Schuruk: Bedeutung und das rechtzeitige Beenden von Fadschr
Im Qur’an (4:103) wird das Gebet an fest vorgeschriebenen Zeiten verankert. Die erste dieser Zeiten beginnt mit dem Morgengrauen (Fadschr) und endet, sobald die Sonne am Horizont erscheint – dem sogenannten Schuruk. In den Tabellen für Wenden finden Sie deshalb zwei Einträge: Fadschr und Sonnenaufgang (Schuruk). Zwischen beiden Punkten liegt das Zeitfenster für das erste Gebet des Tages.
Warum ist der Schuruk so entscheidend? Ab dem Moment, in dem die obere Sonnenscheibe sichtbar wird, tritt die von den Gelehrten überlieferte Sperrzeit ein, in der freiwillige und verpasste Gebete bis etwa 15–20 Minuten nach dem vollständigen Aufgang nicht zulässig sind. Wer sein Fadschr also sicher innerhalb der zulässigen Zeit beten möchte, sollte das Gebet vor abgeschlossen haben.
Wenden liegt auf 50,97° nördlicher Breite. Damit variiert die Dauer der Morgendämmerung stark: Im Juni beginnt das erste Licht deutlich früher als im Dezember. Das führt dazu, dass die Zeitspanne zwischen Fadschr und Schuruk im Sommer länger, im Winter dagegen kürzer ist. Der Kalender berücksichtigt diese jahreszeitlichen Schwankungen automatisch.
Rechenmethoden MWL, Diyanet und IGMG – warum es mehrere gibt
Die klassischen Quellen definieren die Gebetsanfänge über sichtbare Sonnenphasen. Für moderne Kalender werden diese Phasen durch astronomische Sonnenstände in Grad gemessen. Je nachdem, welche Winkel festgelegt werden, ergeben sich unterschiedliche Zeiten. In Deutschland sind vor allem drei Rechenmethoden verbreitet:
- MWL (Muslim World League): 18° unter dem Horizont für Fadschr und Ischa. International weit verbreitet.
- Diyanet (Türkei): 18° für Fadschr, 17° für Ischa. Von vielen türkischstämmigen Gemeinden genutzt.
- IGMG: 12° für Fadschr, 12° für Ischa plus eine saisonale Anpassung, um lange Sommernächte auf hohen Breiten zu berücksichtigen.
Alle drei Methoden beruhen auf anerkannten Fachgutachten (Fatwas) und astronomischen Berechnungen. Keine beansprucht, die einzig gültige zu sein. Gemeinden in Wenden wählen oft die Methode, die ihrem Mutterverband entspricht, sodass das Ergebnis der lokalen Tabelle von anderen Online-Listen abweichen kann.
Asr nach unterschiedlichem Madhhab
Für das Nachmittagsgebet (Asr) existieren zwei anerkannte Definitionen:
- Schāfiʿī, Mālikī, Hanbalī: Asr beginnt, wenn der Schatten eines Objekts dessen eigene Länge erreicht (Schattenlänge = 1 ×).
- Hanafī: Der Beginn verschiebt sich, bis der Schatten die doppelte Länge hat (Schattenlänge = 2 ×).
Viele Gebetskalender – auch dieser – geben deshalb zwei Asr-Zeiten aus oder kennzeichnen klar, welcher Madhhab abgedeckt wird. Wer der hanafitischen Rechtsschule folgt, betet entsprechend später.
Einfluss der geografischen Länge auf die Zeit des Sonnenuntergangs
Neben der Breite spielt die Länge eine Rolle: Wenden liegt bei 7,87° östlicher Länge. Pro Längengrad verschiebt sich der wahre Sonnenuntergang um etwa vier Minuten. Vergleicht man also die Maghrib-Zeit von Wenden mit einer Stadt 1° weiter westlich, beginnt das Abendgebet dort rund vier Minuten später – obwohl beide Orte in derselben Zeitzone (Europe/Berlin) liegen.
Innerhalb Nordrhein-Westfalens machen diese Mikrodifferenzen oft den Unterschied, warum ein Kalender in Köln nicht exakt zu den Werten im Kreis Olpe passt. Je nachdem, wie genau eine App oder Website die Koordinaten rundet, können kleine Abweichungen sichtbar werden. Für die Praxis bedeutet das: Wer sich in Wenden auf das lokale Koordinatenpaar (50,97 N / 7,87 E) stützt, erhält die präzisesten Maghrib- und Ischa-Zeiten für seinen Standort.
Auch die Sommer- und Winterzeit spielt hier hinein. Der Wechsel von CET auf CEST bewirkt eine ganze Stundenverschiebung, doch die tatsächliche Sonne setzt sich nicht an die Regelwerke der Uhr. Der Rechenalgorithmus gleicht daher sowohl Zeitzonen als auch Koordinaten ab, damit das angezeigte Maghrib = Sonnenuntergang bleibt – unabhängig von der politischen Zeitumstellung.