den tatsächlichen Sonnenuntergang an. Für das heute auf der Seite angegebene Maghrib-Zeitfenster werden die Längenkoordinate, das aktuelle Datum und die gesetzliche Zeit von Europa/Berlin (MEZ/MESZ) rechnerisch kombiniert.
Während die Länge nur Minutenunterschiede bewirkt, sorgt die Breite für deutlich größere saisonale Abweichungen. Walldorf befindet sich bei 49,30 ° nördlicher Breite und erlebt damit im Juni sehr lange, im Dezember sehr kurze Tage. Diese Streckung und Stauchung der Dämmerungsphasen verschiebt vor allem Fadschr und Ischa, wie unten erläutert.
Schuruk verstehen: Warum der Fadschr vor dem Sonnenaufgang endet
Fadschr bezeichnet die Zeitspanne zwischen dem ersten Morgengrauen (astronomisch: Aufleuchten des unteren Sonnenrandes 18 ° unter dem Horizont) und dem eigentlichen Sonnenaufgang, dem Schuruk. Der Qur’an (Sure 2:187) ordnet an, das Fasten und auch das Morgengebet zu beenden, „wenn der Faden des hellen vom dunklen Morgen unterscheidbar wird“. Sobald die obere Kante der Sonne sichtbar wird, ist das Fenster für das Morgengebet geschlossen. Das heute angezeigte Schuruk-Moment () markiert deshalb eine scharfe Grenze; ein Gebet, das danach begonnen wird, gilt nicht mehr als Fadschr.
Der Breitengrad 49 ° führt dazu, dass die Dämmerung im Sommer sehr flach verläuft. Dadurch beginnt der Fadschr in Walldorf oft weit vor 04:00 Uhr, während er im Dezember erst gegen 06:40 Uhr startet. Die Lichter des Stadthimmels können das Auge zusätzlich täuschen. Eine verlässliche Uhrzeitberechnung, wie sie hier ausgegeben wird, bewahrt vor Unsicherheit – dennoch bleibt es empfohlen, einen kleinen Sicherheitsabstand einzuhalten, etwa zwei bis drei Minuten vor Schuruk abzuschließen.
Asr-Berechnung: Schafiitische versus hanafitische Methode
Der Zeitpunkt des Nachmittagsgebets (Asr) wird aus der Schattenlänge eines senkrechten Objekts ermittelt. Hier existieren zwei etablierte Rechtsmeinungen:
- Schafiitische, malikitische und hanbalitische Schule: Asr beginnt, wenn der Schatten die eigene Objektlänge erreicht (länge = 1).
- Hanafitische Schule: Asr beginnt, wenn der Schatten das Doppelte der Objektlänge erreicht (länge = 2).
In Deutschland bevorzugen viele Gemeinden den hanafitischen Wert, weil er historisch von Einwanderergemeinden aus der Türkei und Südasien übernommen wurde. Allerdings veröffentlichen einige Apps und Kalender parallel die schafiitische Zeit. Auf dieser Seite wird transparent angezeigt, welche Variante zugrunde liegt; dadurch können Betende aus beiden Traditionen den eigenen Beginn ableiten. Der Unterschied beträgt in Walldorf heute – je nach Jahreszeit – zwischen 30 und 60 Minuten.
Warum variiert diese Spanne? Je höher die Sonne zur Mittagszeit steht, desto kürzer ist der Schatten und desto länger dauert es, bis er die doppelte Länge erreicht. Im Juni (hoher Sonnenstand) weicht der hanafitische Asr daher deutlich nach hinten. Im Dezember dagegen konvergieren die beiden Methoden, da die Schatten schon kurz nach Zuhr sehr lang sind.
Warum ändern sich die Gebetszeiten täglich?
Alle fünf Pflichtgebete sind direkt an beobachtbare Sonnenstände geknüpft. Der Jahreslauf verursacht:
- Verschiebung des Sonnenaufgangs und -untergangs – je nach Datum rund ± drei bis vier Minuten pro Tag.
- Veränderung der Dämmerungslängen – wichtig für Fadschr und Ischa; an 49 ° N reicht die nautische Dämmerung im Juni bis nach Mitternacht.
- Sommerzeitumstellung – Deutschland wechselt zweimal jährlich zwischen MEZ und MESZ, was die angezeigten Zeiten um genau eine Stunde verschiebt, ohne den astronomischen Stand zu verändern.
Damit erklärt sich, warum die Uhrzeitangaben auf dieser Seite vom Vortag abweichen und warum verschiedene Städte im selben Land nicht dieselben Zeiten haben können.