Berechnungsmethoden: MWL, Diyanet und IGMG – welche passt für mich?
In Deutschland sind vor allem drei Berechnungsmethoden verbreitet: die Muslim World League (MWL), die türkische Präsidentschaft für Religionsangelegenheiten (Diyanet) und die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Die Unterschiede liegen hauptsächlich im Sonnenstand, bei dem Fadschr und Ischa beginnen. MWL setzt −18° für Fadschr und −17° für Ischa an. Diyanet arbeitet mit −18° für beide Gebete, während IGMG mit −15° einen etwas helleren Himmel akzeptiert. Je kleiner der Winkel, desto später beginnen die jeweiligen Gebete.
Die Wahl der Methode richtet sich nach der Herkunft der Gemeinde und nach praktischen Erwägungen. Türkisch geprägte Moscheen in Niedersachsen folgen meist Diyanet, arabische Gemeinden tendieren zur MWL, und viele Apps stellen IGMG als Mittelweg ein, um sehr späte Sommer-Ischa-Zeiten zu verkürzen. Keine dieser Methoden ist „richtiger“ als die andere; alle sind durch anerkannte Fatwas gedeckt, solange sie die astronomischen Kriterien erfüllen.
Hanafi- und Schafi‘i-Zeit für das Asr-Gebet
Das Asr-Gebet beginnt entweder, wenn der Schatten eines Objekts exakt seiner eigenen Länge entspricht (Schafi‘i, Malikî, Hanbalî) oder wenn er das Doppelte erreicht (Hanafî). In vielen Kalendern wird deshalb eine zweite Asr-Zeit aufgeführt. Wer dem hanafitischen Madhhab folgt, wartet also besonders im Sommer rund eine Stunde länger, bevor die Pflichtzeit beginnt.
Geographische Länge: warum der Sonnenuntergang in Wiefelstede anders ist als in Bremen
Wiefelstede liegt auf 8,12° östlicher Länge. Pro Längengrad verschiebt sich der wahre Sonnenuntergang um etwa vier Minuten. Verglichen mit Hamburg (9,99° E) geht die Sonne hier rund acht Minuten früher unter, obwohl beide Orte in derselben Zeitzone liegen. Diese Differenz setzt sich in allen nachfolgenden Gebetszeiten fort, weil Zuhr exakt auf dem Sonnenhöchststand des jeweiligen Ortes basiert und Maghrib unmittelbar nach Sonnenuntergang beginnt.
Auch Höhenlage und lokale Horizonte können das Ergebnis um wenige Minuten verändern. In der flachen norddeutschen Tiefebene fallen diese Effekte jedoch kaum ins Gewicht, sodass sich die Rechenwerte sehr gut mit der realen Beobachtung decken.
Sonnenstand und astronomische Dämmerung: Wie wird der Fadschr bestimmt?
Der Beginn des Fadschr ist an das erste, horizontale Morgenlicht gekoppelt. Astronomen definieren diesen Moment, wenn die Sonnenmitte 18° unter dem Horizont steht. Bei unserer Breite von 53,25° Nord treffen die Sonnenstrahlen im Juni sehr flach ein. Die Folge: Die nautische Dämmerung geht fast nahtlos in die bürgerliche über, echte Dunkelheit tritt kaum ein und der Fadschr rückt spürbar früher in die Nacht.
Für Ischa gilt dasselbe Prinzip, nur spiegelverkehrt. In den Wochen um die Sommersonnenwende verschwindet der rote Streifen am Nordwesthorizont erst sehr spät oder gar nicht. Viele Gemeinden greifen deshalb auf Ersatzzahlen zurück, etwa Mitternacht (½ Nacht) oder den Winkel −15°. Diese Lösungen werden in internationalen Fatwas für Breitengrade oberhalb 48° Nord empfohlen und erleichtern den Alltag, ohne die Scharia zu verletzen.
Die Tabelle auf dieser Seite nutzt einen konsistenten Algorithmus, der Datum, Breite, Länge und Zeitzone (Europe/Berlin, UTC +1/+2) berücksichtigt. So erklärt sich, warum die Zeiten täglich um ein bis mehrere Minuten springen: Die Position der Erde zur Sonne ändert sich an jedem Tag des Jahres.
Der Unterschied zwischen Fadschr und Sonnenaufgang liegt darin, dass mit Fadschr die Erlaubnis für das Gebet beginnt, während der Sonnenaufgang das Ende dieser ersten Pflichtzeit markiert. Zwischen beiden Momenten bleiben in Wiefelstede je nach Saison 90 bis 150 Minuten, um das Morgengebet in Ruhe zu verrichten.