Berechnungsmethoden: MWL, Diyanet und IGMG im Vergleich
Die Uhrzeiten, die Sie in Wetter finden, basieren auf astronomischen Berechnungen. Dabei wird für jede Methode ein bestimmter Sonnenstand als Auslöser für Fadschr und Ischa festgelegt. Die drei am häufigsten genutzten Ansätze in Deutschland sind:
- Muslim World League (MWL) – 18° unter dem Horizont für Fadschr, 17° für Ischa.
- Diyanet (Türkische Religionsbehörde) – 18° für beide Gebete und eine feste 30-Minuten-Spanne zwischen Maghrib und Ischa im Ramadan.
- IGMG (Islamische Gemeinschaft Millî Görüş) – 12° für Fadschr, 13° für Ischa, ergänzt um Korrekturfaktoren für hohe Breiten.
Die Wahl einer Methode hängt meist davon ab, welchem Verband die örtliche Moschee angeschlossen ist. In Nordrhein-Westfalen folgen viele Gemeinden dem Diyanet-Kalender, während Online-Plattformen oft MWL anbieten, weil er international verbreitet ist. Wichtig: Keine Methode besitzt Exklusivität auf „absolute Richtigkeit“. Alle drei stützen sich auf ijtihād, also eine qualifizierte Auslegung, wie die überlieferten Zeichen der Sonne in moderne Koordinaten übertragen werden.
Auch das Asr-Gebet zeigt einen Unterschied: Der hanafitische Madhhab nutzt den zweifachen Schatten der Objekte, die meisten anderen Rechtsschulen den einfachen. Deshalb kann Asr in einigen Tabellen bis zu einer Stunde später beginnen.
Maghrib und Ischa im Winter: Warum die Zeitspanne so kurz wird
Wetter liegt auf 51,4° nördlicher Breite. Je höher der Breitengrad, desto flacher verläuft die Sonnenbahn im Winter. Die Sonne taucht nach dem Untergang nur langsam tiefer unter den Horizont. Dadurch verlängern sich die nautischen Dämmerungsphasen, während der tatsächliche Tag gleichzeitig sehr kurz ist.
Das hat zwei spürbare Effekte:
- Maghrib rückt bereits am frühen Nachmittag nahe 16:20 Uhr (Mitte Dezember),
- Ischa folgt oft weniger als 70 Minuten später – je nach Methode sogar noch früher.
Für Berufstätige kann die knappe Zeit zwischen den beiden Gebeten herausfordernd sein. Ein praktischer Tipp: Wer Ischa im Winter nicht in der Moschee betet, kann das Gebet direkt nach Maghrib vorbereiten, um die kurze Frist nicht zu verpassen. Im Sommer kehrt sich die Situation um: Die langen Dämmerungsphasen verschieben Ischa teilweise bis nach 23:00 Uhr, während Fadschr schon gegen 03:00 Uhr einsetzen kann. Dieser „Spagat“ ist typisch für Städte oberhalb des 48. Breitengrades.
Was genau ist Schuruq und warum muss Fadschr davor abgeschlossen sein?
Schuruq (Sonnenaufgang) markiert den Moment, in dem die obere Sonnenscheibe den Horizont berührt. Mit Schuruq endet das Fadschr-Zeitfenster sofort. Die Logik dahinter ist einfach: Sobald die Sonne sichtbar wird, beginnt nach Überlieferung ein neuer Tag (*nahār*), und das Morgengebet ist auf die Phase der Morgendämmerung (*fajr ṣādiq*) beschränkt.
Um Verwirrung zu vermeiden, merken Sie sich folgende Reihenfolge:
- Fadschr – beginnt, wenn der horizontale Lichtstreifen am östlichen Himmel erscheint.
- Schuruq – beendet Fadschr; zeigt die exakte Minute.
- Zuhr – startet nach dem Sonnenhöchststand (Zenit).
- Asr – setzt mit dem Schattenkriterium ein (einfach oder zweifach, je nach Madhhab).
- Maghrib – beginnt unmittelbar mit Sonnenuntergang.
- Ischa – folgt, wenn die Abenddämmerung verschwindet.
Wer Fadschr nach Schuruq nachholt, verrichtet kein reguläres Fadschr, sondern eine Nachholung (qaḍā’). Achten Sie deshalb bei frühen Terminen oder Schichtarbeit darauf, einen zuverlässigen Wecker vor dem Schuruq-Zeitpunkt zu stellen.