Fadschr, astronomische Dämmerung und die Rolle der Sonne
Die Zeit für das Fadschr-Gebet beginnt, sobald der erste zarte Lichtstreifen am östlichen Horizont erscheint (arabisch: Fadschr ṣādiq). Astronomisch entspricht das jenem Moment, in dem die Sonnenmitte etwa 18 Grad unter dem Horizont steht. Bis zum Sonnenaufgang – angezeigt durch – bleibt ein schmaler Zeitraum, in dem das Morgengebet verrichtet werden muss.
Wetzlar liegt bei 50,56 ° nördlicher Breite. Diese geografische Lage hat zwei praktische Folgen:
- Lange Sommertage: Im Juni liegt der Sonnenaufgang sehr früh, während das Ende der Nachtdämmerung erst spät eintritt. Dadurch kann Fadschr schon deutlich vor 04:00 Uhr beginnen und Ischa nach 23:00 Uhr enden.
- Kurze Wintertage: Im Dezember verschiebt sich Fadschr in die späteren Morgenstunden, gleichzeitig rückt Ischa auf den frühen Abend vor.
Wer freiwillige Nachtgebete plant, kann als groben Richtwert die Mitte der Nacht nutzen – zum Beispiel mit dem Shortcode . Der tatsächliche Beginn richtet sich aber immer nach den lokalen Fadschr- und Maghrib-Zeiten des jeweiligen Tages.
Warum verschiedene Rechenmethoden (MWL, Diyanet, IGMG) zu abweichenden Zeiten führen
Hinter jeder veröffentlichten Gebetszeiten-Tabelle steckt ein Algorithmus. Drei Methoden werden in Deutschland besonders häufig verwendet:
- Muslim World League (MWL) – Fadschr-Winkel −18°, Ischa-Winkel −17°. Diese Methode bietet für mittlere Breitengrade ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Vorsicht und Alltagstauglichkeit.
- Diyanet – Die türkische Behörde nimmt für Fadschr ebenfalls −18°, setzt aber für Ischa teilweise einen festen Zeitabstand nach Maghrib an. Dadurch kann Ischa früher liegen als bei MWL.
- IGMG – Verwendet den «Ein-Siebtel-Ansatz»: In den Monaten, in denen die Sonne nachts nicht tief genug sinkt, berechnet die Organisation feste Minutenabstände (z. B. 108 Minuten) ab Sonnenuntergang. Das verhindert extrem späte Ischa-Zeiten in hohen Breitengraden.
Die Wahl der Methode ist fiqh-politisch nicht bindend; Gemeinden entscheiden sich oft nach praktischen Gesichtspunkten wie Arbeitszeiten, Schulbeginn oder Mehrheitsmeinung der Musallī.
Der Asr-Unterschied zwischen hanafitischer und schafiitischer Berechnung
Beim Asr-Gebet weicht die zugrunde liegende Definition ab: Im hanafitischen Madhhab beginnt Asr, wenn der Schatten eines Objekts exakt doppelt so lang ist wie es selbst (plus den Längenschatten zur Mittagszeit). Schafiiten, Malikiten und Hanbaliten setzen den Zeitpunkt bereits bei einfacher Schattenlänge an. In der Praxis verschiebt sich Asr nach hanafitischer Ansicht in Wetzlar um etwa 40–60 Minuten nach hinten. Viele Apps erlauben beide Optionen, im Zweifel hilft die lokale Moschee bei der Entscheidung.
Längengrad, lokale Unterschiede und warum Wetzlar nicht gleich Frankfurt ist
Neben dem Breitengrad wirkt sich auch der Längengrad direkt auf die Minutenangaben aus. Die Faustregel lautet: Ein Längengrad entspricht etwa vier Minuten Zeitdifferenz. Wetzlar liegt bei 8,50 ° Ost und damit fast einen halben Grad westlicher als Frankfurt. Deshalb geht die Sonne hier im Durchschnitt knapp zwei Minuten später unter als in der Main-Metropole – genug, um Maghrib- und Ischa-Zeiten messbar zu verschieben.
Selbst kleine Fahrten nach Gießen oder Marburg ergeben minimale Abweichungen, die bei strengem Festhalten an den Sonnenzeichen durchaus relevant sind. Moderne Berechnungen berücksichtigen diesen Effekt, indem sie die exakten Koordinaten (Breite, Länge, Höhe über NN) zusammen mit dem UTC-Offset des Zeitzonenservers für jedes Datum aufs Neue zusammenführen.
Deshalb gilt: Wer präzise beten möchte, sollte sich immer an die lokalen Gebetszeiten halten und nicht an die Daten eines Nachbarortes.
Moscheen und islamische Zentren in Wetzlar
| Name | Adresse | Kontakt |
|---|---|---|
| DITIB Mevlana Moschee | Annablick 1, 35578 Wetzlar | Tel. 06441 / 44 55 77 |
| Islamisches Zentrum Wetzlar e.V. | Spilburgstraße 5, 35579 Wetzlar | [email protected] |